Volkswagen baut US-Produktion wegen Milliarden-Zollkosten aus
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 06:25 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSVW baut US-Strategie aus
- Finanzvorstand Arno Antlitz sieht eine stärkere Produktion in den USA als notwendig für den Volkswagen-Konzern.
- Audi-Chef Gernot Döllner kündigte bei einer Trump-Veranstaltung in Georgia den Bau eines neuen Werks an.
- Die Zölle verursachten laut Antlitz in den ersten neun Monaten rund 2,2 Milliarden Euro direkte Kosten.
- Für das Gesamtjahr erwartet der Finanzvorstand rund drei Milliarden Euro direkte Zollzahlungen.
Volkswagen plant stärkere Wertschöpfung in den USA
Volkswagen will seine Produktion und lokale Wertschöpfung in den USA deutlich ausbauen. Finanzvorstand Arno Antlitz begründet den Schritt mit der Konzernstrategie und den hohen Belastungen durch Zölle.
Ausbau unabhängig von Zöllen geplant
„Die Expansionspläne dort verfolgen wir schon lange und haben sie bereits 2023 in unserer Kapitalmarktstrategie vorgestellt“, sagte Antlitz der FAZ. Die lokale Wertschöpfung solle nicht nur wegen der Zölle wachsen, sondern Audi und den gesamten Konzern unabhängiger von geopolitischen Entwicklungen machen.
Nach Einschätzung des Finanzvorstands könnten dadurch Arbeitsplätze in den USA entstehen und zugleich Beschäftigung in Europa langfristig abgesichert werden. Eine stärkere Produktion in Amerika sei notwendig, um Volkswagen weltweit mit einer starken dritten Säule neben Europa und China robuster aufzustellen.
Döllner kündigt Werk in Georgia an
Audi-Chef Gernot Döllner war am Wochenende bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump im Bundesstaat Georgia aufgetreten. Dort kündigte er den Bau eines neuen Werks an, was in Deutschland vielerorts Kritik auslöste.
Zu den Einzelheiten einer möglichen Vereinbarung mit den USA könne sich der Konzern noch nicht äußern, sagte Antlitz. Die taz berichtete am 29. Oktober, dass dem Volkswagen-Aufsichtsrat bislang keine Verträge oder beschlussfähigen Unterlagen zu den Details der Absprachen vorgelegen hätten.
Zölle kosten Volkswagen Milliarden
Die Zölle belasten den Volkswagen-Konzern nach Angaben von Antlitz derzeit mit vier bis fünf Milliarden Euro. Darin enthalten seien direkte Zollzahlungen sowie entgangene Gewinne, weil bestimmte Fahrzeuge wie der in Mexiko gefertigte Jetta in den USA nicht mehr wettbewerbsfähig angeboten werden könnten.
In den ersten neun Monaten zahlte Volkswagen demnach rund 2,2 Milliarden Euro an direkten Zöllen. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet könnten es rund drei Milliarden Euro werden; etwa ein Drittel dieser Belastung entfalle auf Audi.
Volkswagen begründet den geplanten Ausbau der US-Produktion nicht allein mit der aktuellen Zollpolitik. Finanzvorstand Arno Antlitz verweist auf eine längerfristige Konzernstrategie, die eine stärkere lokale Wertschöpfung in den Vereinigten Staaten vorsieht. Der Konzern will damit seine Abhängigkeit von einzelnen Produktions- und Absatzregionen verringern.
Die wirtschaftliche Bedeutung ist erheblich: Nach Angaben von Antlitz belasten die Zölle Volkswagen derzeit mit vier bis fünf Milliarden Euro. Neben direkten Zahlungen entstehen Kosten, wenn in Mexiko gefertigte Fahrzeuge wie der Jetta auf dem US-Markt nicht mehr wettbewerbsfähig angeboten werden können. Eine stärkere Fertigung vor Ort könnte solche Belastungen reduzieren, würde aber zugleich hohe Investitionen und eine langfristige Absatzperspektive voraussetzen.
US-Werk als strategische dritte Säule
Der Konzern ordnet den Ausbau in den Versuch ein, Europa, China und die USA stärker als eigenständige Standbeine zu entwickeln. Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump hat die Debatte über ein mögliches Werk in Georgia politisch zugespitzt. Dabei geht es neben Standort- und Investitionsfragen auch um die Rolle lokaler Arbeitsplätze und um die künftige Verteilung von Wertschöpfung innerhalb des Konzerns.
Aktuelle Berichte verweisen zugleich auf offene Details des Vorhabens. Die taz berichtet, dass dem Volkswagen-Aufsichtsrat bislang keine beschlussfähigen Unterlagen zu den Absprachen vorgelegen hätten. Damit bleibt die konkrete Ausgestaltung des angekündigten Standorts ein zentraler nächster Schritt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: „Nach Auftritt von Konzernchef bei Trump: Zweifel an US-Milliarden für neues Audi-Werk“ (29.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die Debatte über ein neues Audi-Werk in den USA und legt den Schwerpunkt auf die noch offenen Entscheidungsgrundlagen. Im Mittelpunkt stehen fehlende Verträge und beschlussfähige Unterlagen für den Volkswagen-Aufsichtsrat, während die dts-Meldung vor allem die strategische Begründung und die Zollkosten des Konzerns herausstellt.
FOCUS: „Audi-Debatte lenkt von Deutschlands Mängeln ab“ (28.10.2026)
Der Artikel ordnet die US-Debatte stärker im Verhältnis zum deutschen Industriestandort ein. Er thematisiert Standortbedingungen und den Einfluss der Gewerkschaften, während die dts-Meldung den globalen Konzernumbau und die finanziellen Folgen der Zölle betont.
Beide Beiträge machen neben der strategischen Zielrichtung vor allem die offenen Investitions- und Standortfragen sichtbar. Der Schwerpunkt reicht damit von der konkreten Genehmigung eines möglichen Werks bis zur grundsätzlichen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produktionsstandorte.
