Ukraine-Verhandlungen: Stubb und Støre sprechen mit Putin
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 11:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAbu Dhabi wird zum nächsten Verhandlungsschritt
- Stubb und Støre telefonierten erstmals direkt mit Kremlchef Wladimir Putin über den Krieg gegen die Ukraine.
- Das Gespräch fand nach einem Treffen mit Selenskyj und US-Vermittler Steve Witkoff in Oslo statt.
- Dreiergespräche mit Russland, der Ukraine und den USA sind für November in Abu Dhabi vorgesehen.
Direkter Gesprächskanal zu Moskau
Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre haben erstmals mit Kremlchef Wladimir Putin über seinen Krieg gegen die Ukraine gesprochen. Ziel des überraschend zustande gekommenen Telefonats war nach ihren Angaben, Putin Botschaften für künftige Verhandlungen zur Beendigung des Krieges zu übermitteln.
Gespräch wurde von beiden Seiten bestätigt
Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte das Telefonat, das zuvor nicht öffentlich angekündigt worden war. Stubb und Støre hatten in der vergangenen Woche den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den US-Vermittler Steve Witkoff in Oslo getroffen.
Witkoff sprach anschließend mit Putin. Dabei wurde eine Wiederaufnahme von Dreiergesprächen zwischen Russland, der Ukraine und den USA vereinbart.
Verhandlungen im November geplant
Die Gespräche unter US-Vermittlung sollen im November in Abu Dhabi stattfinden. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.
Die europäischen Staaten wollen sich an den Verhandlungen beteiligen. Der Kreml zeigte sich nach Angaben aus Helsinki offen für eine Einbeziehung Europas, das die Ukraine mit Waffen und finanzieller Unterstützung trägt.
Nachbarn Russlands setzen auf Deeskalation
Finnland und Norwegen begründen ihre Initiative mit ihrer Nähe zu Russland und den direkten Auswirkungen des Krieges auf die Sicherheit in Europa. Beide Länder erklärten, sie unterstützten die Ukraine weiterhin und hätten nicht im Namen Europas insgesamt mit Putin gesprochen.
Stubb bezeichnete die Diskussion als offen und inhaltlich fundiert. Støre betonte die Bedeutung einer Deeskalation und verwies auf die langfristigen Folgen von Leid und Zerstörung.
Der Anruf fällt in eine Phase, in der Washington eine Wiederaufnahme direkter Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA vorbereitet. Als möglicher Ort ist Abu Dhabi im November vorgesehen; ein genauer Termin steht noch aus. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie europäische Staaten an einem Prozess beteiligt werden können, der bislang vor allem von den USA vermittelt wird.
Finnland und Norwegen haben dabei eine besondere geografische und sicherheitspolitische Bedeutung. Beide Länder grenzen an Russland oder liegen in unmittelbarer Nachbarschaft des Landes und sind eng in die Sicherheitsordnung des Nordens und der Ostsee eingebunden. Ihre Regierungen verbinden die Unterstützung der Ukraine mit dem Interesse, eine weitere Eskalation in ihrer Region zu verhindern.
Europas Rolle bleibt offen
Der Vorstoß von Alexander Stubb und Jonas Gahr Støre zeigt zugleich die Grenzen einzelner europäischer Initiativen: Beide Politiker betonten, nicht im Namen Europas insgesamt gesprochen zu haben. Für die Ukraine ist entscheidend, dass mögliche Verhandlungen nicht nur zwischen Washington und Moskau über ihre Zukunft entscheiden. Für europäische Regierungen geht es deshalb um Einfluss auf Sicherheitsgarantien, Sanktionen, Wiederaufbau und die künftige Ordnung in der Region.
Der Gesprächskanal schafft zunächst keinen Friedensschluss und ersetzt keine formellen Verhandlungen. Er kann aber dazu beitragen, europäische Sicherheitsinteressen frühzeitig in den diplomatischen Prozess einzubringen. Ob daraus eine dauerhafte Beteiligung Europas an den geplanten Gesprächen entsteht, dürfte vom weiteren Verlauf der US-vermittelten Kontakte und von der Bereitschaft Moskaus und Kiews abhängen.
