EU-Gipfel, Ukraine-Finanzierung

Ukraine-Hilfe: Selenskyj berät beim EU-Gipfel über Milliarden

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 01:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Wolodymyr Selenskyj trifft in Brüssel die EU-Spitzen und sucht Unterstützung für die Ukraine. Neben dem hohen Finanzbedarf stehen die Spannungen mit Donald Trump sowie die Folgen der Starlink-Drosselung im Mittelpunkt.

Selenskyjs Brüsseler Gespräche und Finanzbedarf

  • Die EU-Staats- und Regierungschefs beraten am Vormittag mit Wolodymyr Selenskyj über weitere Unterstützung für die Ukraine.
  • Der ukrainische Haushalt weist laut Finanzminister für 2027 eine Lücke von 32,6 Milliarden US-Dollar auf.
  • Friedrich Merz fordert zusätzliche deutsche Mittel für die Ukraine und Hilfe über den Winter hinaus.
Der ukrainische Präsident Selenskyj war schon bei etlichen EU-Gipfeln zu Gast. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Selenskyj berät mit EU-Spitzen über Ukraine-Hilfe

Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder beraten am Vormittag in Brüssel mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj über weitere Unterstützung im Abwehrkampf gegen Russland. Im Mittelpunkt stehen eine Finanzierungslücke in zweistelliger Milliardenhöhe, Spannungen mit US-Präsident Donald Trump und die zwischenzeitliche Drosselung des Satellitennetzwerks Starlink.

Treffen mit Rutte und mehreren Regierungschefs

Selenskyj hatte am Donnerstag bereits Nato-Generalsekretär Mark Rutte getroffen. Außerdem sprach er mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dem belgischen Regierungschef Bart De Wever, Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und Polens Regierungschef Donald Tusk.

Nach Angaben Ruttes ging es unter anderem um einen möglichen Verzicht auf Angriffe gegen Energieanlagen und die fortlaufende Unterstützung der Nato-Verbündeten für die Ukraine. Selenskyj erklärte, russische Angriffe auf Wohnhäuser, Umspannwerke und andere Infrastruktur machten einen stärkeren Schutz vor dem Winter notwendig.

Angriffe treffen Energieversorgung

Nach ukrainischen Angaben wurden am Donnerstag ein Geschäft, eine pharmazeutische Fabrik und Logistikeinrichtungen angegriffen. Am Abend seien Energieanlagen in zwei Regionen getroffen worden.

Fast 15.000 Menschen in Wolhynien im Nordwesten der Ukraine waren demnach ohne Strom. Auch Teile mehrerer Bezirke in Kiew und der Region Kiew waren betroffen. Reparaturteams konnten in einigen Gemeinden wegen der Gefahr weiterer Angriffe nicht mit der Arbeit beginnen.

Merz wirbt für zusätzliche Ukraine-Mittel

Bundeskanzler Friedrich Merz sprach sich zum Auftakt des EU-Gipfels für eine weitere Aufstockung der Mittel für die Ukraine aus. Deutschland müsse alles tun, um der Ukraine über den Winter und im kommenden Jahr zu helfen, sagte der CDU-Vorsitzende.

Der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko hatte im September bei einem Besuch in Brüssel erklärt, im regulären Haushalt seines Landes fehlten für das nächste Jahr 32,6 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 29,1 Milliarden Euro. Die Lücke bei den Verteidigungsausgaben bezifferte er auf 45 Milliarden US-Dollar. Die Europäische Kommission prüft die Angaben noch.

Streit mit Trump über Starlink und Russland

Beim Gespräch mit den EU-Spitzen dürfte auch der Konflikt zwischen Selenskyj und Trump eine Rolle spielen. Trump fordert nach Darstellung der dpa-Meldung die Ablösung Selenskyjs und macht mit Russlands Präsident Wladimir Putin wieder Geschäfte.

Die zwischenzeitliche Drosselung des US-Satellitennetzwerks Starlink schwächte nach Angaben der Meldung die ukrainische Drohnenabwehr. Der Streit fällt zudem mit Debatten über einen US-russischen Dieseldeal und eine mögliche Lockerung von Sanktionen zusammen.

Der Besuch Selenskyjs fällt in eine Phase, in der die europäische Unterstützung für die Ukraine zugleich politisch, militärisch und finanziell belastbarer werden soll. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kiew den kommenden Winter übersteht und seine Verteidigungsfähigkeit langfristig sichern kann. Besonders die Luftabwehr gilt angesichts wiederholter Angriffe auf Energieanlagen als entscheidender Engpass.

Die von der Ukraine genannten Finanzierungslücken zeigen die Größenordnung der Aufgabe: Neben dem regulären Haushalt stehen vor allem die Verteidigungsausgaben unter Druck. Für die EU geht es damit nicht nur um zusätzliche Hilfen, sondern auch um die Abstimmung nationaler Beiträge und gemeinsamer Finanzierungsinstrumente. Deutschland hat eine weitere Aufstockung der Mittel bereits grundsätzlich in Aussicht gestellt.

Abhängigkeit von US-Unterstützung

Die Spannungen mit Washington verschärfen die europäische Verantwortung. Einschränkungen bei satellitengestützter Kommunikation können die ukrainische Aufklärung, Drohnenabwehr und militärische Koordination beeinträchtigen. Zugleich zeigt der Streit über russische Energie- und Dieselgeschäfte, wie eng Sicherheits-, Sanktions- und Energiepolitik inzwischen miteinander verbunden sind.

Für die EU-Staaten bedeutet das: Sie müssen ihre Unterstützung für Kiew möglichst verlässlich und über mehrere Jahre planbar machen, ohne die transatlantische Dimension aus dem Blick zu verlieren. Die Beratungen in Brüssel dürften deshalb über kurzfristige Winterhilfe hinausweisen. Entscheidend bleibt, welche konkreten Finanzzusagen und welche zusätzlichen Beiträge zur Luftverteidigung vereinbart werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „Musk: Trump trägt Verantwortung für Starshield-Drosselung“ (15.10.2026)

Der Beitrag ordne die Satellitenstreitigkeiten als Konflikt über die Kontrolle des militärischen Starshield-Systems ein. Er bestätige damit den politischen Druck auf Selenskyj, setze den Schwerpunkt aber stärker auf die Zuständigkeit der US-Regierung und auf die Folgen für die ukrainische Verteidigung.

Frankfurter Rundschau: „Starshield-Limit beeinträchtigt die Ukraine: Musk verweist auf Trump, ein Abgeordneter spricht von Erpressung“ (15.10.2026)

Der Artikel stelle die Auswirkungen begrenzter Starshield-Geschwindigkeit auf ukrainische Militäroperationen heraus und thematisiere den Vorwurf politischer Einflussnahme. Anders als Euronews betone er stärker die offenen Fragen zur Ursache der Einschränkungen und die Sorgen über eine nachlassende US-Unterstützung.

Beide Beiträge verbanden den Starshield-Streit mit der militärischen Abhängigkeit der Ukraine von US-Technik. Unterschiede bestünden vor allem bei der Gewichtung politischer Vorwürfe und bei der Darstellung der noch offenen Zuständigkeiten.

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