JD Vance, Donald Trump

US-Wahl: Vance macht Iran-Krieg für Niederlage verantwortlich

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 21:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Demokraten kontrollieren nach der Wahl beide Kammern des US-Kongresses. Vance macht den Iran-Krieg für die Niederlage verantwortlich, während Trump den militärischen Kurs verteidigt.

Washingtons neue Kongressmehrheit

  • Die Demokraten errangen in Kansas, Texas, Ohio und Michigan wichtige Senatserfolge.
  • Abgestimmt wurde über alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatssitze.
  • Die Republikaner starteten im Senat mit 53 Sitzen in den Wahltag.
  • Donald Trump schwärmt nach dem Wahldebakel der Republikaner vor allem von seinen Architekturprojekten. (Archivbild) - Bild: Alex Brandon/AP/dpa
  • Mit deutlichen Worten hat US-Vizepräsident Vance sich vom Iran-Krieg distanziert. (Archivbild) - Bild: Alex Brandon/AP/dpa
  • JD Vance gilt als möglicher Anwärter für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner für 2028. (Archivbild) - Bild: Samuel Corum/Pool Getty Images North America/AP/dpa
  • Der Demokrat Abdul El-Sayed zieht als erster Muslim in den Senat ein. - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Donald Trump schwärmt nach dem Wahldebakel der Republikaner vor allem von seinen Architekturprojekten. (Archivbild) - Bild: Alex Brandon/AP/dpa Mit deutlichen Worten hat US-Vizepräsident Vance sich vom Iran-Krieg distanziert. (Archivbild) - Bild: Alex Brandon/AP/dpa JD Vance gilt als möglicher Anwärter für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner für 2028. (Archivbild) - Bild: Samuel Corum/Pool Getty Images North America/AP/dpa Der Demokrat Abdul El-Sayed zieht als erster Muslim in den Senat ein. - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Vance macht Iran-Krieg für Wahlniederlage verantwortlich

US-Vizepräsident JD Vance geht nach dem Wahldebakel der Republikaner auf Distanz zu Donald Trump und bringt sich damit für das Rennen um das Weiße Haus 2028 in Stellung. Er machte den von Trump begonnenen Iran-Krieg für den erdrutschartigen Sieg der Demokraten verantwortlich und schrieb auf X: „Jeder weiß, warum wir verloren haben.“

Trump verteidigt seinen Kurs

Trump sagte später, Vances Analyse stimme größtenteils. Zugleich erklärte er, er hätte im Iran-Krieg nichts anders gemacht, weil verhindert werden müsse, dass der Iran eine Atomwaffe erhalte.

Vance schrieb, wer den Krieg trotz des Verlusts der Senatsmehrheit für richtig halte, solle das vertreten. Damit entstand zwischen Präsident und Vizepräsident eine öffentliche Ferndiskussion über die Folgen der militärischen Entscheidung.

Demokraten übernehmen beide Kammern

Die Republikaner verloren bei der Parlamentswahl die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Für Trump erschwert das die Regierung in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit erheblich.

Eine große Wählerumfrage machte die Unzufriedenheit mit Trumps Politik zu einem zentralen Grund für die Niederlage. Besonders die steigenden Spritpreise als Folge des Iran-Kriegs belasteten die Republikaner.

Vance und Rubio gelten als mögliche Nachfolger

Trump spielte die Aussicht auf eine Präsidentschaftskandidatur Vances herunter. Vor TV-Kameras sagte er, vielleicht werde Vance gar nicht antreten; er wisse nicht, wer kandidieren werde. Neben Vance gilt Außenminister Marco Rubio als möglicher Anwärter.

Trump sprach bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Wahldebakel vor allem über Bau- und Architekturprojekte am Weißen Haus und in Washington. Dazu gehören der Ballsaal im Ostflügel, ein umstrittener Triumphbogen und die Renovierung eines Golfplatzes.

Vance nennt Erwartungen enttäuschter Wähler

Vance erklärte, viele Wähler, die vor zwei Jahren für ihn und Trump gestimmt hätten, seien verärgert gewesen. Als zentrale Erwartungen nannte er das Ende des Iran-Kriegs, einen stärkeren Fokus auf Lebenshaltungskosten und Inflation, „Amerika an erste Stelle“ sowie einen Wechsel in den Beziehungen zu Israel.

Er rief dazu auf, die Wut über das Wahlergebnis für eine neue politische Ausrichtung zu nutzen. Trump hatte am Wahlabend zugleich angekündigt, mit den Demokraten zusammenarbeiten zu wollen, um für das Land gute Ergebnisse zu erreichen.

Impeachment wird zum möglichen Konfliktpunkt

Mit ihren Mehrheiten können die Demokraten Trumps Politik nicht ohne Weiteres umkehren, ihn aber politisch empfindlich unter Druck setzen. Dazu gehören stärkere Kontrollen durch Kongressausschüsse und ein mögliches neues Amtsenthebungsverfahren.

Trump erklärte, er mache sich darüber nicht einmal ein bisschen Sorgen. Der Demokrat Jamie Raskin sagte, seine Partei habe keine Angst vor einem Impeachment, räumte aber ein, dass dies kein Allheilmittel sei. In Trumps erster Amtszeit waren zwei Verfahren im Senat gescheitert, wo eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist.

Demokraten gewinnen in mehreren Bundesstaaten

Die Demokraten feierten Erfolge in Bundesstaaten, in denen sie teils seit Jahrzehnten nicht gewonnen hatten. In Kansas errang Adam Hamilton den ersten demokratischen Senatssitz seit 1932, in Texas wurde James Talarico der erste demokratische Senator seit fast 40 Jahren.

In Ohio gewann Sherrod Brown den Sitz, den Vance bis vor zwei Jahren gehalten hatte. Durch den Sieg in Michigan zieht Abdul El-Sayed als erster Muslim in den Senat ein.

Die Niederlage der Republikaner verändert die politischen Kräfteverhältnisse in Washington unmittelbar. Mit Mehrheiten in Repräsentantenhaus und Senat können die Demokraten Trumps Gesetzesvorhaben blockieren, Untersuchungen vorantreiben und die innenpolitische Agenda bestimmen. Ein vollständiger Kurswechsel gelingt ihnen ohne ausreichende Mehrheiten für eine Überstimmung präsidentieller Vetos jedoch nicht.

Vance positioniert sich für 2028

Vances öffentliche Kritik verbindet die Wahlauswertung mit seiner möglichen Zukunft im republikanischen Lager. Trump darf 2028 nicht erneut antreten, deshalb gewinnt die Frage an Gewicht, wer seine politische Bewegung führen könnte. Vance und Außenminister Marco Rubio gelten in der Meldung als mögliche Anwärter.

Die Iran-Politik wird damit zugleich zu einer Belastungsprobe für die republikanische Führung. Vance betont die Kosten des Krieges für Wähler, darunter steigende Spritpreise und Lebenshaltungskosten, während Trump den militärischen Kurs mit dem Ziel rechtfertigt, eine iranische Atomwaffe zu verhindern. Diese Spannung reicht über die Wahlniederlage hinaus: Sie berührt Außenpolitik, Wirtschaftsbelastungen und die Nachfolgefrage in der Partei.

Neue Machtverhältnisse im Kongress

Für die letzten zwei Jahre von Trumps Amtszeit dürfte der Umgang mit dem demokratisch kontrollierten Kongress entscheidend werden. Demokratische Ausschüsse könnten die Regierung intensiver kontrollieren und ein Impeachment-Verfahren anstoßen. Eine Amtsenthebung bliebe politisch jedoch an die notwendige Zweidrittelmehrheit im Senat gebunden, die aus den genannten Kräfteverhältnissen nicht folgt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS online: „Klartext von Vance: „Jeder weiß, warum wir verloren haben““ (04.11.2026)

Der Beitrag hebt Vances direkte Verbindung zwischen dem Iran-Krieg und der Wahlniederlage hervor. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich stärker auf Vances Forderungen und seine Kritik an der politischen Ausrichtung der Republikaner.

Frankfurter Rundschau: „„Hauptproblem ist nicht die Wahlbeteiligung“: Trump-Vize JD Vance nennt Gründe für die Schlappe der Republikaner bei den US-Midterms“ (04.11.2026)

Der Artikel stelle die vier von Vance genannten Erwartungen früherer Trump-Wähler heraus und ordne die Niederlage als Folge politischer Unzufriedenheit ein. Im Mittelpunkt stehe damit stärker die Wähleranalyse, während die dpa-Meldung zusätzlich Trumps Reaktion, die Nachfolgefrage und das mögliche Impeachment behandle.

Beide Beiträge stimmten darin überein, dass Vance den Iran-Krieg als zentralen Grund für die Niederlage benenne. Unterschiede lägen vor allem beim Schwerpunkt: Kritik und Wählerforderungen stünden neben der breiteren Macht- und Nachfolgefrage.

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