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Festgeldbetrug 2026: Wie Kriminelle die Sehnsucht nach Sicherheit ausnutzen

11.06.2026 - 17:14:32 | dgap.de

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EQS-Media / 11.06.2026 / 17:14 CET/CEST
Die Rückkehr des Festgelds – und die Rückkehr der Betrüger Lange Zeit galt Festgeld als nahezu ausgestorbenes Anlageprodukt. In den Jahren der Niedrigzinsphase waren die Erträge so gering, dass viele Anleger ihr Geld lieber auf Tagesgeldkonten parkten oder in Wertpapiere investierten. Doch mit den steigenden Zinsen kehrte das Festgeld zurück. Banken werben wieder mit attraktiven Konditionen, Vergleichsportale verzeichnen Rekordzugriffe und Millionen Deutsche suchen nach sicheren Alternativen zu den Schwankungen an den Kapitalmärkten. Gerade diese Suche nach Sicherheit hat jedoch eine neue Welle professionell organisierter Anlagebetrüger auf den Plan gerufen. Die Betrugsmasche „Festgeldanlage“ gehört mittlerweile zu den mit am schnellsten wachsenden Erscheinungsformen des Online-Anlagebetrugs. Finanzaufsichtsbehörden, Verbraucherzentralen und Ermittlungsbehörden warnen seit Monaten vor einer Vielzahl betrügerischer Plattformen, die sich als seriöse Banken, Vermögensverwalter oder Festgeldvermittler ausgeben. Die BaFin veröffentlicht regelmäßig Warnmeldungen zu entsprechenden Angeboten. Auch Verbraucherzentralen berichten über zahlreiche Fälle, in denen Anleger ihr gesamtes Erspartes verloren haben. Dabei handelt es sich keineswegs um dilettantische Betrugsversuche. Die Täter arbeiten hochprofessionell. Die Webseiten wirken modern, die Vertragsunterlagen erscheinen authentisch und die Ansprechpartner treten kompetent und vertrauenswürdig auf. Selbst erfahrene Anleger erkennen häufig nicht, dass sie es mit Kriminellen zu tun haben. Warum gerade Festgeld? Das Erfolgsgeheimnis der Täter liegt in einem einfachen psychologischen Mechanismus. Wer Festgeld sucht, möchte gerade kein Risiko eingehen. Anders als bei Kryptowährungen, Aktien oder spekulativen Investments richten sich die Täter hier gezielt an Menschen, die ihr Vermögen schützen wollen. Besonders häufig betroffen sind ältere Anleger, Ruheständler, Erben oder Personen, die nach dem Verkauf einer Immobilie größere Geldbeträge sicher anlegen möchten. Die Betrüger wissen genau, dass diese Anleger nicht nach spektakulären Renditen suchen. Deshalb werben sie häufig nicht mit unrealistischen Gewinnen. Stattdessen bieten sie Zinssätze an, die plausibel erscheinen und nur leicht über dem Marktniveau liegen. Gerade dadurch wirken die Angebote glaubwürdig. Verbraucherzentralen berichten, dass viele der betrügerischen Offerten bewusst so gestaltet werden, dass sie seriös erscheinen und keinen sofortigen Verdacht auslösen. Die Geschichte hinter der modernen Festgeldbetrugswelle Im Bereich des Online-Anlagebetrugs dominieren vor allem Forex-, CFD- und Kryptowährungsplattformen. Die Täter versprachen hohe Renditen und schnelle Gewinne. Mit der Rückkehr attraktiver Sparzinsen kommt ein weiteres Geschäftsmodell hinzu. Heute setzen viele Tätergruppen auf die Tarnung als Festgeldanbieter oder Festgeldvermittler. Die Opfer werden nicht mehr mit Gier angesprochen, sondern mit dem Bedürfnis nach Sicherheit. Der entscheidende Vorteil für die Täter besteht darin, dass die Anleger häufig erst Monate später bemerken, dass sie Opfer eines Betruges geworden sind. Da Festgeldanlagen typischerweise Laufzeiten von sechs, zwölf oder sogar vierundzwanzig Monaten besitzen, bleibt den Tätern viel Zeit, Spuren zu verwischen und die Gelder über internationale Kontenstrukturen weiterzuleiten. Die typischen Betrugsmuster In der anwaltlichen Praxis zeigen sich immer wieder dieselben Vorgehensweisen. Der Bankenklon Besonders häufig werden Namen, Logos und Unternehmensdaten real existierender Banken oder Vermögensverwalter verwendet. Die Täter erstellen täuschend echte Kopien legitimer Webseiten und geben sich als bekannte Finanzunternehmen aus. Die Anleger glauben deshalb, ihr Geld bei einem regulierten Institut anzulegen, während die Überweisung tatsächlich auf Konten der Täter erfolgt. Die BaFin veröffentlicht regelmäßig Warnungen wegen solcher Identitätsdiebstähle und Unternehmensklone. Der Festgeldvermittler Eine weitere Variante besteht darin, dass sich die Täter als Vermittler renommierter europäischer Banken präsentieren. Dem Anleger wird erklärt, dass man das Festgeldkonto bei einer angeblichen Partnerbank eröffne. Tatsächlich existiert diese Geschäftsbeziehung jedoch nicht. Verbraucherzentralen dokumentierten bereits zahlreiche Fälle, in denen bekannte europäische Banken missbräuchlich als angebliche Partnerbanken genannt wurden. Der IBAN-Trick Besonders perfide ist die sogenannte IBAN-Masche. Den Anlegern wird suggeriert, sie würden ein eigenes Festgeldkonto im Ausland eröffnen. Tatsächlich überweisen sie ihr Geld auf ein von den Tätern kontrolliertes Konto. Ermittlungsbehörden berichten, dass selbst die Geschädigten häufig lange Zeit überzeugt sind, über ein echtes Festgeldkonto zu verfügen. Die Scheinverwaltung Nach der Einzahlung erhalten die Anleger Zugang zu vermeintlichen Kundenportalen, Kontoauszügen oder Zinsabrechnungen. Dort werden Guthaben und Zinserträge angezeigt, die in Wirklichkeit niemals existiert haben. Die gesamte Darstellung dient lediglich dazu, die Opfer zu beruhigen und weitere Einzahlungen zu veranlassen. Warum die Täter immer erfolgreicher werden Die heutige Generation von Anlagebetrügern arbeitet international. Webseiten werden professionell gestaltet. Telefonnummern funktionieren. E-Mails wirken authentisch. Teilweise werden sogar echte Unternehmensdaten verwendet oder Finanzaufsichtsregister manipulativ zitiert. Hinzu kommt der Einsatz künstlicher Intelligenz, professioneller Callcenter und internationaler Geldwäschestrukturen. Die Folge: Selbst vorsichtige Anleger erkennen die Täuschung oft erst dann, wenn sie ihr Geld zurückfordern wollen. Dann beginnt häufig die zweite Phase des Betrugs. Plötzlich werden angebliche Steuerzahlungen, Freigabegebühren, Bearbeitungskosten oder Geldwäscheprüfungen verlangt. Wer zahlt, verliert häufig noch weitere Beträge. Wenn das Festgeld fällig wird Der eigentliche Betrug wird meist erst sichtbar, wenn die Laufzeit endet. Die Auszahlung bleibt aus. Anfragen werden vertröstet. Telefonnummern funktionieren plötzlich nicht mehr. Ansprechpartner verschwinden. Webseiten werden abgeschaltet. Erst dann wird vielen Anlegern bewusst, dass sie niemals ein echtes Festgeldkonto besessen haben. „Anleger sind keineswegs rechtlos“ – Rechtsanwalt Dr. Greger über Festgeldbetrug und die Chancen auf Schadensersatz Frage: Herr Dr. Greger, erleben Sie derzeit tatsächlich eine Zunahme von Festgeldbetrugsfällen? Dr. Greger: Ganz eindeutig. Wir beobachten seit mehreren Jahren einen massiven Anstieg solcher Fälle. Während früher vor allem Kryptowährungen und Online-Trading-Plattformen im Mittelpunkt standen, sehen wir heute immer häufiger Festgeldbetrug. Die Täter haben erkannt, dass sie damit eine besonders vertrauensvolle Zielgruppe erreichen. Frage: Was ist der größte Irrtum vieler Geschädigter? Dr. Greger: Viele glauben zunächst, das Geld sei endgültig verloren. Das ist häufig nicht zutreffend. Zwar sind diese Verfahren komplex, aber es bestehen oftmals rechtliche Ansatzpunkte, die von den Betroffenen zunächst gar nicht erkannt werden. Frage: Welche Möglichkeiten bestehen konkret? Dr. Greger: Zunächst analysieren wir die vollständigen Zahlungswege. Dabei prüfen wir, welche Banken, Zahlungsdienstleister und sonstigen Finanzintermediäre an den Geldtransaktionen beteiligt waren. Je nach Sachverhalt kommen Schadensersatzansprüche gegen verschiedene Beteiligte in Betracht. Dabei geht es insbesondere um Fragen der Geldwäscheprävention, der Identitätsprüfung, der Kontoführung und der Einhaltung regulatorischer Pflichten. Gerade im Bereich des internationalen Anlagebetrugs ergeben sich häufig Ansatzpunkte, die außerhalb des unmittelbaren Täterkreises liegen. Frage: Können Geschädigte also tatsächlich Geld zurückerhalten? Dr. Greger: Ja. Jeder Fall muss individuell geprüft werden. Pauschale Aussagen wären unseriös. Aus unserer langjährigen Praxis wissen wir jedoch, dass durchaus Rückgewinnungsmöglichkeiten bestehen können. Entscheidend ist vor allem schnelles Handeln und forensische Erfahrung falls ein Gerichtsverfahren nötig wird.  Frage: Worauf sollten Betroffene unmittelbar achten? Dr. Greger: Sämtliche Unterlagen sichern. Kontoauszüge, Überweisungsbelege, E-Mails, Chatverläufe, Vertragsunterlagen und Screenshots sollten unverzüglich gesichert werden. Außerdem sollte keine weitere Zahlung erfolgen, selbst wenn mit Steuern, Freigabegebühren oder ähnlichen Vorwänden argumentiert wird. Frage: Wodurch zeichnet sich Ihre Kanzlei in diesem Bereich aus? Dr. Greger: Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren intensiv mit bank- und kapitalmarktrechtlichen Streitigkeiten. Als Fachanwälte für Bank- und Kapitalmarktrecht verfügen wir über umfangreiche Erfahrung bei der Aufarbeitung komplexer Anlagebetrugsfälle. Wir sind seit über 25 Jahren in diesem Bereich tätig u.a. im Wirecard Komplex. Unsere Tätigkeit beschränkt sich nicht auf die strafrechtliche Anzeige. Vielmehr verfolgen wir konsequent die zivilrechtlichen Ansprüche unserer Mandanten und analysieren sämtliche beteiligten Zahlungsstrukturen. Durch die Bearbeitung zahlreicher nationaler und internationaler Betrugsfälle verfügen wir über ein tiefes Verständnis der typischen Täterstrukturen und der rechtlichen Angriffspunkte. Frage: Ihr Rat an Anleger? Dr. Greger: Wer ein Festgeldangebot erhält, sollte die Zulassung des Anbieters überprüfen, die BaFin-Datenbank konsultieren und insbesondere bei Vermittlermodellen höchste Vorsicht walten lassen. Und wenn bereits Geld überwiesen wurde, sollte unverzüglich fachanwaltlicher Rat eingeholt werden. Je früher gehandelt wird, desto größer sind regelmäßig die Chancen, Ansprüche erfolgreich durchzusetzen.

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