US-Präsident Trump untersagt CNN und Politico Zugang zum Weißen Haus
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 23:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Präsident Donald Trump hat dem US-Fernsehsender CNN sowie den Medien MS NOW und Politico den Zugang zum Weißen Haus untersagt.
Trump kündigt Zugangssperre auf Truth Social an
Trump teilte auf seiner Plattform Truth Social mit, dass CNN, MS NOW und das Nachrichtenportal Politico ab sofort keinen Zutritt mehr zum Weißen Haus erhalten sollen. Er warf den betroffenen Medien vor, Falschnachrichten zu verbreiten. Von der Entscheidung wären Journalistinnen und Journalisten dieser Häuser bei Pressekonferenzen und Terminen im Oval Office ausgeschlossen. CNN gilt als einer der bekanntesten Nachrichtensender weltweit, Politico gehört zum Portfolio des deutschen Medienkonzerns Axel Springer.
Umsetzung des Verbots zunächst unklar
Wie weitreichend die Zugangssperre ist, blieb zunächst offen. Unklar ist etwa, ob Reporter der betroffenen Medien künftig auch nicht mehr an Regierungsflügen mit der Präsidentenmaschine Air Force One teilnehmen dürfen. Nach eigenen Angaben waren Teams von CNN und MS NOW am Freitagnachmittag weiterhin im Weißen Haus präsent, nachdem Trump seinen Beitrag veröffentlicht hatte. Die Regierung hatte demnach zunächst keine Schritte unternommen, um das angekündigte Verbot praktisch durchzusetzen. Auch der konkrete Anlass für Trumps Entscheidung wurde nicht bekannt.
Frage nach gerichtlicher Überprüfbarkeit
Bei einem späteren Auftritt im Weißen Haus wurde Trump gefragt, ob seine Maßnahme vor Gericht Bestand haben könne. Er antwortete, ein Gericht solle nicht zulassen, dass Tag für Tag Falschnachrichten veröffentlicht würden. Bereits zu Beginn seiner im Januar 2025 angetretenen zweiten Amtszeit war der Nachrichtenagentur Associated Press der Zugang zum Weißen Haus erschwert worden. Beobachter sehen darin eine Fortsetzung von Trumps konfrontativem Kurs gegenüber Medien, die kritisch über ihn berichten.
Konflikt mit kritischer Berichterstattung
Trump geht in seiner zweiten Amtszeit zunehmend hart gegen Medien vor, deren Berichterstattung ihm missfällt. Journalisten greift er häufig persönlich an, wenn ihm ihre Fragen nicht zusagen, während wohlwollende Berichte ausdrücklich gelobt werden. Knapp sieben Wochen vor wichtigen Parlamentswahlen in den USA sind seine Beliebtheitswerte schlecht. Der langwierige Krieg im Iran, den Trump ursprünglich innerhalb weniger Wochen beenden wollte, hat ihm zusätzliche Kritik eingebracht. Die Republikaner wollen ihre Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat verteidigen.
Vorwürfe der Gefährdung der Pressefreiheit
In seinem Truth-Social-Beitrag schrieb Trump, Medienunternehmen sollten nicht ständig über „FIKTION und LÜGEN“ schreiben oder sie verbreiten dürfen, wenn sie über den Präsidenten, die Regierung oder die Vereinigten Staaten berichten. Er kündigte an, dass weitere Medien betroffen sein könnten, nannte jedoch keine Namen. Der demokratische Minderheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, zog auf der Plattform X einen Vergleich zu Diktatoren und hielt Trump entgegen, die USA seien eine Demokratie. Trump werde es nicht schaffen, Nachrichten zu manipulieren oder die Wahrheit zu verbergen.
Handverlesene Medien und Klagen gegen Sender
Das Weiße Haus hat in der Vergangenheit verstärkt rechte Influencer in den Kreis der Journalisten aufgenommen, die Zugang zu Terminen erhalten. Bei Pressekonferenzen der früheren Regierungssprecherin Karoline Leavitt durfte jeweils ein vom Weißen Haus handverlesenes Medium die erste Frage stellen, die eher wie bestellte Themen wirkte. Zudem setzt Trump auf juristische Mittel: Er überzog bereits Medienhäuser wie die New York Times, die BBC sowie die US-Sender CBS und ABC mit Klagen. Kritiker bewerten diese Verfahren als gezielte Versuche, kritische Berichterstattung einzuschüchtern und die Pressefreiheit einzuschränken.
Konflikt um Zugang und Pressefreiheit im Weißen Haus
Das von Donald Trump verfügte Zugangsverbot für CNN, MS NOW und Politico zum Weißen Haus fügt sich in ein bereits länger sichtbares Muster eines konfrontativen Umgangs mit kritischen Medien ein. In seiner zweiten Amtszeit hat Trump mehrfach versucht, den Informationsfluss aus dem Zentrum der Macht stärker zu kontrollieren und wohlwollende Stimmen zu privilegieren. Wenn wichtige Nachrichtenorganisationen von Pressekonferenzen und Terminen im Oval Office ausgeschlossen werden, betrifft dies nicht nur die Redaktionen selbst, sondern auch die Öffentlichkeit, die auf unabhängige Berichterstattung angewiesen ist.
Juristisch bewegt sich ein solches Verbot in einem sensiblen Bereich. In den USA schützt der erste Verfassungszusatz die Pressefreiheit, gleichzeitig verfügt der Präsident über weitreichende Spielräume bei der Vergabe von Akkreditierungen. Frühere Konflikte zwischen Präsidenten und Medien wurden zwar teils vor Gericht ausgetragen, häufig aber politisch oder administrativ beigelegt. Brisant ist diesmal, dass Trump seine Ankündigung ausdrücklich mit dem Vorwurf von „Falschnachrichten“ verbindet – ein Begriff, der in der Vergangenheit immer wieder genutzt wurde, um missliebige, aber journalistisch belegte Berichte zu delegitimieren.
Politische Lage vor den Parlamentswahlen
Die Entscheidung fällt kurz vor wichtigen Parlamentswahlen, in denen die Republikaner ihre Mehrheiten in Repräsentantenhaus und Senat verteidigen wollen. Trumps Beliebtheitswerte sind schwach, der schleppend verlaufende Krieg im Iran belastet seine Regierung zusätzlich. In einer solchen Lage ist der Zugang zu unabhängiger Information besonders bedeutend: Journalisten, die direkt aus dem Weißen Haus berichten, können Wahlversprechen, militärische Entscheidungen und innenpolitische Maßnahmen transparent machen. Wenn einzelne Medien ausgeschlossen werden, während handverlesene, regierungsnahe Stimmen bevorzugt werden, verändert dies die Bedingungen politischer Kommunikation im Wahlkampf.
Reaktionen und mögliche Folgen
Die scharfe Kritik von Oppositionspolitikern, die Trumps Vorgehen mit dem Handeln von Diktatoren vergleichen, verdeutlicht, dass der Konflikt über eine normale Auseinandersetzung zwischen Regierung und Presse hinausgeht. Für Medien wie CNN oder Politico steht nicht nur der Zugang zu Veranstaltungen auf dem Spiel, sondern auch die Frage, ob künftige Einschränkungen etwa Regierungsflüge mit der Air Force One betreffen. Sollte Trump weiteren Häusern den Zugang entziehen, könnte dies zu einer breiteren Debatte über rechtliche Grenzen und institutionelle Schutzmechanismen für die Pressefreiheit führen. Für Leserinnen und Leser in Deutschland macht der Vorgang sichtbar, wie fragil offene Informationskanäle selbst in etablierten Demokratien werden können, wenn politische Führung und kritische Berichterstattung in einen offenen Machtkampf geraten.
