Johann Wadephul, Sergei Lawrow

Wadephul und Lawrow: Kiesewetter kritisiert New-York-Treffen

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 17:33 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der CDU-Außenpolitiker hält den direkten Austausch mit dem russischen Außenminister für politisch verfehlt und sieht weder für die Ukraine noch für die deutsche Sicherheit einen Gewinn. SPD-Politiker Ralf Stegner verteidigt dagegen das Gespräch als wichtiges Signal europäischer Diplomatie.

Kiesewetter kritisiert Treffen von Wadephul und Lawrow
Roderich Kiesewetter (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter hat das Treffen von Außenminister Johann Wadephul und seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow in New York scharf kritisiert. Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner verteidigte den Austausch dagegen als wichtiges Signal für die europäische Diplomatie.

Kiesewetter sieht keinen politischen Gewinn

„Ich sehe das Treffen sehr kritisch. Im Nachhinein wäre ein Telefonat klüger gewesen. Denn das Ergebnis bleibt das Gleiche“, sagte Kiesewetter der FAZ. Aus seiner Sicht werde nun aus innenpolitischen Gründen erneut das Argument genutzt, Deutschland sei gegenüber Russland gesprächsbereit.

Für die Ukraine und die deutsche Sicherheit sei nichts erreicht worden, erklärte der CDU-Politiker. Die Staaten zwischen Deutschland und Russland erlebten vielmehr den „alten Albtraum“ einer Kommunikation über ihre Köpfe und über die Ukraine hinweg. Das Treffen hinterlasse den Eindruck eines deutschen Sonderwegs und erzeuge falsche Hoffnungen und Verwirrung.

Stegner verteidigt den Austausch

Stegner bewertete das Gespräch anders. Das Signal laute: „Die Europäer sind noch da.“ Nach einem ersten Austausch sei kein direktes Entgegenkommen zu erwarten, dennoch sei es wichtig, die Diplomatie nicht allein den USA zu überlassen.

Auch innenpolitisch sei das Treffen relevant, sagte der SPD-Politiker. Fragen dieser Art dürften nicht allein dem BSW und der AfD überlassen werden. Eine mögliche Einladung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zum G20-Gipfel durch US-Präsident Donald Trump im Dezember könne zudem eine Chance darstellen.

Erster Austausch seit Beginn des Ukrainekriegs

Wadephul und Lawrow hatten sich am Rande der UN-Generaldebatte in New York getroffen. Der rund 20-minütige Austausch war das erste bilaterale Gespräch der Außenminister seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022.

Eine Annäherung zeichnete sich dabei nicht ab. Wadephul erklärte, die zentralen Positionen seien unverändert; Lawrow stellte den Nutzen des Gesprächs infrage.

Das Treffen in New York markiert den ersten direkten bilateralen Austausch auf Außenministerebene zwischen Deutschland und Russland seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Jahr 2022. Der rund 20-minütige Kontakt kam am Rande der UN-Generaldebatte zustande und wurde nach Angaben aus dem Gesprächsumfeld durch Drittstaaten vermittelt.

Politisch steht der Austausch zwischen zwei gegensätzlichen Linien: Wadephul begründet Gespräche mit der außenpolitischen Pflicht, auch mit Gegnern zu verhandeln, während Kiesewetter darin einen deutschen Sonderweg und ein Signal zulasten der Ukraine und der osteuropäischen Partner sieht. Stegner bewertet den Kontakt dagegen als Möglichkeit, europäische Diplomatie sichtbar zu halten und Gespräche nicht allein den USA zu überlassen.

Diplomatie ohne Annäherung

Inhaltlich brachte das Treffen zunächst keinen Durchbruch. Wadephul erklärte, zentrale Streitpunkte seien offen geblieben; zugleich sprach er Themen wie den Ukrainekrieg, Getreideexporte und den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle an. Russland zeigte nach dem Gespräch keine erkennbare Bereitschaft zu einer konstruktiven Verhandlungsposition. Für Deutschland bleibt damit die politische Kernfrage, wie direkte Kommunikation mit Moskau möglich ist, ohne den Grundsatz aufzugeben, über die Ukraine nicht ohne die Ukrainer zu verhandeln.

Bedeutung für die deutsche Außenpolitik

Die innenpolitische Debatte dürfte sich an der Abwägung zwischen Gesprächskanälen und politischer Signalwirkung entzünden. Befürworter sehen im Kontakt einen notwendigen Kommunikationsweg; Kritiker warnen vor falschen Erwartungen und davor, dass die Interessen der Ukraine und der ost- und nordeuropäischen Partner zu wenig berücksichtigt werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Wadephul zum Treffen mit Lawrow "Mit Gegnern muss man verhandeln"“ (27.09.2026)

Der Beitrag bestätigt das rund 20-minütige Treffen und stellt Wadephuls Begründung für den direkten Kontakt in den Mittelpunkt. Anders als die Kritik von Kiesewetter hebt er hervor, dass der Außenminister trotz fehlender Annäherung die Fortsetzung des Dialogs für sinnvoll hält.

ZDFheute: „Wadephul trifft Lawrow in New York am Rande der UN-Generaldebatte“ (26.09.2026)

Das ZDF beschreibt das Treffen als ersten bilateralen Austausch der Außenminister seit Jahren und ordnet es als Abkehr von der langen Gesprächspause ein. Zugleich dokumentiert der Beitrag, dass Lawrow keinen Fortschritt erkannte und Wadephul bei wesentlichen Punkten weiter Uneinigkeit sah.

Einigkeit besteht damit über den kurzen Austausch ohne erkennbare Annäherung. Unterschiede zeigen sich vor allem bei der politischen Bewertung: Während die Regierung den Gesprächskanal als Teil diplomatischer Arbeit darstellt, wird innenpolitisch über seine Signalwirkung und mögliche Folgen für die Ukraine debattiert.

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