Volkswagen setzt bei autonomem Fahren auf Wayve statt Nvidia
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 09:02 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSVolkswagen will seinen Rückstand beim autonomen Fahren offenbar mithilfe des britischen Start-ups Wayve aufholen. Das Unternehmen aus London setzte sich laut einem Bericht des „Spiegel“ in einem Auswahlverfahren unter anderem gegen den Chiphersteller Nvidia durch.
Wayve überzeugt bei Testfahrt
Nach Angaben des Magazins, das sich auf drei Insider beruft, ließ Volkswagen im August in einer süddeutschen Großstadt Wayve, Nvidia und rund ein Dutzend weitere Anbieter von Software für autonomes Fahren gegeneinander antreten. Dabei soll das Angebot von Wayve sowohl technisch als auch finanziell überzeugt haben.
Die Software soll Fahrerassistenzsysteme von VW-Konzernmarken wie Audi und Porsche auf das Niveau von Angeboten bringen, die bereits von Tesla oder Mercedes bekannt sind. Im Zentrum stehen Funktionen wie sichere Spurwechsel in europäischen Großstädten und eine Navigation, die möglichst ohne Eingriffe des Fahrers von Tür zu Tür führt.
VW trennt KI-Software und Fahrzeugtechnik
Wie Tesla setzt Wayve auf eine Ende-zu-Ende-KI, die mit großen Datenmengen trainiert wird. Der Ansatz soll das Fahrverhalten stärker an menschlichen Entscheidungen ausrichten als die Systeme bisheriger VW-Partner.
Die geplante Zusammenarbeit ersetzt ein im Juni beendetes Bündnis zwischen der VW-Softwareeinheit Cariad und dem Autozulieferer Bosch. Wayve soll nach den Angaben lediglich die KI-Software liefern. Cariad würde diese in die bestehende technische Lösung aus Halbleitern, Sensoren und Software integrieren.
Audi soll Vertrag mit Wayve aushandeln
Der Bericht sieht darin zugleich ein positives Signal für Cariad. Bei einer vollständigen Übernahme des Nvidia-Systems wären nach Einschätzung eines Verantwortlichen rund 1.000 Arbeitsplätze bei Cariad betroffen gewesen.
Nun soll das Einkaufsressort von Audi einen Vertrag mit Wayve verhandeln. Das sorgt dem Bericht zufolge im Konzern für Verwunderung, weil Audi-Chef Gernot Döllner als Befürworter der Nvidia-Variante und Kritiker von Cariad gilt. Für Audi bleibt leistungsfähige Fahrerassistenz im Wettbewerb mit BMW und Mercedes ein zentrales Thema.
Volkswagen ordnet die Entwicklung seiner Fahrerassistenzsysteme neu. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Teile der Technologie der Konzern selbst kontrollieren will und welche Aufgaben spezialisierte Partner übernehmen. Die Entscheidung für Wayve würde die KI-Software von der übrigen technischen Architektur trennen: Sensoren, Halbleiter und die Integration blieben bei Cariad und den Konzerngesellschaften.
Der Wettbewerb betrifft nicht nur einzelne Assistenzfunktionen, sondern die Fähigkeit, komplexe Verkehrssituationen in Städten zuverlässig zu bewältigen. Systeme, die Spurwechsel, Navigation und die Reaktion auf andere Verkehrsteilnehmer verbinden, gelten als wichtiger Bestandteil künftiger Fahrzeugangebote. Für VW ist das besonders relevant, weil Audi und Porsche im Premiumsegment mit Herstellern konkurrieren, die ihre Software- und Elektronikarchitekturen bereits stärker als Verkaufsargument nutzen.
Softwareentscheidung mit Folgen für Cariad
Die geplante Arbeitsteilung begrenzt zugleich die Auswirkungen auf die interne Softwareeinheit. Cariad soll Wayves KI in eine eigene technische Lösung einbinden, statt ein vollständiges Fremdsystem zu übernehmen. Damit bliebe internes Know-how für Integration, Absicherung und Weiterentwicklung erhalten.
Für Audi entsteht daraus eine anspruchsvolle Doppelrolle: Der Hersteller soll den Vertrag verhandeln, während Audi-Chef Gernot Döllner zugleich als Befürworter eines Nvidia-Ansatzes gilt. Entscheidend wird daher nicht allein die Leistungsfähigkeit der KI, sondern auch, wie schnell sie in serienreife Fahrzeuge, unterschiedliche Markenanforderungen und europäische Zulassungsbedingungen überführt werden kann.
