Visaerleichterungen für türkische Geschäftsleute werden ausgeweitet
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 11:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Visaerleichterungen für die Einreise türkischer Geschäftsleute nach Deutschland werden ausgeweitet, wie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst und die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler, auf einer Wirtschaftskonferenz in Istanbul ankündigten.
Sonderverfahren wird erweitert
Seit August 2025 gibt es ein Sonderverfahren für besonders vertrauenswürdige türkische Unternehmen mit besonderem Deutschlandbezug. Es gilt bislang für etwa 400 Betriebe.
Der Kreis der berechtigten Unternehmen soll nun wachsen. Insbesondere sollen Mitgliedsunternehmen des türkischen Außenwirtschaftsverbands DEIK einbezogen werden, sofern sie einen Deutschlandbezug haben.
NRW als zentraler Wirtschaftsstandort
„Das ist ein starkes und vor allem konkretes Signal auch für den Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen“, sagte Wüst. Lange und aufwendige Visaverfahren hätten die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen über Jahre gebremst.
Dass künftig weitere türkische Unternehmen ihre Geschäftsaktivitäten in Deutschland verlässlicher planen könnten, schaffe die Grundlage für neue Investitionen und engere Partnerschaften, erklärte der Ministerpräsident. In Nordrhein-Westfalen sind rund 1.300 türkische Unternehmen ansässig – so viele wie in keinem anderen Bundesland.
Wirtschaftliche Verflechtung als Hintergrund
Nordrhein-Westfalen und die Türkei verbindet ein dichtes wirtschaftliches und gesellschaftliches Netzwerk. In NRW sind rund 1.300 türkische Unternehmen ansässig; hinzu kommen zahlreiche Betriebe von Menschen mit türkischen Wurzeln. Das Land gehört damit zu den wichtigsten deutschen Anlaufpunkten für türkische Geschäftsaktivitäten.
Auch das Handelsvolumen unterstreicht die Bedeutung: Der Warenaustausch zwischen NRW und der Türkei liegt nach Angaben aus dem Umfeld der Reise im zweistelligen Milliardenbereich. Für Unternehmen sind persönliche Treffen, kurzfristige Geschäftsreisen und verlässliche Liefer- und Investitionsbeziehungen deshalb ein praktischer Teil des Alltags – nicht nur ein außenpolitisches Thema.
Visa als Teil einer größeren Agenda
Die angekündigte Ausweitung knüpft an das seit August 2025 bestehende Sonderverfahren für besonders vertrauenswürdige Unternehmen mit Deutschlandbezug an. Dass nun DEIK-Mitgliedsunternehmen einbezogen werden sollen, könnte den Kreis der privilegierten Antragsteller deutlich vergrößern. Entscheidend wird sein, nach welchen Kriterien der Deutschlandbezug nachgewiesen wird und wie schnell die Verfahren tatsächlich arbeiten.
Die Visaerleichterung steht zugleich neben weiteren wirtschaftspolitischen Fragen wie der Modernisierung der EU-Türkei-Zollunion. Für NRW bedeutet die Entscheidung vor allem eine Erleichterung bei bestehenden Geschäftskontakten; sie ersetzt weder eine allgemeine Reform des Visasystems noch klärt sie politische Konflikte in den deutsch-türkischen Beziehungen. Für Unternehmen dürfte kurzfristig vor allem mehr Planbarkeit bei Terminen, Verhandlungen und Investitionsvorhaben zählen.
