Irak, US-Truppenabzug

US-Truppenabzug aus dem Irak: Letzte Soldaten verlassen das Land

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 08:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Mehr als 20 Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins verlassen die letzten US-Soldaten den Irak. Mit dem Ende der Militärpräsenz wächst der Druck auf Bagdad, Sicherheit und Machtbalance zwischen Iran, Milizen und Kurden selbst zu sichern.

  • Der US-Abzug aus dem Irak wurde schon 2024 beschlossen. (Archivbild) - Bild: Ameer Al Mohammedaw/dpa
    Der US-Abzug aus dem Irak wurde schon 2024 beschlossen. (Archivbild) - Bild: Ameer Al Mohammedaw/dpa
  • Der US-Einmarsch erfolgte im erklärten «Krieg gegen den Terror». (Archivbild) - Bild: epa Zaklin/EPA/dpa
    Der US-Einmarsch erfolgte im erklärten «Krieg gegen den Terror». (Archivbild) - Bild: epa Zaklin/EPA/dpa
  • Die Invasion führte schließlich zur Festnahme Saddam Husseins. (Archivbild) - Bild: picture alliance / dpa
    Die Invasion führte schließlich zur Festnahme Saddam Husseins. (Archivbild) - Bild: picture alliance / dpa
  • Die US-Invasion führte zum Sturz von Saddam Hussein, aber auch zu Gewalt und Chaos. (Archivbild) - Bild: Jerome Delay/AP/dpa
    Die US-Invasion führte zum Sturz von Saddam Hussein, aber auch zu Gewalt und Chaos. (Archivbild) - Bild: Jerome Delay/AP/dpa
  • Die Kurden im Irak müssen nun noch mehr um ihre Sicherheit fürchten. (Archivbild) - Bild: Rashid Yahya/AP/dpa
    Die Kurden im Irak müssen nun noch mehr um ihre Sicherheit fürchten. (Archivbild) - Bild: Rashid Yahya/AP/dpa
  • Die USA drängen bei Iraks Ministerpräsident al-Saidi weiter auf die Entwaffnung von Milizen. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
    Die USA drängen bei Iraks Ministerpräsident al-Saidi weiter auf die Entwaffnung von Milizen. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Der US-Abzug aus dem Irak wurde schon 2024 beschlossen. (Archivbild) - Bild: Ameer Al Mohammedaw/dpa Der US-Einmarsch erfolgte im erklärten «Krieg gegen den Terror». (Archivbild) - Bild: epa Zaklin/EPA/dpa Die Invasion führte schließlich zur Festnahme Saddam Husseins. (Archivbild) - Bild: picture alliance / dpa Die US-Invasion führte zum Sturz von Saddam Hussein, aber auch zu Gewalt und Chaos. (Archivbild) - Bild: Jerome Delay/AP/dpa Die Kurden im Irak müssen nun noch mehr um ihre Sicherheit fürchten. (Archivbild) - Bild: Rashid Yahya/AP/dpa Die USA drängen bei Iraks Ministerpräsident al-Saidi weiter auf die Entwaffnung von Milizen. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Mehr als 20 Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins und nach dem Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ziehen die letzten US-Soldaten aus dem Irak ab.

Formeller Abschluss am Mittwoch

Der Abzug soll am Mittwoch formell abgeschlossen sein. Der US-Kampfeinsatz war bereits 2021 beendet worden; die zuletzt rund 2.500 Soldaten waren noch als Berater und Ausbilder im Land.

Der Schritt war 2024 zwischen Washington und Bagdad vereinbart worden. Schon 2011 hatten die USA ihre Truppen vollständig abgezogen, kehrten aber 2014 auf Bitte der irakischen Regierung zurück, nachdem der IS große Gebiete im Irak und in Syrien erobert hatte.

Milizen bleiben bewaffnet

Der Abzug gehört zu den zentralen Forderungen von Ministerpräsident Ali al-Saidi und mächtigen, mit Iran verbündeten Milizen. Diese sollten ihre Waffen parallel zum Abzug abgeben; der Schritt wurde jedoch auf Juni 2027 verschoben. Ob die Entwaffnung gelingt, ist offen.

US-Einsatz begann 2003

Die USA marschierten 2003 mit Verbündeten im Irak ein und stürzten Saddam Hussein. Die von Washington vorgebrachten Vorwürfe von Verbindungen zu Al-Kaida und der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen erwiesen sich später als falsch.

Aufstände, konfessionelle Gewalt und Misshandlungen im Gefängnis Abu Ghraib prägten die folgenden Jahre. Etwa 4.500 US-Soldaten und Zehntausende Iraker starben. Der Krieg stärkte zugleich den Einfluss des Iran und schuf Bedingungen, unter denen sich zunächst Al-Kaida und später der IS ausbreiten konnten.

Kampf gegen den IS

Ab 2014 führte eine US-geführte Koalition mit mehr als 80 Ländern den Kampf gegen den IS. Die Bundeswehr beteiligt sich seit 2015 an dem Einsatz, unter anderem mit der Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte.

Der IS kontrolliert heute keine großen Gebiete mehr. Nach einem aktuellen Bericht der internationalen Anti-IS-Koalition konzentriert sich die Organisation im Irak auf ihr Überleben; zugleich sitzen Tausende IS-Gefangene in irakischen Gefängnissen.

Iran gewinnt an Gewicht

Der Abzug kann den Einfluss Irans und der mit Teheran verbundenen Milizen im Irak weiter stärken. Kritiker befürchten, dass US-Einrichtungen und Infrastruktur in den Golfstaaten dadurch stärker gefährdet werden. Zugleich verlieren die Milizen mit den US-Truppen ein zentrales Argument für ihren bewaffneten Widerstand.

Washington will weiter auf die Entwaffnung der Milizen drängen. Für den Irak geht es damit um eine neue Balance zwischen den USA und Iran. Besonders die Kurden im Norden verlieren einen wichtigen Schutz, während die Bundeswehr voraussichtlich zumindest vorerst in Erbil präsent bleiben könnte.

Rückblick in den USA

In den USA gehen viele Menschen Umfragen zufolge nicht davon aus, dass der Irak-Krieg das Land sicherer gemacht hat. Der Abzug entspricht dem Ziel von Präsident Donald Trump, US-Militäreinsätze im Nahen Osten zu verringern und sogenannte ewige Kriege zu beenden.

Ein Machtvakuum mit regionaler Tragweite

Der Abzug beendet nicht die politischen Folgen des US-Einsatzes. Der Einmarsch von 2003 stürzte Saddam Hussein, beseitigte aber zugleich staatliche Machtstrukturen und verschärfte die Spannungen zwischen schiitischen und sunnitischen Gruppen. Davon profitierten zunächst Al-Kaida und später der IS; zugleich konnte der Iran seinen Einfluss auf Parteien, Sicherheitsapparate und Milizen im Irak ausbauen.

Die aktuelle Zäsur fällt in eine ohnehin angespannte Sicherheitslage. Der IS kontrolliert zwar keine großen Gebiete mehr, verfügt aber weiterhin über Zellen und kann Anschläge verüben. Parallel bleiben mit Iran verbündete Milizen ein eigenständiger Machtfaktor. Dass ihre Entwaffnung und Eingliederung in staatliche Strukturen auf Juni 2027 verschoben wurde, vergrößert die Unsicherheit über das künftige Gewaltmonopol Bagdads.

Folgen für Kurden und Bundeswehr

Besonders verletzlich sind die kurdischen Gebiete im Norden. Die Peschmerga waren wichtige Partner im Kampf gegen den IS; mit dem Wegfall der US-Präsenz verlieren sie zugleich einen zentralen politischen und militärischen Schutz. Für Deutschland bleibt deshalb entscheidend, ob die Bundeswehr ihr Ausbildungs- und Beratungsmandat über den multinationalen Einsatz hinaus in Erbil fortsetzt.

Für die Bevölkerung bedeutet der Abzug vor allem eine Verschiebung der Verantwortung: Die irakischen Sicherheitskräfte müssen den Schutz vor IS-Zellen selbst gewährleisten, während die Regierung zwischen Washington, Teheran und den eigenen Milizen balanciert. Der angekündigte Feiertag zum Abzug unterstreicht den symbolischen Souveränitätsgewinn, sagt aber wenig über die tatsächliche Stabilität des Landes aus.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Bagdad meldet vollständigen Abzug der US-Truppen“ (27.09.2026)

Der Bericht bestätige den Abzug der letzten US-Kampftruppen und logistischen Kräfte nach Angaben aus Bagdad und ordne ihn in die Vereinbarung von 2024 ein. Anders als die dpa-Meldung betone der Artikel, die offizielle Bestätigung aus Washington stehe noch aus; zudem hebe er die fragile Sicherheitslage im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und eine mögliche Fortsetzung der Bundeswehrpräsenz in Erbil hervor.

Der Beitrag schreibe außerdem, der IS sei zwar territorial weitgehend zurückgedrängt, dessen Zellen seien aber weiterhin aktiv. Offen bleibe damit auch dort, wie dauerhaft die irakischen Sicherheitskräfte den Schutz ohne US-Truppen gewährleisten könnten.

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