Autonome Waffen: Hegseth holt Musk für Zukunft der US-Kriegsführung ins Pentagon-Projekt
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 04:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Verteidigungsminister Pete Hegseth will die Zukunft der amerikanischen Kriegsführung untersuchen lassen und dabei Tech-Milliardär Elon Musk sowie Drohnenunternehmer Palmer Luckey einbinden.
Projekt zu autonomen Waffen
Das Forschungsprojekt soll unter anderem autonome Waffensysteme in den Blick nehmen. Hegseth erwartet Ergebnisse innerhalb von 120 Tagen. Zudem kündigte er ein neues Vier-Sterne-Kommando an, das autonome und robotergestützte Fähigkeiten des US-Militärs ausbauen soll.
Bei autonomen Waffen können Systeme mithilfe Künstlicher Intelligenz eigenständig agieren und etwa Angriffe ausführen. Hegseth sagte, das Projekt solle mit einem kreativen Blick auf die Zukunft Bereiche identifizieren, die die USA erobern müssten, sowie Fähigkeiten, die sie beherrschen müssten. Ziel sei es, die technologische und militärische Überlegenheit auf dem Schlachtfeld für die kommenden Jahrzehnte zu sichern.
Streit mit Anthropic
Das Thema war zuletzt durch einen Streit zwischen dem Pentagon und dem KI-Unternehmen Anthropic in den Mittelpunkt gerückt. Anthropic hatte die Nutzung seiner Technologie für autonome Waffen und zur Massenüberwachung von US-Amerikanern abgelehnt.
Das Pentagon beharrt dagegen auf dem Recht zu jedem legalen Einsatz von KI. Hegseth stufte Anthropic wegen des Streits als Lieferketten-Risiko ein.
Musk entwickelt KI und Roboter
Musk lässt bei seiner Raumfahrtfirma SpaceX ebenfalls KI entwickeln. Die Software Grok liegt bei ihren Fähigkeiten bisher hinter den Systemen von Anthropic und OpenAI zurück. Bei Tesla treibt Musk zudem die Produktion humanoider Roboter mit dem Namen Optimus voran.
Nach einem Bericht der Website „The Information“ baute Tesla zuletzt mehrere hundert Roboter pro Woche und strebte zum Jahresende eine Produktion von mehr als 1.000 Stück wöchentlich an. Beim Bau der komplexen mechanischen Hände gebe es demnach derzeit Probleme. KI-gesteuerte Roboter als Soldaten gelten seit Jahren als gefürchtete Vision der Kriegsführung.
Umbau des US-Militärs
Hegseth bestätigte vor Militärs in Quantico im Bundesstaat Virginia außerdem, dass ein Fünftel der für Admiräle und Generäle vorgesehenen Dienstposten gestrichen werden soll. Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl aktiver Vier-Sterne-Generäle und -Admiräle erheblich reduziert worden. In den vergangenen Monaten wurden weitere hochrangige Führungskräfte im Pentagon entlassen oder zum Rückzug gedrängt.
Der Minister kündigte darüber hinaus an, dass größere US-Militärstandorte künftig eigenen Strom erzeugen sollen. So soll die Einsatzfähigkeit auch nach Cyberangriffen oder Sabotage am zivilen Stromnetz gesichert werden.
Neuer Militärstützpunkt geplant
US-Präsident Donald Trump will außerdem einen neuen Militärstützpunkt im Inland bauen. Hegseth forderte die Gouverneurinnen und Gouverneure der Bundesstaaten auf, Bewerbungen einzureichen. Der Standort soll zwischen 15.000 und 25.000 US-Soldaten aufnehmen.
Hegseth bekräftigt politische Linie
Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 trieb Hegseth den Ausschluss von Transmenschen aus dem Militär sowie den Abbau von Programmen für Diversität und Gleichstellung voran. Vor Militärs in Virginia sagte er: „Die ideologischen Clowns sind raus. Die patriotischen Cowboys sind drin.“
Die Regierung von US-Präsident Trump bezeichnet das Verteidigungsministerium seit dem vergangenen Herbst als „Kriegsministerium“. Hegseth erklärte, in den eigenen Reihen gebe es nun nur noch „Krieger“.
Technologischer Wettlauf mit militärischen Folgen
Autonome Waffensysteme verbinden Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz, Robotik und Drohnentechnik. Sie könnten Aufklärung, Logistik und Zielerfassung beschleunigen, verschieben aber zugleich die Verantwortung für Entscheidungen über Gewaltanwendung. Besonders umstritten ist, wie viel menschliche Kontrolle vor einem Angriff erhalten bleiben muss.
Das angekündigte 120-Tage-Projekt fällt in eine Phase, in der die USA ihre militärische Innovationsfähigkeit enger mit der privaten Technologiewirtschaft verzahnen. Musk bringt mit SpaceX und Tesla Erfahrungen bei KI, Raumfahrt, Automatisierung und Robotik ein; Palmer Luckey steht für die wachsende Bedeutung privat entwickelter Drohnen- und Verteidigungssysteme. Die Beteiligung prominenter Unternehmer kann Entwicklungsprozesse beschleunigen, wirft aber Fragen nach Interessenkonflikten und demokratischer Kontrolle auf.
Kontrolle, Infrastruktur und Streitkräfte
Der Konflikt mit Anthropic zeigt den politischen Zielkonflikt: Das Pentagon will KI möglichst umfassend für rechtmäßige Einsätze nutzen, während Entwickler Grenzen bei autonomen Waffen und Überwachung verlangen. Parallel soll ein neues Vier-Sterne-Kommando robotische Fähigkeiten bündeln. Für die Streitkräfte bedeutet das eine organisatorische Aufwertung des Themenfelds.
Die geplante Eigenstromversorgung größerer Militärstandorte erweitert den Begriff militärischer Modernisierung um Resilienz gegen Cyberangriffe und Sabotage. Der Abbau von bis zu einem Fünftel der Generals- und Admiralsdienstposten könnte dagegen die Führung verschlanken, aber auch Erfahrung und Kontinuität verringern. Für Verbündete bleibt entscheidend, ob die USA technische Überlegenheit mit klaren Einsatzregeln und verlässlichen Abstimmungsmechanismen verbinden.
