US-Midterms 2026, Donald Trump

US-Midterms: Republikaner verlieren beide Kongresskammern

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 06:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach dem Verlust beider Kongressmehrheiten wächst bei den Republikanern der Druck auf Donald Trump. Vizepräsident JD Vance, Ron DeSantis und Ted Cruz verlangen eine offene Debatte über die Ursachen der Niederlage.

Neue Mehrheiten im US-Kongress

  • Die Demokraten kommen im Senat auf 54 von 100 Sitzen und gewinnen sieben Mandate hinzu.
  • In Kansas erringt Adam Hamilton den ersten demokratischen Senatssitz seit 1932.
  • Im Repräsentantenhaus sind den Demokraten bereits mehr als 240 Sitze sicher.
Trump stehen komplizierte Jahre als Präsident bevor. - Bild: Alex Brandon/AP/dpa

Republikaner suchen nach Gründen für Midterms-Niederlage

Führende Republikaner verlangen nach der deutlichen Niederlage bei den US-Midterms eine schonungslose Analyse, während Vizepräsident JD Vance den Iran-Krieg als Ursache ins Zentrum rückt. Präsident Donald Trump räumte am Mittwoch ein, Vances Darstellung stimme „größtenteils“.

Vance fordert Debatte über den Krieg

Vance distanzierte sich am Tag nach der Wahl vom Iran-Krieg und forderte eine „ehrliche Unterhaltung“ über den weiteren Kurs. Auf der Plattform X schrieb er: „Jeder weiß, warum wir verloren haben.“ Trump hatte den Krieg gemeinsam mit Israel begonnen; in der Folge stiegen die Spritpreise in den USA deutlich.

DeSantis und Cruz erhöhen den Druck

Der republikanische Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, sprach von nahezu existenzbedrohenden Folgen für seine Partei. Die Niederlage komme einem politischen Meteoriteneinschlag gleich, sagte er, und bezeichnete sie als Zurückweisung des Präsidenten und des Kongresses.

Der texanische Senator Ted Cruz sprach von einem „Blutbad“ und stellte die Frage nach Konsequenzen. 2026 sei nicht nur eine blaue Welle, sondern ein blauer Tsunami gewesen, schrieb Cruz auf X; das Problem sei diesmal nicht eine geringe Wahlbeteiligung, sondern die bewusste Entscheidung gegen republikanische Kandidaten.

Nachfolgefrage rückt näher

Mit dem Ende der Midterms beginnt der Vorlauf für die Präsidentenwahl 2028. Vance, DeSantis und Cruz werden Ambitionen auf das Präsidentenamt nach Trumps Amtszeit nachgesagt.

Trump selbst zeigte sich nach der Niederlage weniger an einer Ursachenanalyse interessiert. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt sprach er vor allem über seine Architekturprojekte in Washington, darunter einen Ballsaal, den er als den „schönsten Ballsaal in der ganzen Welt“ bezeichnete.

Demokraten gewinnen in republikanischen Hochburgen

Trumps Republikaner verloren die Mehrheit in beiden Kongresskammern sowie mehrere Gouverneursposten. Die Demokraten siegten auch in Bundesstaaten, in denen sie über Jahrzehnte nicht gewonnen hatten.

In Kansas eroberte Adam Hamilton den ersten demokratischen Senatssitz seit 1932. In Texas wurde James Talarico zum ersten demokratischen US-Senator des Bundesstaats seit fast 40 Jahren gewählt; in Michigan gewann der Demokrat Abdul El-Sayed als erster Muslim einen Senatssitz.

Dass die Partei des Präsidenten bei Midterms die Mehrheit in beiden Kammern verliert, geschah in den vergangenen 70 Jahren erst zum dritten Mal.

Mehrheiten stehen teilweise noch nicht fest

Die Demokraten kommen nach dem aktuellen Stand auf 54 von 100 Sitzen im Senat, ein Plus von sieben. In Alaska und Mississippi könnten zwei weitere Sitze hinzukommen, weil die Auszählung dort noch läuft.

Auch im Repräsentantenhaus liegen noch nicht alle Ergebnisse vor, eine klare demokratische Mehrheit ist jedoch sicher. Mehr als 240 Sitze werden an die Demokraten gehen; für die Mehrheit reichen 218.

Trump verliert parlamentarischen Rückhalt

Der Verlust der Kongressmehrheiten erschwert Trump das Regieren in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit. Die Demokraten werden ab Januar bei der Gesetzgebung den Ton angeben, und der Senat entscheidet zudem über wichtige Regierungsposten und Richter.

Mit ihrer Mehrheit können die Demokraten außerdem Untersuchungen gegen den Präsidenten und seine Regierung einleiten. Der demokratische Abgeordnete Robert Garcia schrieb dazu auf X: „Nehmt euch Anwälte.“

Die Midterm-Wahlen markieren für Donald Trump den Beginn einer deutlich schwierigeren zweiten Hälfte seiner Amtszeit. Verliert die Präsidentenpartei beide Kongresskammern, kann die Opposition Gesetzesvorhaben blockieren, Untersuchungen anstoßen und die politische Agenda stärker bestimmen. Besonders relevant ist die Kontrolle des Senats, weil dort Minister, Botschafter und Bundesrichter bestätigt werden.

Innerhalb der Republikanischen Partei verschiebt sich damit der Blick von der laufenden Präsidentschaft auf die Zeit danach. JD Vance, Ron DeSantis und Ted Cruz gelten als mögliche Bewerber für die Präsidentschaftswahl 2028. Ihre öffentlichen Forderungen nach einer Analyse des Ergebnisses können deshalb zugleich als Versuch verstanden werden, Verantwortung für die Niederlage zuzuordnen und ein eigenes politisches Profil zu schärfen.

Folgen für Trumps Handlungsspielraum

Der Streit über den Iran-Krieg zeigt, welche Themen die innerparteiliche Debatte prägen dürften. Steigende Energiepreise können außenpolitische Entscheidungen unmittelbar mit der wirtschaftlichen Lage und dem Alltag der Wähler verbinden. Für Trump wird es schwieriger, die Republikaner geschlossen hinter seiner Politik zu versammeln, wenn Abgeordnete und Senatoren in ihren Wahlkreisen auf die Ursachen des Ergebnisses reagieren.

Die Demokraten erhalten zugleich mehr Möglichkeiten, die Regierung parlamentarisch zu kontrollieren. Ausschüsse können Untersuchungen einleiten und Vorladungen aussprechen. Wie geschlossen die Partei dabei vorgeht und ob Republikaner einzelne Vorhaben weiterhin unterstützen, dürfte den politischen Kurs bis zur Wahl 2028 bestimmen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „US-Wahlergebnis: Gegenwind für Trump“ (04.11.2026)

Der Beitrag ordnet den deutlichen Erfolg der Demokraten als politischen Gegenwind für Trump ein und hebt den Machtverlust im Repräsentantenhaus und im Senat hervor. Damit bestätigt er den Kern der Meldung, legt den Schwerpunkt aber stärker auf die institutionellen Folgen als auf die innerparteiliche Ursachenforschung.

Frankfurter Rundschau: „Trump nach den Midterms: Präsidentschaft ohne Rückhalt – oder ohne Fesseln?“ (04.11.2026)

Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, welchen Handlungsspielraum Trump nach dem Verlust beider Kongressmehrheiten behält. Anders als die dpa-Meldung rückt er die Machtbalance zwischen Präsident und Kongress in den Mittelpunkt.

Beide Beiträge bestätigen den deutlichen Wahlerfolg der Demokraten und den erschwerten Handlungsspielraum des Präsidenten. Unterschiede zeigen sich beim Schwerpunkt: Während die dpa-Meldung die republikanische Ursachenforschung und mögliche Nachfolgekonkurrenz betont, konzentrieren sich die anderen Beiträge stärker auf Trumps institutionelle Macht.

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