US-Truppen Irak: Letzte Soldaten nach mehr als 20 Jahren abgezogen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 10:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehr als 20 Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins und nach dem Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind die letzten US-Soldaten aus dem Irak abgezogen.
Pentagon spricht von abgeschlossenem Einsatz
Der Abzug markiert nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums den Abschluss einer zwölfjährigen Kampagne, durch die der IS als organisierte militärische Bedrohung im Irak und in der Region besiegt worden sei. Die irakische Regierung trage nun die Hauptverantwortung für die verbliebenen sicherheitspolitischen Herausforderungen.
Dazu zählen nach Einschätzung der USA weiterhin IS-Strukturen sowie mit dem Iran verbündete Milizen. Diese untergrüben die irakische Souveränität und die Stabilität der Region.
Abzug 2024 beschlossen
Formell beschlossen wurde der Schritt 2024. Der US-Kampfeinsatz war bereits 2021 beendet worden; zuletzt waren noch etwa 2.500 US-Soldaten als Berater und Ausbilder im Land. Nach einem ersten vollständigen Abzug 2011 kehrten US-Truppen 2014 auf Bitte Bagdads zurück, nachdem der IS große Gebiete im Irak und in Syrien erobert hatte.
Der Abzug gehört zu den wichtigsten Forderungen des irakischen Ministerpräsidenten Ali al-Saidi und mächtiger, mit Iran verbündeter Milizen. Diese sollten ursprünglich parallel ihre Waffen abgeben. Der Schritt wurde jedoch auf Juni 2027 verschoben.
Krieg seit 2003
Die USA marschierten 2003 mit Verbündeten im Irak ein, stürzten Saddam Hussein und begründeten den Krieg mit angeblichen Verbindungen zu Al-Kaida und einem Streben nach Massenvernichtungswaffen. Beide Vorwürfe erwiesen sich später als falsch. Es folgten Aufstände, konfessionelle Gewalt und schwere Menschenrechtsverletzungen, darunter Folter und Misshandlungen im Gefängnis Abu Ghraib.
Etwa 4.500 US-Soldaten und Zehntausende Iraker starben. Der Krieg stärkte den Einfluss Irans, schuf ein Machtvakuum und begünstigte den Aufstieg des IS. Die Kosten wurden auf bis zu drei Billionen US-Dollar beziffert; zeitweise waren mehr als 160.000 US-Soldaten im Irak stationiert.
Neue Unsicherheit
Mit der US-geführten Operation Inherent Resolve begann 2014 der Kampf gegen den IS. Mehr als 80 Länder beteiligten sich. Auch die Bundeswehr ist seit 2015 an dem Einsatz beteiligt, vor allem mit Ausbildung und Unterstützung.
Der IS kontrolliert heute keine großen Gebiete mehr, verfügt aber weiterhin über einzelne Zellen. Der Irak muss zudem das Verhältnis zwischen staatlichen Sicherheitskräften, proiranischen Milizen und den kurdischen Kräften im Norden neu austarieren.
Der Abzug entspricht dem Ziel der US-Regierung, militärische Einsätze im Nahen Osten zu reduzieren. Kritiker warnen jedoch vor einem Machtvakuum und einer Entwicklung wie nach dem US-Abzug aus Afghanistan. Besonders die Kurden verlieren einen wichtigen Schutzschirm.
Ein Abzug mit langer Vorgeschichte
Der Abzug beendet nicht die Geschichte der US-Präsenz im Irak, sondern eine Folge mehrerer Einsätze. Nach der Invasion von 2003 und dem vollständigen Rückzug 2011 kehrten US-Kräfte 2014 auf Bitte der irakischen Regierung zurück, um den IS zu bekämpfen. Die Terrormiliz verlor ihr Herrschaftsgebiet, einzelne Zellen blieben jedoch aktiv.
Für Bagdad bedeutet das Ende der US-Militärpräsenz einen größeren Handlungsspielraum, zugleich aber mehr Verantwortung. Die irakischen Sicherheitskräfte müssen verbliebene IS-Strukturen bekämpfen und die staatliche Kontrolle gegenüber bewaffneten Milizen behaupten. Dass deren Entwaffnung auf Juni 2027 verschoben wurde, zeigt, wie schwierig diese Machtfrage ist.
Irak zwischen Washington und Teheran
Der Irak bleibt in einem regionalen Spannungsfeld. Der Iran verfügt über enge politische, wirtschaftliche und militärische Beziehungen zu Teilen des Landes; Washington verliert mit dem Abzug einen direkten Sicherheitshebel. Damit kann Teheran seinen Einfluss ausbauen, während Bagdad stärker auf eine eigenständige Balance angewiesen ist.
Für die Bevölkerung entscheidet sich die Bedeutung des Abzugs weniger an Symbolen als an der Sicherheitslage. Bleiben Anschläge selten und staatliche Institutionen handlungsfähig, kann der Schritt als Normalisierung gelten. Nimmt der Druck durch Milizen oder IS-Zellen zu, drohen neue Unsicherheit, Belastungen für die kurdischen Gebiete und zusätzliche Spannungen in der Golfregion.
