US-Präsident Trump entzieht CNN und weiteren Medien Zugang zum Weißen Haus
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 03:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Präsident Donald Trump hat dem Fernsehsender CNN sowie den Medien MS NOW und Politico den Zugang zum Weißen Haus untersagt.
Trump kündigt Ausschluss mehrerer Medien an
Trump schrieb auf seiner Plattform Truth Social, die betroffenen Häuser verbreiteten aus seiner Sicht Falschnachrichten. Reporterinnen und Reporter dieser Redaktionen sollen nicht mehr an Pressekonferenzen und Terminen im Oval Office teilnehmen dürfen. Von dem Verbot ist damit einer der bekanntesten Nachrichtensender weltweit betroffen; Politico gehört zum Portfolio des deutschen Medienkonzerns Axel Springer.
Umsetzung des Verbots zunächst unklar
Wie weitreichend Trumps Anordnung ist, blieb zunächst offen. Unklar ist insbesondere, ob Journalistinnen und Journalisten der genannten Medien künftig auch von Regierungsflügen mit der Air Force One ausgeschlossen sind. Nach eigenen Berichten aus den Redaktionen gab es unmittelbar nach der Ankündigung keine Hinweise darauf, dass die Regierung den Zugang praktisch eingeschränkt hat; Teams von CNN und MS NOW waren am Freitagnachmittag weiterhin im Weißen Haus.
Medien und Korrespondentenverband reagieren
Auf Nachfrage verwies CNN in einem Statement auf das Recht auf Pressefreiheit und die US-Verfassung. Es dürfe keine Einmischung der Regierung in die Berichterstattung geben. Politico kündigte an, weiter fair über das Weiße Haus zu berichten und die eigenen Rechte entschieden gegen Einschränkungsversuche zu verteidigen.
White House Correspondents’ Association warnt
Die White House Correspondents’ Association, Interessenvertretung der über das Weiße Haus berichtenden Journalistinnen und Journalisten, kritisierte Trumps Vorgehen scharf. Präsidentin Jacqui Heinrich betonte, es gehe nicht nur um die Rechte der Medien, sondern um das Recht der amerikanischen Bevölkerung auf eine umfassende und unabhängige Darstellung der Aktivitäten und Entscheidungen des Präsidenten und seiner Regierung.
Vorbelasteter Konflikt zwischen Trump und Medien
Bereits zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2025 war der Nachrichtenagentur Associated Press der Zugang zum Weißen Haus erschwert worden. Trump geht seit langem mit Härte gegen ihm missliebige Medien vor, beleidigt Journalistinnen und Journalisten immer wieder, wenn ihm ihre Fragen nicht gefallen, und lobt offene Unterstützung in der Berichterstattung. Kritiker sehen in diesem Verhalten gezielte Einschüchterungsversuche und einen Angriff auf die Pressefreiheit.
Innenpolitischer Druck und außenpolitischer Kontext
Der Konflikt mit den Medien fällt in eine Phase innenpolitischen Drucks. Rund sieben Wochen vor den Parlamentswahlen liegen Trumps Beliebtheitswerte niedrig, unter anderem wegen des zäh verlaufenden Kriegs im Iran, den er ursprünglich auf wenige Wochen begrenzen wollte. Die Republikaner bemühen sich, ihre Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat zu halten.
Schumer zieht historischen Vergleich
Der Minderheitsführer der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, verglich Trumps Vorgehen auf der Plattform X mit dem Handeln von Diktatoren in der Geschichte. Trump werde es nach seiner Darstellung nicht schaffen, Nachrichten zu manipulieren oder die Wahrheit zu verbergen.
Strategien zur Steuerung der Berichterstattung
Parallel dazu hat das Weiße Haus verstärkt rechte Influencer in den Kreis der akkreditierten Medien aufgenommen. Bei Pressekonferenzen der früheren Regierungssprecherin Karoline Leavitt durfte jeweils ein vom Weißen Haus ausgesuchtes Medium die erste Frage stellen, die häufig eher vorformulierten Themen glichen. Zudem überzieht Trump Medienhäuser mit Klagen, unter anderem die New York Times, BBC sowie die Sender CBS und ABC. Kritiker werten dies als Teil einer Strategie, unbequeme Berichterstattung zu unter Druck zu setzen.
Einordnung in Trumps Medienpolitik der zweiten Amtszeit
Das von Donald Trump ausgesprochene Verbot für CNN, MS NOW und Politico fügt sich in ein über Jahre gewachsenes Konfliktmuster zwischen dem Präsidenten und kritischer Berichterstattung. Bereits zu Beginn seiner zweiten Amtszeit war der Zugang der Nachrichtenagentur AP zum Weißen Haus eingeschränkt worden, nun greift Trump wenige Wochen vor wichtigen Parlamentswahlen erneut gezielt Medien an, denen er Falschnachrichten vorwirft.
Der Schritt trifft zentrale Akteure der US-Politikberichterstattung: CNN als international reichweitenstarker Nachrichtensender, Politico mit starkem Fokus auf Washingtons Innenleben und eine weitere Fernsehstation, die das Geschehen im Weißen Haus begleitet. Dass die betroffenen Redaktionen unmittelbar betonen, weiter berichten zu wollen und ihre verfassungsmäßig garantierten Rechte notfalls zu verteidigen, verdeutlicht die grundsätzliche Bedeutung des Konflikts für die Pressefreiheit in den USA.
Pressefreiheit und institutionelle Gegenkräfte
Mit der scharfen Kritik der White House Correspondents’ Association wird deutlich, dass es sich nicht nur um einen Streit zwischen einzelnen Medien und dem Präsidenten handelt. Die Vereinigung hebt hervor, dass Transparenz über die Arbeit der Regierung ein demokratisches Grundrecht der Bevölkerung ist. Wenn der Zugang zu Informationen über das höchste Amt der Nation politisch gesteuert wird, könnte dies langfristig die Kontrolle der Exekutive durch Öffentlichkeit und Parlament schwächen.
Politische Lage und mögliche Folgen
Der Zeitpunkt des Konflikts ist politisch brisant: Trumps Beliebtheitswerte sind vor den Parlamentswahlen niedrig, der schleppende Krieg im Iran belastet seine Regierung. In dieser Lage versucht Trump zugleich, wohlwollende Berichterstattung aufzuwerten und kritische Stimmen zurückzudrängen. Für Leserinnen und Leser bedeutet das, dass die Unabhängigkeit der Berichterstattung über zentrale Entscheidungen – etwa zur Außen- und Sicherheitspolitik – unter erhöhtem Druck steht. Je nachdem, wie Gerichte und Institutionen reagieren, könnte der Fall zum Präzedenzfall für den Umgang eines US-Präsidenten mit missliebigen Medien werden.
