Verschobenes Treffen im Oman verschärft Streit um Straße von Hormus
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 10:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEin geplantes Treffen im Oman zur künftigen Regelung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus ist kurzfristig verschoben worden und dämpft damit die Hoffnungen auf Entspannung im Konflikt um die strategisch wichtige Meerenge.
Geplatztes Ministertreffen im Oman
Im Küstenort Salalah wollten sich die Außenminister des Irans und des Omans mit ihren Kollegen aus weiteren Golfstaaten beraten, wie die Schiffsrouten durch die Straße von Hormus künftig organisiert werden sollen. Der omanische Außenminister Badr al-Busaidi teilte jedoch am Sonntagabend mit, das regionale Treffen sei „im Interesse des Konsenses“ verschoben worden. Nach Angaben des iranischen Außenministeriums habe Saudi-Arabien um die Verschiebung gebeten; dabei sollen auch die jüngsten Entwicklungen im Jemen eine Rolle gespielt haben.
Hormus als zentrales Druckmittel im Krieg
Die Straße von Hormus ist an ihrer engsten Stelle rund 35 bis 40 Kilometer breit und gilt seit Beginn des Kriegs zwischen Iran und USA als zentraler Streitpunkt. Vor dem Konflikt passierte rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung die Meerenge, zusätzlich wurden Flüssiggas und Dünger aus den Golfstaaten über diese Route exportiert. Nach israelisch-amerikanischen Luftangriffen Ende Februar brachte die iranische Militärführung den Schiffsverkehr mit Drohungen, Angriffen und Verminungen faktisch zum Erliegen. Teheran erklärte nur eine nördliche Route entlang der eigenen Küste für sicher und erhob Gebühren für die Durchfahrt.
Gescheiterte Annäherung nach Rahmenabkommen
Ein Mitte Juni unterzeichnetes Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran sollte den Weg zu einem dauerhaften Ende des Kriegs und zur Wiederöffnung der Meerenge ebnen. Zwar einigten sich beide Seiten grundsätzlich auf eine Freigabe der Passage, doch wenig später eskalierte der Streit erneut. Der Iran wirft den USA vor, Reedereien zu einer südlichen Route fern der iranischen Küste zu drängen und damit die Kontrolle Teherans über die Meerenge zu schwächen. Andere Konfliktfelder wie der Atomstreit oder die Unterstützung regionaler Gruppen durch den Iran traten dadurch zeitweise in den Hintergrund.
Kontroverse um neue Schiffsrouten
Iran und Oman verhandeln seit Wochen über einen Mechanismus zur künftigen Organisation des Schiffsverkehrs durch Hormus. Irans Präsident Massud Peseschkian hatte angekündigt, beide Länder wollten ein Abkommen über neue Schiffsrouten in der Meerenge schließen. Eine schnelle Wiederöffnung für die internationale Schifffahrt war zwar nicht erwartet worden, da Teheran von Washington die Beendigung der Seeblockade fordert, die iranische Frachter am Passieren hindert. Dennoch galt das geplante Treffen als Chance für Bewegung in einem Konflikt, in dem es seit Wochen keine sichtbaren diplomatischen Fortschritte zwischen den USA und dem Iran gibt.
Druck und Vorbehalte der Golfstaaten
Die Verschiebung des Treffens wirft ein Schlaglicht auf die komplexe Lage der Golfstaaten. Bahrain, Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate beherbergen US-Militärstützpunkte und wurden in der heißen Phase des Kriegs zum Ziel iranischer Gegenangriffe. Gleichzeitig streben die Regierungen aus wirtschaftlichen Gründen nach Stabilität. Bahrain, das im Krieg stark unter iranischem Beschuss stand, hatte bereits am Samstag seinen Boykott des Treffens erklärt. Die Emirate wollten lediglich einen Staatssekretär statt ihres Außenministers entsenden. Ein Bericht des gut vernetzten Journalisten Barak Ravid verweist darauf, dass Saudi-Arabien Änderungen an einem omanisch-iranischen Vorschlag eingebracht und vor einem neuen, für Riad und andere Golfstaaten nicht akzeptablen Status quo gewarnt habe.
Verknüpfung mit Konflikt am Bab al-Mandab
Hinter den diplomatischen Spannungen steht auch die Entwicklung im Bürgerkriegsland Jemen. Mit dem Iran verbündete Huthi-Rebellen sind in der vergangenen Woche überraschend rasch bis zur Meerenge Bab al-Mandab vorgerückt, einer weiteren Schlüsselroute des globalen Seeverkehrs. Saudi-Arabien kämpft seit mehr als zehn Jahren an der Seite der international anerkannten jemenitischen Regierung gegen die Miliz. Die Einnahme der jemenitischen Küste des Roten Meeres und wichtiger Inseln durch die Huthi könnte die Handelsschifffahrt zusätzlich belasten.
Begleitschutz und feststeckende Schiffe
Die US-Marine begleitet nach Angaben aus Washington im Rahmen des „Projekts Freiheit“ Tanker und Frachtschiffe durch die Straße von Hormus. Dennoch nutzt weiterhin nur ein Bruchteil der Reedereien die Route, viele sehen hohe Risiken. Angriffe des Irans auf Schiffe und Attacken der USA auf iranische Öltanker halten die Gefahr präsent. Ende August meldete die Weltschifffahrtsorganisation, dass etwa 400 Schiffe mit rund 6000 Seeleuten im Persischen Golf feststecken.
Folgen für Märkte und Energiepreise
Für die Finanz- und Rohstoffmärkte ist die Absage des Treffens eine weitere negative Nachricht. Zum Wochenbeginn stiegen die Ölpreise, befeuert auch dadurch, dass Saudi-Arabien eine Ölpipeline nach Drohnenangriffen außer Betrieb genommen hat. Zugleich droht der Vorstoß der Huthi entlang der jemenitischen Küste des Roten Meeres und auf bedeutende Inseln die Handelsschifffahrt durch Bab al-Mandab zu beeinträchtigen. Die Straße von Hormus ist damit nicht mehr der einzige Engpass, der die Weltwirtschaft belastet.
Regionale Machtkonflikte blockieren Entspannung
Die Absage des Treffens im omanischen Salalah zeigt, wie eng der Konflikt um die Straße von Hormus mit den Rivalitäten am Persischen Golf verflochten ist. Der Iran nutzt die Kontrolle über die Meerenge als zentrales Druckmittel gegenüber den USA, die ihrerseits mit Marineeinsätzen und einer Seeblockade reagieren. Zugleich fürchten Staaten wie Saudi-Arabien, Bahrain oder die Emirate, durch neue Regelungen Fakten zu ihren Lasten zu schaffen. Die Bedenken Riads gegenüber einem omanisch-iranischen Vorschlag unterstreichen, dass jede Vereinbarung über Schiffsrouten unmittelbar als machtpolitische Weichenstellung gelesen wird.
Verflechtung mit Konflikten in Jemen und am Roten Meer
Die jüngsten militärischen Entwicklungen im Jemen verstärken den Druck. Der Vorstoß der mit dem Iran verbündeten Huthi-Miliz bis an die Meerenge Bab al-Mandab verbindet die Sicherheitslage in Hormus mit einer zweiten Schlüsselroute der globalen Schifffahrt. Damit geraten nicht nur Öl- und Gaslieferungen, sondern auch Containerverkehre und Versorgungslinien zwischen Europa, Asien und Afrika ins Visier. Saudi-Arabien kämpft im Jemen seit Jahren gegen die Huthi, während Teheran die Miliz unterstützt – eine Konstellation, die Kompromisse bei der maritimen Sicherheit zusätzlich erschwert.
Auswirkungen auf Energiepreise und Wirtschaft
Für Unternehmen und Verbraucher bedeutet die Kombination aus blockierten Routen, Drohnenangriffen auf Infrastruktur und politischer Unsicherheit anhaltende Volatilität der Energiepreise. Wenn nur ein Bruchteil der Schiffe die Straße von Hormus passiert und gleichzeitig Pipelines aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden, reagieren die Märkte mit Aufschlägen. Für exportorientierte Volkswirtschaften, aber auch für Pendler und Logistikunternehmen, steigen damit Kosten und Planungsrisiken. Dass zuletzt rund 400 Schiffe mit Tausenden Seeleuten im Persischen Golf feststeckten, illustriert die Dimension: Es geht nicht nur um abstrakte geopolitische Rivalität, sondern um konkrete Lieferketten, Versicherungsprämien und die Frage, ob alternative Routen und Energiequellen rasch genug ausgebaut werden können.
