US-Truppenabzug, Irak

US-Truppenabzug aus dem Irak: Letzte Soldaten verlassen das Land

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 10:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die letzten US-Soldaten haben den Irak verlassen. Damit endet die amerikanische Militärpräsenz im Land – während IS-Zellen aktiv bleiben und die Entwaffnung iranfreundlicher Milizen verschoben ist.
  • Der US-Truppenabzug wurde bereits 2024 beschlossen. (Archivbild) - Bild: Haider Al-Assadee/EPA/dpa
  • Die US-Truppen kämpften im Irak gegen Saddam Hussein und den IS. - Bild: epa Zaklin/EPA/dpa
Der US-Truppenabzug wurde bereits 2024 beschlossen. (Archivbild) - Bild: Haider Al-Assadee/EPA/dpa Die US-Truppen kämpften im Irak gegen Saddam Hussein und den IS. - Bild: epa Zaklin/EPA/dpa

Das US-Militär ist nach Angaben des Pentagons vollständig aus dem Irak abgezogen, womit die letzte Phase der amerikanischen Militärpräsenz in dem Land endet.

Rund 2.500 Soldaten zuletzt im Irak

Die letzten US-Soldaten hätten den Irak verlassen, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. In den vergangenen Jahren waren dort noch rund 2.500 US-Kräfte stationiert. Zuletzt befanden sie sich in Erbil in der Kurdenregion, an einem Stützpunkt nahe dem Flughafen von Bagdad und in der Grünen Zone der Hauptstadt.

Das Pentagon bezeichnete den Abzug als Abschluss einer zwölfjährigen Kampagne, durch die der Islamische Staat als organisierte militärische Bedrohung im Irak und in der Region besiegt worden sei. Die irakische Regierung trage nun die Hauptverantwortung für die verbliebenen sicherheitspolitischen Herausforderungen.

IS-Zellen bleiben aktiv

Die USA hatten seit 2014 gemeinsam mit Verbündeten im Irak und in Syrien gegen den IS gekämpft. Die Terrormiliz wurde im Irak 2017 und in Syrien 2019 militärisch besiegt, verfügt aber weiterhin über Zellen, die vereinzelt Anschläge verüben.

Konflikt mit Iran belastet Sicherheitslage

Die USA und der Iran tragen ihren regionalen Konflikt seit Jahren auch im Irak aus. 2020 töteten die USA bei einem Drohnenangriff in Bagdad den iranischen General Ghassem Soleimani und den Milizenführer Abu Mahdi al-Muhandis. Darauf folgten wochenlange Spannungen.

Im laufenden Iran-Krieg verschärfte sich die Lage erneut. Iranverbündete Milizen griffen unter anderem die US-Botschaft in Bagdad und den Stützpunkt Erbil an, der auch von der Bundeswehr genutzt wird. Das US-Militär schlug seinerseits Ziele der Milizen im Irak an.

Entwaffnung der Milizen verschoben

Die ursprünglich parallel zum US-Abzug geplante Entwaffnung und Eingliederung mächtiger iranverbündeter Milizen in den staatlichen Sicherheitsapparat wurde auf Juni 2027 verschoben. Die wichtigsten Gruppierungen lehnen den Schritt bislang ab. Eine gewaltsame Umsetzung könnte neue schwere Kämpfe auslösen.

Bundeswehrmandat läuft bis Januar

Die USA waren 2003 mit Verbündeten in den Irak einmarschiert und hatten Saddam Hussein gestürzt. Nach dem Abzug 2011 kehrten sie 2014 auf Bitte der irakischen Regierung zur Bekämpfung des IS zurück. Die Bundeswehr beteiligt sich seit 2015 unter anderem an der Ausbildung irakischer Soldaten. Das Mandat mit bis zu 500 Kräften läuft bis Januar; Außenminister Johann Wadephul erwartet eine mögliche weitere Präsenz in Erbil.

Abzug beendet US-Kampfmission

Mit dem Abzug endet die zweite große Phase amerikanischer Militärpräsenz im Irak. Nach der Invasion von 2003 und dem Abzug 2011 kehrten US-Truppen 2014 auf Bitte der irakischen Regierung zurück, um den IS zurückzudrängen. Die Terrormiliz verlor ihre großen Herrschaftsgebiete, ist aber mit Zellen weiterhin aktiv.

Sicherheitsrisiko durch Milizen

Die zentrale Folge des Abzugs liegt deshalb nicht in einer unmittelbaren Rückkehr des IS zu früherer Stärke, sondern in der Neuverteilung militärischer Macht. Die irakischen Sicherheitskräfte müssen künftig eigenständiger gegen Dschihadisten vorgehen, während einflussreiche, dem Iran nahestehende Milizen ihre Waffen behalten. Ihre geplante Entwaffnung und Eingliederung in staatliche Strukturen wurde auf Juni 2027 verschoben.

Irak bleibt regionaler Schauplatz

Der Irak liegt zwischen Iran, Syrien und den Golfstaaten und war wiederholt Schauplatz des Konflikts zwischen Washington und Teheran. US-Einrichtungen und kurdische Gebiete gerieten zuletzt unter Beschuss. Für die Bevölkerung kann der Abzug daher zwar mehr staatliche Souveränität bedeuten, zugleich aber auch größere Unsicherheit, falls Bagdad die konkurrierenden bewaffneten Akteure nicht wirksam kontrolliert. Für Deutschland bleibt zudem die Zukunft des Bundeswehrmandats in Erbil relevant.

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