Trump empfängt Xi in Washington mit Pomp – Harmonie trotz großer Konflikte
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 08:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Präsident Donald Trump hat Chinas Staatschef Xi Jinping in Washington mit großem Pomp empfangen und trotz Konflikten um Taiwan, den Iran-Krieg und den Handel demonstrative Harmonie betont.
Warme Worte beim Staatsbankett
Trump sagte bei einem Staatsbankett, beide Seiten verträten unterschiedliche Systeme, die Bande zwischen ihren Völkern bestünden aber fort. Die Beziehungen hätten sich nach seiner Darstellung noch nie so gut entwickelt wie jetzt.
Xi sprach von vielen neuen Einigungen aus den Gesprächen, nannte jedoch keine Einzelheiten. Zugleich mahnte er China und die USA zu verantwortungsvollem Handeln und forderte einen neuen Umgang der Großmächte miteinander.
Streit um Zugang für Medien
Überschattet wurde der Besuch vom Konflikt um den Zugang zum Weißen Haus. CNN, MS NOW und Politico waren zuvor von der Berichterstattung ausgeschlossen worden. Kritiker werteten dies als Einschüchterung und Angriff auf die Pressefreiheit.
Nach einer Protestaktion großer US-Sender ordnete ein Richter per einstweiliger Verfügung den unverzüglichen Zugang der Medien an. Beim Einlass zum Staatsbankett seien Journalisten von CNN und MS NOW dennoch erneut abgewiesen worden. Trump stellte den Vorgang auf Truth Social anders dar.
Taiwan bleibt zentraler Streitpunkt
Bei seinem bilateralen Treffen habe Xi Chinas Haltung zu Taiwan bekräftigt und von den USA verlangt, an ihrer Ablehnung einer Unabhängigkeit der Insel festzuhalten. Peking beansprucht Taiwan, während die USA den demokratisch regierten Inselstaat mit Waffen beliefern.
Offen bleibt weiterhin, ob die Vereinigten Staaten Taiwan im Fall eines Angriffs militärisch beistehen würden. Auch zum Iran-Krieg, zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und zur Künstlichen Intelligenz wurden zunächst keine konkreten Ergebnisse bekannt.
Erster Empfang seit 2015
Für Xi ist es die erste USA-Reise seit 2023 und der erste Staatsbesuch mit Empfang im Weißen Haus seit 2015. Er war am Mittwoch mit seiner Frau Peng Liyuan zu einem dreitägigen Besuch eingetroffen.
Zum Abschluss sind eine Teezeremonie mit Trump und ein Besuch im Nationalarchiv geplant. Danach soll Xi die USA verlassen. Weitere Treffen könnten beim Apec-Gipfel in China und beim G20-Gipfel in Miami stattfinden.
Symbolik ersetzt keine Vereinbarung
Der Empfang setzt auf persönliche Diplomatie und demonstrative Gleichrangigkeit. Für Trump bietet die Inszenierung innenpolitisch sichtbare Anerkennung, während Xi zeigen kann, dass China von den USA als gleichwertige Großmacht behandelt wird. Der äußere Gleichklang ändert jedoch nichts daran, dass zentrale Konflikte ungelöst bleiben.
Im Handel steht eine befristete Atempause im Mittelpunkt. Die USA wollen Zölle und Exportkontrollen als Druckmittel erhalten, China benötigt verlässliche Absatz- und Lieferbedingungen. Besonders wichtig sind Seltene Erden, Technologiezugang und mögliche Käufe amerikanischer Agrarprodukte. Eine Verlängerung würde vor allem Zeit gewinnen, wäre aber kein struktureller Abbau der Rivalität.
Risiken reichen weit über den Handel hinaus
Taiwan bleibt der sicherheitspolitisch gefährlichste Streitpunkt. Chinas Anspruch auf die Insel und die amerikanischen Waffenlieferungen berühren unmittelbar die militärische Planung beider Seiten. Hinzu kommen der Iran-Krieg, die Straße von Hormus und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Chinesischer Einfluss auf Teheran oder Moskau könnte für Washington relevant sein, ist aber nicht automatisch zu erwarten.
Für Europa und Deutschland wirken sich die Gespräche vor allem über Energiepreise, Lieferketten, Exportkontrollen und die Verfügbarkeit kritischer Rohstoffe aus. Auch Regeln für Künstliche Intelligenz betreffen Unternehmen und Sicherheitsbehörden weltweit. Entscheidend wird deshalb weniger die Zeremonie als die Frage sein, ob aus den angekündigten Einigungen überprüfbare Vereinbarungen mit konkreten Fristen werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Xi bei Trump Größtmögliche Bühne - aber viele schwierige Themen“ (24.09.2026)
Der Bericht betone, Trump biete Xi eine außergewöhnlich große Bühne, während Handel, Künstliche Intelligenz, Iran und Taiwan die schwierige Tagesordnung bestimmten. Er hebe hervor, größere Durchbrüche seien nicht zu erwarten; im Vordergrund stehe die Vermeidung neuer Spannungen. Anders als die dpa-Meldung gewichte der Beitrag den innenpolitischen Erfolgsdruck auf Trump und die begrenzten Erwartungen von Fachleuten stärker.
Frankfurter Rundschau: „Staatstreffen in Washington: Trump verzieht das Gesicht - Xi bleibt entspannt“ (24.09.2026)
Der Artikel bestätige das pompöse Treffen und beschreibe das Verhältnis als von tiefen Konflikten geprägt. Er setze einen besonderen Schwerpunkt auf die auslaufende Handelsruhe sowie auf die offenen Fragen zu Iran und Taiwan. Zugleich stelle er heraus, Xi brauche keinen Durchbruch, sondern Zeit, während offenbleibe, ob die befristete Entspannung über den Gipfel hinaus Bestand habe.
Beide Berichte bestätigten damit die große symbolische Bedeutung des Empfangs und die Vielzahl ungelöster Streitfragen. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung des politischen Drucks auf Trump und der Frage, ob begrenzte praktische Schritte bereits als Erfolg gelten könnten.
