US-Kongresswahl: Demokraten nehmen Trump beide Kammern ab
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 06:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNeue Mehrheiten ab Januar
- Die Demokraten errangen laut Hochrechnungen in beiden Kongresskammern die Mehrheit.
- Im Senat wechselten mindestens fünf Sitze von Republikanern zu Demokraten.
- Hakeem Jeffries ist auf Kurs, erster schwarzer Sprecher des Repräsentantenhauses zu werden.
Demokraten übernehmen beide Kongresskammern
Die US-Wähler haben die Republikaner von Präsident Donald Trump abgestraft und der Demokratischen Partei die Kontrolle über den Kongress beschert. Nach Hochrechnungen errangen die Demokraten die Mehrheit nicht nur im Abgeordnetenhaus, sondern auch im Senat.
Weniger Spielraum für Trump
Die Demokraten werden ab Januar bei der Gesetzgebung den Ton angeben. Im Senat müssen Kandidaten für wichtige Regierungsposten und Richter bestätigt werden.
Zudem können sie Untersuchungen gegen den Präsidenten und seine Regierung einleiten. Im Visier stehen unter anderem geschäftliche Aktivitäten der Trump-Familie, das Vorgehen von Beamten bei Razzien gegen Migranten sowie umstrittene Renovierungs- und Bauprojekte in Washington.
Haushalt und Impeachment als Hebel
Besonders relevant ist die Möglichkeit, Trumps Haushaltspläne zu torpedieren. Diesen Hebel können die Demokraten nutzen, um Republikaner zu Zugeständnissen bei Anliegen ihrer Partei zu bewegen.
Das Repräsentantenhaus kann ein Amtsenthebungsverfahren einleiten. Über die tatsächliche Amtsenthebung entscheidet der Senat, dafür ist jedoch eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich. Die Demokraten hatten zuletzt wenig Ambitionen gezeigt, ein weiteres Verfahren gegen Trump zu starten.
Trump kündigt Zusammenarbeit an
Trump kündigte an, die Ergebnisse der Kongresswahlen zu akzeptieren. „Wir werden mit den Demokraten zusammenarbeiten, und wir freuen uns schon darauf. Wir werden wahrscheinlich eine Lösung finden“, sagte er der „New York Times“.
Er kann Gesetzesinitiativen der Demokraten weiterhin per Veto blockieren. Noch in der Wahlnacht veröffentlichte er auf Truth Social ein Bild einer roten Mütze mit der Aufschrift „Veto“.
Fünf Senatssitze wechseln die Partei
Im Senat hatten die Republikaner bislang 53 Sitze. Für die Kontrolle mussten die Demokraten netto vier Sitze gewinnen; bereits während der laufenden Auszählung konnten sie fünf Mandatswechsel verbuchen.
In North Carolina gewann der frühere demokratische Gouverneur Roy Cooper. In South Carolina verlor die von Trump unterstützte Darline Graham Nordone gegen die Demokratin Annie Andrews. In Texas wurde James Talarico zum ersten Demokraten seit fast 40 Jahren, der den Bundesstaat im US-Senat vertritt.
Weitere demokratische Siege gab es in Kansas und Ohio. In Georgia verteidigte Jon Ossoff seinen Sitz. Insgesamt standen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Senatssitze zur Wahl.
Preise belasten Trumps Partei
Die Kongresswahl wurde auch als Referendum über Trumps Politik verstanden. In einer großen Wählerbefragung machten 62 Prozent den Präsidenten für steigende Preise verantwortlich; 39 Prozent nannten die Wirtschaftslage als zentrales Thema.
Fast zwei Drittel der Befragten erklärten, Trumps Importzölle hätten der Wirtschaft geschadet. 43 Prozent trauten den Demokraten eher zu, die Wirtschaft anzukurbeln, gegenüber 38 Prozent für die Republikaner.
Trump hatte sich stark in den Wahlkampf seiner Partei eingebracht. Am Wahlabend wies er jedoch darauf hin, dass sein Name nicht auf dem Stimmzettel gestanden habe.
Die Kongresswahl verschiebt die Machtbalance in Washington deutlich. Weil die Demokraten nun beide Kammern kontrollieren, können sie Gesetzesvorhaben prägen, Haushaltspläne blockieren und die Arbeit der Regierung intensiver untersuchen. Im Senat erhalten sie außerdem größeren Einfluss auf die Bestätigung von Regierungsmitgliedern und Bundesrichtern.
Die Niederlage fällt auch deshalb ins Gewicht, weil Zwischenwahlen traditionell als Stimmungstest für die Amtsführung des Präsidenten gelten. In diesem Fall standen nach der dpa-Meldung vor allem steigende Preise, die wirtschaftliche Lage und die Folgen der Trump-Politik im Mittelpunkt. Die Demokraten können das Ergebnis daher als Auftrag verstehen, innenpolitische Vorhaben des Präsidenten zu begrenzen.
Begrenzte, aber wichtige Hebel
Die neue Mehrheit bedeutet nicht, dass Trump seine politische Agenda vollständig aufgeben muss. Mit einem Veto kann er demokratische Gesetzesinitiativen stoppen; für eine Überstimmung wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit in beiden Kammern nötig. Zugleich kann der Kongress durch Untersuchungen politischen Druck erzeugen und Informationen über Regierungshandeln erzwingen.
Für die kommenden Monate werden deshalb Haushaltsverhandlungen, Personalentscheidungen und mögliche Untersuchungen besonders relevant. Ein Amtsenthebungsverfahren könnte das Repräsentantenhaus zwar einleiten, eine tatsächliche Amtsenthebung im Senat bliebe wegen der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit jedoch schwer erreichbar. Das Ergebnis macht Trumps zweite Amtszeit damit konfliktreicher und erhöht den Einfluss der Demokraten auf die politische Agenda.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Was das Rennen bei den Midterms entscheiden könnte“ (02.11.2026)
Der Beitrag hatte vor der Abstimmung erwartet, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückerobern könnten, den Ausgang im Senat aber als offen beschrieben. Sein Schwerpunkt lag auf den strukturellen Faktoren der Wahl, darunter Präsidentschaftsmalus, Preise, Wahlbeteiligung und besonders umkämpfte Bundesstaaten.
Euronews: „US-Midterms 2026: Entscheidung über Trumps Macht – Demokraten und Republikaner kämpfen um die Mehrheit“ (04.11.2026)
Der Artikel ordnete die Wahl als Bewertung von Trumps zweiter Amtszeit ein und verwies auf wirtschaftliche Themen, Lebenshaltungskosten, Einwanderung und den Iran-Konflikt. Anders als die dpa-Meldung lag sein Schwerpunkt vor dem Ergebnis auf der Ausgangslage, der Wahlbeteiligung und möglichen organisatorischen Problemen am Wahltag.
Übereinstimmend stand die Kontrolle über den Kongress als entscheidender Hebel für Trumps politische Handlungsfähigkeit im Mittelpunkt. Offen war vor der Abstimmung vor allem, ob die Demokraten neben dem Repräsentantenhaus auch den Senat gewinnen würden.
