Ukraine-Finanzierung, EU-Gipfel

Ukraine: Selenskyj fordert weitere 70 Milliarden Euro von der EU

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 18:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der ukrainische Präsident beziffert die Kosten des Krieges im kommenden Jahr auf 155 Milliarden Euro. Bundeskanzler Friedrich Merz signalisiert weitere Hilfe, die EU-Kommission soll den zusätzlichen Bedarf prüfen.

Finanzbedarf der Ukraine im kommenden Jahr

  • Selenskyj beziffert die Gesamtkosten des Krieges für die Ukraine im nächsten Jahr auf 155 Milliarden Euro.
  • Die EU hatte 90 Milliarden Euro für die Jahre 2026 und 2027 bewilligt.
  • Die EU-Kommission soll den zusätzlichen Bedarf prüfen; beraten werden soll erneut im November oder Dezember.
  • Bundeskanzler Friedrich Merz warb beim EU-Gipfel für eine Aufstockung der Ukraine-Hilfen. - Bild: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa
  • Selenskyj wurde beim Gipfel von EU-Ratspräsident António Costa und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßt. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Die EU-Staaten verstünden die Position der Ukraine, sagte Selenskyj in Brüssel. - Bild: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz warb beim EU-Gipfel für eine Aufstockung der Ukraine-Hilfen. - Bild: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa Selenskyj wurde beim Gipfel von EU-Ratspräsident António Costa und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßt.  - Bild: Michael Kappeler/dpa Die EU-Staaten verstünden die Position der Ukraine, sagte Selenskyj in Brüssel. - Bild: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa

Selenskyj nennt Finanzlücke beim EU-Gipfel

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert von der Europäischen Union weitere 70 Milliarden Euro für das kommende Jahr. Er begründet die Forderung mit dem Bedarf für Verteidigung, Waffen und die Widerstandsfähigkeit der Ukraine im Krieg gegen Russland.

EU-Kommission soll Bedarf prüfen

Selenskyj sagte bei einer Rede vor den Staats- und Regierungschefs der EU, der Krieg werde die Ukraine im nächsten Jahr insgesamt 155 Milliarden Euro kosten. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zu Beginn des Gipfels bereits eine Aufstockung der Unterstützung gefordert, aber keine Summe genannt.

Nach dem Gipfel sagte Merz, in der EU gebe es große Übereinstimmung, der Ukraine auch über den Winter und im kommenden Jahr zu helfen. Die EU-Kommission soll den Finanzbedarf prüfen; im November oder Dezember wollen die Mitgliedstaaten erneut darüber beraten.

90 Milliarden Euro reichen nach Angaben der Ukraine nicht

Die EU hatte im vergangenen Jahr bereits 90 Milliarden Euro für die Jahre 2026 und 2027 bewilligt. Merz räumte ein, dass die Ukraine mit diesem Geld nicht auskomme.

Der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko hatte im September in Brüssel zusätzliche Lücken genannt. Im regulären Haushalt fehlten für das kommende Jahr nach seinen Angaben 32,6 Milliarden US-Dollar, während die Lücke bei den Verteidigungsausgaben 45 Milliarden US-Dollar betrage.

Eingefrorene russische Vermögen im Gespräch

Mit Selenskyjs Auftritt beim Gipfel erhält die zusätzliche Forderung politisches Gewicht. Ob die EU-Kommission den genannten Umfang unterstützt, ist offen. Als mögliche Finanzierungsquelle stehen erneut eingefrorene russische Vermögen von etwa 210 Milliarden Euro im Raum.

EU bemüht sich um Gesprächskanäle

Beim Gipfel bemühte sich die EU außerdem, die Spannungen zwischen US-Präsident Donald Trump und Selenskyj zu entschärfen. Öffentliche direkte Kritik an Trump vermieden die EU-Vertreter weitgehend; Ursula von der Leyen betonte zugleich die Unterstützung für dessen Vorschlag einer Waffenruhe bei Angriffen auf Energieinfrastruktur.

Selenskyj erklärte, seine Gesprächskanäle nach Washington seien offen. Sein Team stehe in ständigem Kontakt mit amerikanischen Unterhändlern; in den kommenden Tagen solle ein weiteres Treffen vereinbart werden.

Trump verschärft Kritik an Selenskyj

Trump stellte Selenskyj in einem Interview des US-Senders Newsmax als Hindernis für einen möglichen Friedensschluss mit Russland dar. Ein Abkommen könne es nur ohne Selenskyj geben, sagte Trump und bezeichnete ihn als keinen guten Verhandlungspartner für die USA.

EU will Unterstützung fortsetzen

EU-Ratspräsident António Costa sprach sich dafür aus, die Unterstützung für die Ukraine zu verstärken und den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten. Für die EU wächst damit zugleich der Druck, die eigenen Hilfen auszubauen und einen vollständigen Abbruch der US-Unterstützung zu verhindern.

Die Forderung fällt in eine Phase, in der die europäische Ukraine-Politik stärker unter Finanz- und Sicherheitsdruck steht. Die EU hat für 2026 und 2027 bereits 90 Milliarden Euro zugesagt; nach Selenskyjs Angaben reicht dieser Rahmen angesichts der erwarteten Gesamtkosten des Krieges im kommenden Jahr jedoch nicht aus.

Die von ihm genannte zusätzliche Summe von 70 Milliarden Euro umfasst nach seiner Darstellung den Bedarf für Verteidigung, Waffen und die Widerstandsfähigkeit des Landes. Der ukrainische Finanzminister hatte zuvor bereits auf getrennte Lücken im regulären Haushalt und bei den Verteidigungsausgaben hingewiesen. Damit geht es nicht nur um militärische Beschaffung, sondern auch um die Aufrechterhaltung staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen unter Kriegsbedingungen.

Finanzierung bleibt politisch umstritten

Die EU-Kommission soll den konkreten Bedarf nun prüfen; eine erneute Beratung ist für November oder Dezember vorgesehen. Für die Mitgliedstaaten stellt sich damit die Frage, wie zusätzliche Hilfen finanziert werden können, ohne andere EU-Aufgaben oder nationale Haushalte weiter zu belasten.

Als möglicher Finanzierungsweg stehen weiterhin eingefrorene russische Vermögenswerte im Raum. Ihre Nutzung ist politisch attraktiv, rechtlich und finanziell aber anspruchsvoll. Zugleich verschärft der Streit zwischen Washington und Kyjiw den europäischen Handlungsdruck: Die EU will die Ukraine weiter unterstützen, kann die militärischen Fähigkeiten der USA jedoch nicht kurzfristig vollständig ersetzen.

Entscheidung mit Folgen für Europa

Für die Bürgerinnen und Bürger der EU wird die Debatte vor allem über die konkrete Verteilung der Kosten sichtbar werden. Im Zentrum stehen die Höhe möglicher weiterer Kredite oder Zuschüsse, die Rolle nationaler Beiträge und die Frage, ob die Unterstützung über den Winter hinaus verstärkt wird.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „EU-Gipfel: Ringen um Energiepreise, Haushalt und Ukraine“ (14.10.2026)

Der Artikel ordnet den EU-Gipfel in die Debatten über Energiepreise, den langfristigen EU-Haushalt und die Ukraine-Unterstützung ein. Anders als die aktuelle Meldung steht dort zunächst die Gipfelagenda im Mittelpunkt; die konkrete zusätzliche Forderung von 70 Milliarden Euro wird noch nicht behandelt.

Euronews: „Selenskyj sucht Rückhalt bei Europas Verbündeten, Washington zögert“ (14.10.2026)

Der Beitrag beschreibt Selenskyjs Suche nach europäischer Unterstützung und verweist auf das bereits beschlossene Unterstützungsdarlehen von 90 Milliarden Euro. Im Unterschied zur aktuellen Meldung liegt der Schwerpunkt auf der politischen Rückendeckung und dem angespannten Verhältnis zu Washington; die spätere Forderung nach weiteren 70 Milliarden Euro bildet der Artikel noch nicht ab.

Beide Beiträge bestätigen die zentrale Bedeutung des EU-Gipfels für die weitere Ukraine-Hilfe. Offen bleibt, wie die EU den nun bezifferten zusätzlichen Bedarf bewerten und finanzieren wird.

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