US-Senat: Trumps Republikaner verlieren Mehrheit an Demokraten
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 05:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSenatsmehrheit und Kongresskontrolle
- Die Republikaner hielten bislang 53 der 100 Senatssitze.
- Bei den Zwischenwahlen standen 35 Senatsmandate zur Abstimmung.
- Das neu gewählte Parlament tritt im Januar erstmals zusammen.
Demokraten übernehmen Kontrolle über den US-Senat
Die Republikaner von US-Präsident Donald Trump haben bei den Parlamentswahlen nach dem Repräsentantenhaus auch die Kontrolle über den Senat verloren. Die Demokraten sicherten sich mehr als die Hälfte der 100 Sitze, wobei zwei parteilose, mit ihnen verbündete Senatoren mitgezählt werden.
Trump erkennt Ergebnis an
Trump hatte die Kongresswahlen zu einer Abstimmung über seine Politik gemacht und kündigte im Gespräch mit der New York Times an, das Ergebnis anzuerkennen. Er sagte, man werde mit den Demokraten zusammenarbeiten und wahrscheinlich eine Lösung finden.
Präsident weist Verantwortung zurück
Auf seiner Plattform Truth Social wies Trump anschließend jede Mitverantwortung für das Abschneiden seiner Partei zurück. Er verwies darauf, selbst nicht auf dem Wahlzettel gestanden zu haben.
Bislang verfügten die Republikaner in beiden Kammern über knappe Mehrheiten. Im Senat hielten sie 53 Sitze; bei der Wahl standen 35 der insgesamt 100 Mandate zur Abstimmung, darunter 22 republikanische Sitze.
Demokraten können Personalien blockieren
Mit der Mehrheit im Senat können die Demokraten Personalvorschläge Trumps für wichtige Positionen ablehnen. Zudem erhalten sie in beiden Kongresskammern mehr Möglichkeiten für Untersuchungen gegen die Regierung.
Im Mittelpunkt könnten unter anderem die geschäftlichen Aktivitäten von Trumps Familie, das Vorgehen von Beamten bei Razzien gegen Migranten sowie Renovierungs- und Bauprojekte in Washington stehen. Bei Gesetzesvorhaben können die Demokraten den Kurs bestimmen, Trump kann Beschlüsse jedoch mit einem Veto stoppen.
Impeachment als äußerste Folge
Ergebnisse der Untersuchungen könnten im äußersten Fall die Grundlage für ein weiteres Amtsenthebungsverfahren gegen Trump bilden. Das neu gewählte Parlament tritt im Januar erstmals zusammen.
Die US-Kongresswahlen markieren für Donald Trump einen tiefen Einschnitt in seiner zweiten Amtszeit. Die Zwischenwahlen gelten traditionell als Test für die Regierungspartei; diesmal hatte Trump selbst die Abstimmung ausdrücklich zu einem Urteil über seine Politik gemacht. Der Verlust beider Kammern verschiebt deshalb nicht nur die Mehrheitsverhältnisse, sondern erhöht auch den politischen Druck auf den Präsidenten.
Mit einer demokratischen Mehrheit im Senat verändert sich zunächst das Verfahren für Trumps Personalentscheidungen. Nominierungen für wichtige Regierungs- und Justizposten können blockiert oder verzögert werden. Im Repräsentantenhaus und im Senat erhalten die Demokraten zudem weitreichende Möglichkeiten, Regierungshandeln zu untersuchen und Vorladungen sowie Aktenherausgaben durchzusetzen.
Neue Kräfteverhältnisse in Washington
Für Gesetzesvorhaben bleibt Trumps Vetorecht ein wichtiges Gegengewicht. Die Demokraten können den Kurs des Kongresses jedoch bestimmen, eigene Untersuchungen anstoßen und die politische Agenda prägen. Eine Überstimmung des Präsidentenvetos wäre nur mit sehr großen Mehrheiten möglich.
Die konkrete Wirkung hängt davon ab, wie geschlossen die demokratischen Fraktionen auftreten und wie groß ihre Mehrheiten ausfallen. Auch einzelne parteilose Senatoren, die mit den Demokraten verbunden sind, spielen dabei eine Rolle. Für Bürgerinnen und Bürger dürfte sich der Machtwechsel vor allem bei Haushaltsentscheidungen, Personalbesetzungen und der Kontrolle umstrittener Regierungsprojekte bemerkbar machen.
Konflikte bis zum Amtsenthebungsverfahren möglich
Die angekündigten Untersuchungen können politische und rechtliche Auseinandersetzungen verschärfen. Sollten Kongressausschüsse belastende Erkenntnisse zusammentragen, könnten diese im äußersten Fall die Grundlage für ein weiteres Impeachment-Verfahren bilden. Eine Amtsenthebung setzt anschließend jedoch hohe Mehrheiten voraus und ist deshalb politisch deutlich schwerer als die Einleitung einer Untersuchung.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „+++ 04:03 Senat für Trump wahrscheinlich auch verloren +++“ (03.11.2026)
Der Liveticker habe in der Nacht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für einen demokratischen Gewinn der zweiten Kongresskammer beschrieben. Er habe den Schwerpunkt auf die noch laufenden Senatsrennen und die Frage gelegt, wie viele zusätzliche Sitze die Demokraten gewinnen könnten.
Frankfurter Rundschau: „Erste Ergebnisse sind da: Live-Grafik zeigt aktuelle Zahlen für Senat bei Midterms“ (04.11.2026)
Der Artikel habe vor dem Wahlausgang die Ausgangslage mit 53 republikanischen und 47 demokratisch verbundenen Sitzen erläutert. Anders als die dpa-Meldung habe er die mögliche Rolle von Vizepräsident JD Vance bei einem Patt und die Unsicherheit bei knappen Rennen betont.
Beide Beiträge hätten den möglichen Machtverlust der Republikaner im Senat als entscheidenden Faktor der Midterms eingeordnet. Unterschiede bestünden vor allem beim Zeitpunkt: Während der Liveticker den laufenden Wahlabend begleitet habe, habe die dpa-Meldung den Verlust der Mehrheit bereits als Ergebnis dargestellt.
