Trump TV startet nach CNN-Rauswurf aus dem Weißen Haus
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 05:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Präsident Donald Trump verschärft seinen Konflikt mit CNN, MS NOW und Politico: Die drei Medien ziehen gegen ihren Ausschluss aus dem Weißen Haus vor Gericht, während mehrere große TV-Sender die Begleitung von Trump-Terminen stoppen.
Regierung startet „Trump TV“
Mitten in dem Streit ging das Weiße Haus am Montagabend Ortszeit mit einem eigenen Online-Kanal auf Sendung. Der Stream namens „Trump TV“ zeigte zunächst Reden des Präsidenten und Übungen der US-Streitkräfte. Nach Angaben des Weißen Hauses soll der Kanal täglich rund um die Uhr laufen und vergangene Auftritte, Ankündigungen sowie Nachrichten aus der Regierung verbreiten. Eigene Produktionen oder journalistische Inhalte waren zunächst nicht zu sehen.
Trump hatte CNN, MS NOW und dem Nachrichtenportal Politico am Freitag mit sofortiger Wirkung den Zugang zur Regierungszentrale untersagt. Er warf ihnen vor, Falschnachrichten zu verbreiten. Am Samstag wurden Journalisten der drei Medien nach deren Angaben nicht auf das Gelände gelassen.
TV-Pool stellt Begleitung ein
Die Sperre wirkt sich auch auf die rotierende TV-Begleitung des Präsidenten aus. Zum Pool gehören ABC, CBS, CNN, NBC und Fox News. CNN hätte Trump am Montag auf seiner Reise nach New York zur Generalversammlung der Vereinten Nationen begleiten sollen.
Weil CNN Teil des Pools ist, stoppten die Sender die engmaschige Begleitung von Trumps Terminen und Reisen zunächst als Protest. Die Medien stellen ihre Aufnahmen üblicherweise auch anderen Redaktionen zur Verfügung. Das Pool-Prinzip verteilt zudem die Produktionskosten zwischen den beteiligten Medienhäusern.
Auch Fox News solidarisiert sich
In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten die fünf Sender, die Öffentlichkeit habe ein grundlegendes Interesse an unabhängigen Informationen über die Regierung. Keine Regierung solle eine Nachrichtenorganisation einschränken, nur weil sie deren Berichterstattung missbillige. Bemerkenswert ist die Beteiligung von Fox News, das häufig wohlwollend über Trump berichtet.
Auch die New York Times und die Washington Post solidarisierten sich mit den ausgeschlossenen Medien. Die New York Times gab am Montag aufgenommene Bilder nicht weiter und veröffentlichte sie auch selbst nicht. Die Washington Post teilte ebenfalls mit, keine Fotos von Auftritten des Präsidenten an diesem Tag zu veröffentlichen.
Medien ziehen vor Gericht
CNN, Politico und MS NOW reichten bei einem Gericht in Washington einen Eilantrag ein. Sie sehen in dem Verbot eine Bedrohung der Pressefreiheit und des Rechts der Öffentlichkeit auf unabhängigen Journalismus. Ziel sei es, den Grundsatz zu verteidigen, dass die Regierung nicht darüber entscheide, worüber die Presse berichtet oder was sie veröffentlicht.
Wie lange das Zutrittsverbot gilt, ist unklar. Trump drohte, die Maßnahme auf weitere Medien auszuweiten. Kritiker werten sein Vorgehen als Versuch, kritisch berichtende Redaktionen einzuschüchtern.
Trump greift Medien erneut an
Trump schrieb am Montag auf Truth Social, das Weiße Haus gehe nicht gegen die freie Presse vor, sondern gegen „FAKE NEWS“, die sich wie Krebs in den USA ausgebreitet hätten. Er bezeichnete sie zudem als Bedrohung der nationalen Sicherheit. Am Sonntag hatte er eine Abbildung von drei Müllsäcken mit den Logos der betroffenen Medien vor dem Weißen Haus veröffentlicht.
Die Pressefreiheit ist in den USA im ersten Zusatzartikel zur Verfassung verankert. Trump geht in seiner zweiten Amtszeit zunehmend gegen Medien vor, deren Berichterstattung er ablehnt. Vor den US-Parlamentswahlen in sechs Wochen stehen seine Republikaner zugleich vor dem Versuch, ihre knappen Mehrheiten im Kongress zu verteidigen.
Streit um Zugang und Kontrolle
Der Konflikt berührt eine zentrale Frage demokratischer Öffentlichkeit: Wer entscheidet, welche Bilder und Informationen aus dem Regierungszentrum verbreitet werden? Das Pool-System soll gewährleisten, dass auch kleinere Medien und internationale Redaktionen Zugang zu Terminen des Präsidenten erhalten, ohne jeweils eigene Produktionsstrukturen finanzieren zu müssen. Wird ein beteiligter Sender ausgeschlossen, betrifft das daher nicht nur dessen eigene Berichterstattung.
Mit dem Entzug des Zugangs und der Klage prallen zwei Argumentationen aufeinander. Trump beruft sich auf den Schutz vor aus seiner Sicht falschen Informationen und stellt kritische Medien als Gefahr dar. CNN, MS NOW und Politico sehen dagegen den Grundsatz gefährdet, dass die Regierung nicht nach redaktioneller Berichterstattung über den Zugang zur politischen Macht entscheidet. Das Eilverfahren könnte deshalb über den konkreten Streit hinaus Bedeutung für die Regeln der Presseakkreditierung gewinnen.
Folgen für Öffentlichkeit und Wahlkampf
Der Start von „Trump TV“ verschiebt die Kommunikation zusätzlich in Richtung eines von der Regierung kontrollierten Kanals. Regierungsbilder können Termine dokumentieren, ersetzen aber keine unabhängige Recherche, keine kritische Befragung und keine redaktionelle Auswahl. Für das Publikum steigt damit die Bedeutung unabhängiger Quellen, insbesondere bei innenpolitisch umkämpften Themen.
Politisch fällt die Eskalation in die heiße Phase vor den US-Parlamentswahlen. Eine lückenhaftere TV-Begleitung könnte Trumps öffentliche Präsenz verändern, zugleich aber den Vorwurf verstärken, die Regierung wolle kritische Berichterstattung verdrängen. Wie lange das Zutrittsverbot gilt und ob weitere Medien betroffen sein werden, hängt nun auch vom Gerichtsverfahren und der Reaktion des Weißen Hauses ab.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Nach Rauswurf durch Trump - Sender schränken Berichterstattung ein“ (21.09.2026)
Der Bericht hebe hervor, dass ABC, CBS, NBC und Fox News ihre Berichterstattung über Trump-Auftritte vorerst einschränkten und zugleich CNN, MS NOW und Politico gegen den Ausschluss klagten. Anders als die dpa-Meldung betone er besonders den möglichen Eilantrag und die Reaktion des Fernsehpools; offen bleibe auch dort die Dauer des Verbots.
DER SPIEGEL: „CNN, NBC, ABC, CBS und Fox News: US-Sender schränken Berichterstattung ein“ (21.09.2026)
Der Artikel schreibe, die fünf Sender hätten sich gegen eine Einschränkung durch die Regierung gewandt, und schildere zusätzlich, dass kein Ersatz für CNN im Pool eingesetzt worden sei. Er setze damit einen Schwerpunkt auf die praktischen Folgen für die Bildversorgung, während die dpa-Meldung stärker den Start von „Trump TV“ und Trumps Angriffe auf die Medien herausstelle.
Beide Berichte bestätigten den Ausschluss der drei Medien, die Klage und die Solidarität des TV-Pools. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Im Mittelpunkt stünden einmal das mögliche Gerichtsverfahren, einmal die Folgen für die Pool-Berichterstattung; die Dauer des Verbots bleibe offen.
