Trump empfängt Xi in Washington: Viel Pomp, wenig konkrete Ergebnisse
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 05:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Präsident Donald Trump hat Chinas Staatschef Xi Jinping bei dessen Staatsbesuch in Washington mit großem Zeremoniell empfangen und trotz zahlreicher Streitpunkte demonstrative Harmonie zwischen beiden Ländern betont.
Trump spricht von historisch guter Verbindung
Bei einem Staatsbankett sagte Trump, beide Seiten verträten unterschiedliche Systeme, die Bande zwischen ihren Völkern bestünden jedoch fort. Die beiden Präsidenten hätten sich noch nie so gut verstanden wie jetzt. Xi sprach von vielen neuen Einigungen, nannte aber keine Einzelheiten.
Xi mahnte die USA und China zu verantwortungsvollem Handeln. Beide Mächte stünden erneut an einem historischen Ausgangspunkt und müssten einen neuen Weg für den Umgang miteinander finden.
Taiwan bleibt zentraler Streitpunkt
Bei seinem Treffen mit Trump im Weißen Haus bekräftigte Xi nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua die Position Pekings zu Taiwan. Er hoffe, dass die USA an ihrer Haltung gegen eine Unabhängigkeit Taiwans festhielten und die Taiwan-Frage umsichtig behandelten.
China beansprucht Taiwan, das seit Jahrzehnten demokratisch und unabhängig regiert wird, für sich und schließt einen Militäreinsatz nicht aus. Die USA liefern Waffen an die Insel, lassen aber traditionell offen, ob ihre Streitkräfte Taiwan im Fall eines Angriffs verteidigen würden.
Erster Empfang im Weißen Haus seit 2015
Für Xi ist es die erste USA-Reise seit 2023. Sein bislang letzter Staatsbesuch mit Empfang im Weißen Haus fand 2015 statt. Mögliche weitere Treffen könnten beim Apec-Gipfel im chinesischen Shenzhen und beim G20-Gipfel in Miami folgen.
Xi und seine Frau Peng Liyuan waren am Mittwoch zu einem dreitägigen Staatsbesuch eingetroffen. Zum Auftakt kündigte die US-Regierung eine weitere Atempause im Zollstreit an, eine Bestätigung aus Peking stand zunächst aus.
Viele Konflikte trotz freundlicher Bilder
Der frühere US-Botschafter in Peking, Nicholas Burns, kritisierte den aufwendigen Empfang. Er beschrieb Xi als hartnäckig und pragmatisch und sagte, dessen Gesamtstrategie bestehe darin, die Vereinigten Staaten zu untergraben. Xi lasse sich nach Burns' Einschätzung nicht von Schmeicheleien beeinflussen.
Neben dem Handelskonflikt belastet der Krieg im Iran das Verhältnis. China ist der größte Käufer iranischen Öls und ein wichtiger Partner Teherans. Washington hofft auf chinesischen Druck mit Blick auf die Straße von Hormus, deren faktische Blockade die Preise für Öl und Gas steigen lässt.
Auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sorgt für Spannungen. Ein neues US-Sanktionspaket erlaubt Trump Zölle von bis zu 100 Prozent gegen Staaten, die weiterhin russisches Öl oder Gas kaufen. Das könnte neben Indien besonders China treffen, das ein wichtiger Handelspartner und Unterstützer Russlands ist.
Abschluss mit Teezeremonie
Zum Abschluss des Besuchs soll Xi am Freitag erneut mit Trump zusammentreffen. Geplant sind eine Teezeremonie und ein Besuch des Nationalarchivs, bevor der chinesische Staatschef Washington verlässt.
Symbolik trifft auf harte Interessen
Der Empfang im Weißen Haus und die demonstrative Nähe der Präsidenten sollen Stabilität signalisieren. Politisch entscheidend ist jedoch, ob aus der persönlichen Diplomatie belastbare Vereinbarungen entstehen. Die Verlängerung der Zollpause um zwei Monate verschafft beiden Seiten zunächst Zeit, beseitigt den Handelskonflikt aber nicht.
Die wirtschaftliche Bedeutung reicht weit über bilaterale Zölle hinaus. China ist ein zentraler Akteur bei seltenen Erden und ein wichtiger Käufer iranischen Öls. Die USA wiederum kontrollieren entscheidende Technologien, insbesondere bei fortgeschrittenen Halbleitern und Künstlicher Intelligenz. Exportkontrollen, Rohstofflieferungen und der Zugang zu Märkten bleiben daher miteinander verknüpft.
Risiken für Sicherheit und Wirtschaft
Besonders konfliktträchtig bleibt Taiwan. Chinas Forderung nach Zurückhaltung trifft auf amerikanische Waffenlieferungen an die demokratisch regierte Insel und die bewusst offene US-Position zu einem möglichen Beistand im Angriffsfall. Schon begrenzte Missverständnisse könnten deshalb über den Handel hinaus sicherheitspolitische Folgen haben.
Auch der Iran-Krieg und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine erweitern die Gesprächsliste. Washington benötigt für mehrere Ziele zumindest begrenzte chinesische Kooperation, während Peking seine Beziehungen zu Teheran und Moskau nicht ohne eigene Gegenleistungen verändern dürfte. Für Unternehmen und Verbraucher bedeutet die kurze Zollpause vor allem vorübergehende Planbarkeit; neue Zölle, Rohstoffbeschränkungen oder Technologieregeln könnten Lieferketten und Preise erneut belasten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Prunk und Pandas: Trump empfängt Xi in Washington“ (24.09.2026)
Der Bericht bestätige den pompösen Empfang und betone neben Handel, Taiwan und Iran auch Künstliche Intelligenz als zentrales Gipfelthema. Anders als die dpa-Meldung stelle er die symbolische Ebene und Xis Warnung vor der sogenannten Thukydides-Falle stärker heraus; konkrete Ergebnisse blieben auch dort weitgehend offen.
Deutschlandfunk: „Washington - Trump und Xi betonen gegenseitige Freundschaft“ (24.09.2026)
Der Beitrag bestätige den beiderseitigen Wunsch nach mehr Zusammenarbeit und die Verlängerung der Zollpause um zwei Monate. Einen anderen Schwerpunkt setze er auf Xis Forderung nach Zurückhaltung in der Taiwan-Frage sowie auf die symbolische Bedeutung des persönlichen Empfangs durch Trump; offen bleibe, ob daraus substanzielle Fortschritte folgen.
Beide Berichte stimmten mit der dpa-Meldung in der Beschreibung von Harmonie und großem Zeremoniell überein. Sie rückten zusätzlich die begrenzte Reichweite der bisherigen Verständigungen, den KI-Wettlauf und die Taiwan-Frage in den Mittelpunkt.
