Xi Jinping bei Trump: Medienstreit überschattet Staatsbesuch in Washington
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 20:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping bei US-Präsident Donald Trump in Washington wird von einem Streit über den Medienzugang zum Weißen Haus überschattet.
Weniger Live-Bilder vom Gipfel
Große US-Sender berichteten am Donnerstag im linearen Fernsehen deutlich weniger über das Treffen als bei vergleichbaren Gipfeln. Eine durchgängige Live-Übertragung gab es nicht. Beim Auftakt im Weißen Haus kündigte Trump an, mit Xi über Sicherheit, Technologie und Künstliche Intelligenz zu sprechen.
KI und Handel im Mittelpunkt
Trump sprach dabei von „Superintelligenz“ und sagte, die Entscheidungen beider Länder könnten Frieden und Wohlstand für Jahrzehnte fördern. Die USA und China konkurrieren weltweit um die Führungsrolle bei der KI-Technologie.
Auch der Handelsstreit sollte ein zentrales Thema des Besuchs sein. US-Finanzminister Scott Bessent sagte dem Sender Fox News nach Xis Ankunft, beide Länder hätten sich auf eine Verlängerung ihrer Zollpause um zwei Monate verständigt. Eine Bestätigung der chinesischen Seite lag zunächst nicht vor.
Zollpause soll bis Januar verlängert werden
Nach Bessents Darstellung soll das im südkoreanischen Busan vereinbarte Aussetzen hoher zusätzlicher Zölle nicht am 10. November, sondern erst am 10. Januar enden. Die zusätzliche Zeit solle genutzt werden, um weitere wirtschaftliche Vereinbarungen zu prüfen. Xi sollte bis Freitag in Washington bleiben.
Streit über Ausschluss mehrerer Medien
Der Besuch wurde zugleich vom Konflikt zwischen Trump und drei Medienhäusern überschattet. Der Präsident hatte CNN, MS NOW und Politico aus dem Weißen Haus verbannt und ihnen die Verbreitung von Falschmeldungen vorgeworfen. Kritiker sehen darin einen Angriff auf die Pressefreiheit und einen Einschüchterungsversuch.
Als Reaktion setzte die Gruppe großer TV-Sender ABC, CBS, NBC, Fox News und CNN ihre rotierende Begleitung von Präsidententerminen aus. Dieses Pool-System stellt normalerweise Bildmaterial auch anderen Medien zur Verfügung. Seit dem Protest gibt es kein gemeinsames Pool-TV-Material mehr.
Gericht ordnet Zugang vorläufig an
Ein Richter ordnete in der Nacht zu Donnerstag per einstweiliger Verfügung an, dass die drei Medien vorerst wieder Zugang zum Weißen Haus erhalten müssten. Am Morgen wurden Reporter zunächst nicht eingelassen; später berichteten die betroffenen Häuser, dass ihre Journalisten das Gebäude wieder betreten hätten.
Das Weiße Haus zeigte seit Xis Ankunft am Mittwochabend punktuell Aufnahmen gemeinsamer Termine. Dazu gehörte die Ansprache von Trump und Xi am Donnerstagmorgen. Ob es beim Staatsdinner am Donnerstagabend Ortszeit Live-Bilder geben würde, blieb zunächst offen.
Staatsbesuch mit begrenztem Spielraum
Der Besuch von Xi Jinping fällt in eine Phase, in der Washington und Peking zugleich Kooperation signalisieren und strategisch konkurrieren. Auf der offiziellen Agenda stehen neben Handel auch Künstliche Intelligenz, Taiwan und internationale Krisen. Die Verlängerung der Zollpause um zwei Monate würde den wirtschaftlichen Druck kurzfristig mindern, aber keinen dauerhaften Ausgleich schaffen.
Besonders sensibel ist der KI-Wettlauf. Beide Staaten wollen technologische Führungsmacht gewinnen; Fragen zu Exportkontrollen, Sicherheitsstandards und militärischer Nutzung berühren deshalb unmittelbar die nationale Sicherheit. Gespräche über eine Hotline oder bessere Kommunikationswege könnten Eskalationsrisiken verringern, würden den grundsätzlichen Wettbewerb aber nicht beenden.
Medienzugang als politisches Signal
Dass der Gipfel in den USA weniger live übertragen wird als frühere Treffen, verändert die öffentliche Wahrnehmung eines diplomatisch wichtigen Ereignisses. Ursache ist der Konflikt um den Zugang von CNN, MS NOW und Politico zum Weißen Haus und die daraufhin ausgesetzte gemeinsame TV-Begleitung. Das Pool-System soll normalerweise sicherstellen, dass Bildmaterial von Präsidententerminen allen Sendern zur Verfügung steht.
Für das Weiße Haus eröffnet die direkte Verbreitung eigener Aufnahmen größere Kontrolle über Bilder und Ablauf. Für Zuschauer sinkt zugleich die Vielfalt unabhängiger Perspektiven. Der Streit reicht damit über die Berichterstattung über Xi hinaus: Er betrifft die Regeln, nach denen Öffentlichkeit und Kontrolle präsidentieller Entscheidungen in den USA funktionieren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Xi bei Trump Größtmögliche Bühne - aber viele schwierige Themen“ (24.09.2026)
Der Bericht ordne den Staatsbesuch als symbolisch aufwendig, politisch jedoch schwierige Begegnung ein. Er bestätige die Themen KI und Zollpause, setze den Schwerpunkt aber stärker auf Taiwan, Iran und den Erfolgsdruck des US-Präsidenten. Große Durchbrüche würden nicht erwartet; offen bleibe, ob die Gespräche neue Spannungen tatsächlich vermeiden könnten.
n-tv: „Weißes Haus antwortet im Medienstreit mit ‚Trump TV‘“ (22.09.2026)
Der Artikel beschreibe, das Weiße Haus habe mit einem eigenen Online-Kanal auf den Ausschluss mehrerer Medien reagiert. Er bestätige den Konflikt und die Einschränkung der TV-Begleitung, lege den Schwerpunkt jedoch auf die alternative Regierungskommunikation und deren zunächst fehlende journalistische Inhalte. Damit werde zusätzlich deutlich, dass der Streit nicht nur den Zugang zu Terminen, sondern auch die Kontrolle über deren öffentliche Bilder betreffe.
Beide Berichte bestätigten die politische Bedeutung des Xi-Besuchs und die fortbestehenden Konflikte zwischen Washington und Peking. Unterschiede ergäben sich beim Schwerpunkt: Während die tagesschau die internationale Agenda beleuchte, konzentriere sich n-tv auf die institutionellen Folgen des Medienkonflikts.
