Ukraine-Verhandlungen, Alexander Stubb

Ukraine-Gespräche: Stubb und Støre telefonieren mit Putin

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 14:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre haben erstmals direkt mit Wladimir Putin über mögliche Verhandlungen zum Ukraine-Krieg gesprochen. Das 90-minütige Gespräch fand vor einer geplanten Gesprächsrunde in Abu Dhabi statt und sorgt zugleich für Streit über Europas gemeinsames Vorgehen.

Abu Dhabi und Feuerpause im Fokus

  • Putin stellte Gespräche über die Sicherheit Russlands und der Ukraine in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi in Aussicht.
  • Die Politiker informierten den Kremlchef über eine lokale Feuerpause bei Oleschky im Gebiet Cherson.
  • Selenskyj dankte für den Hinweis auf notwendige Schritte zum Schutz von Energieversorgung und Infrastruktur.
  • Finnland und Norwegen engagieren sich als Nachbarn Russland für eine Beendigung des Moskauer Angriffskrieges gegen die Ukraine. (Archivbild) - Bild: Heiko Junge/Pool NTB/AP/dpa
  • Alexander Stubb (r) und Jonas Gahr Støre haben mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert. (Archivbild) - Bild: Cornelius Poppe/NTB Scanpix/AP/dpa
  • Für das Vorgehen der Finnen und Norweger gab es Kritik aus Partnerländern. (Archivbild) - Bild: Heiko Junge/NTB Scanpix/AP/dpa
Finnland und Norwegen engagieren sich als Nachbarn Russland für eine Beendigung des Moskauer Angriffskrieges gegen die Ukraine. (Archivbild) - Bild: Heiko Junge/Pool NTB/AP/dpa Alexander Stubb (r) und Jonas Gahr Støre haben mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert. (Archivbild) - Bild: Cornelius Poppe/NTB Scanpix/AP/dpa Für das Vorgehen der Finnen und Norweger gab es Kritik aus Partnerländern. (Archivbild) - Bild: Heiko Junge/NTB Scanpix/AP/dpa

Stubb und Støre telefonieren erstmals mit Putin

Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre haben erstmals mit Kremlchef Wladimir Putin über den Krieg gegen die Ukraine gesprochen. Das 90-minütige Telefonat sollte vor neuen Verhandlungen Botschaften zur Beendigung des Krieges übermitteln.

Europäer wollen bei Gesprächen mitreden

Das Gespräch war zuvor nicht öffentlich angekündigt worden. Støre sagte anschließend, beide Politiker hätten für ihre Länder gesprochen und nicht im Namen Europas insgesamt.

Die Partner und Verbündeten seien vorab informiert und danach ausführlich unterrichtet worden. Zugleich verwies Støre auf das Fehlen einer einheitlichen europäischen Botschaft und eines gemeinsamen Vorgehens.

Abu Dhabi als nächster Gesprächsort

Stubb und Støre hatten in der Vorwoche den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den US-Vermittler Steve Witkoff in Oslo getroffen. Nach Gesprächen Witkoffs mit Putin wurde eine Wiederaufnahme von Dreier-Gesprächen zwischen Russland, der Ukraine und den USA vereinbart.

Der Kreml zeigte sich danach offen für eine Beteiligung der Europäer. Putin teilte mit, in Abu Dhabi solle in der ersten Novemberhälfte über Sicherheitsfragen Russlands und der Ukraine nach einer vollständigen Beendigung der Kampfhandlungen gesprochen werden.

Moskau verweist auf eigene Interessen

Putin sagte, für einen Frieden müssten auch die Interessen Russlands berücksichtigt werden. Zugleich warf er EU- und Nato-Staaten eine konfrontative Politik vor, die nach seiner Darstellung zur Verlängerung der Kämpfe beitrage.

Der Kremlchef informierte Stubb und Støre außerdem über eine lokale Feuerpause bei der von russischen Truppen besetzten Frontstadt Oleschky im Gebiet Cherson. Dort ist ein humanitärer Korridor für die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten sowie für die Flucht von Menschen geplant.

Selenskyj begrüßt den Vorstoß

Die beiden Politiker unterrichteten Selenskyj über das Telefonat. Der ukrainische Präsident dankte ihnen und sagte, sie hätten Putin unmissverständlich auf konkrete Schritte zur Deeskalation bei Energieversorgung und Infrastruktur hingewiesen.

Stubb und Støre erklärten, Finnland und Norwegen stünden als Unterstützer klar an der Seite Kiews. Sie begründeten ihre Initiative mit der Sicherheitslage in der Ostseeregion und der direkten Nachbarschaft zu Russland.

Kritik aus Dänemark und Italien

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen äußerte sich sehr skeptisch zu dem Telefonat. Sie kritisierte ein Vorgehen im Alleingang und forderte, Europa müsse zusammenhalten.

Italien wertete die Initiative als Hinweis darauf, dass Europa bislang keine Einigung darüber erzielt habe, wer seine Interessen in Friedensverhandlungen vertreten soll. Rom fordert deshalb eine oder mehrere Persönlichkeiten mit einem klaren europäischen Mandat.

Das Gespräch fällt in eine Phase, in der die USA eine Wiederaufnahme direkter Gespräche zwischen Russland und der Ukraine vorantreiben. Nach Angaben der dpa soll eine neue Gesprächsrunde in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi stattfinden; neben Russland, der Ukraine und den USA sollen dabei auch europäische Interessen stärker berücksichtigt werden.

Finnland und Norwegen gehören zu den europäischen Staaten, deren Sicherheitslage unmittelbar von Russlands Krieg gegen die Ukraine betroffen ist. Beide Länder grenzen an Russland beziehungsweise liegen in dessen sicherheitspolitischer Nachbarschaft. Ihre Initiative unterstreicht deshalb den Wunsch, eigene Sicherheitsinteressen direkt einzubringen. Zugleich machten Stubb und Støre deutlich, dass sie nicht im Namen der Europäischen Union gesprochen hätten.

Europas schwierige Abstimmung

Der Vorstoß legt einen zentralen Konflikt offen: Europa will Einfluss auf mögliche Friedensverhandlungen nehmen, verfügt aber bislang nicht über eine einheitlich akzeptierte Stimme mit klarer Verhandlungsbefugnis. Dänemark kritisierte das Telefonat als nicht ausreichend abgestimmt, während Italien ein gemeinsames europäisches Mandat fordert.

Für die weitere Entwicklung entscheidend bleibt, ob aus den angekündigten Gesprächen konkrete Schritte zur Deeskalation entstehen. Dazu zählen nach ukrainischer Darstellung insbesondere der Schutz der Energieversorgung und der Infrastruktur. Die von Russland gemeldete lokale Feuerpause bei Oleschky könnte unterdessen zeigen, ob begrenzte Vereinbarungen humanitäre Hilfe praktisch ermöglichen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ntv: „Helsinki und Oslo nehmen Kontakt zu Putin auf“ (27.10.2026)

Der Beitrag bestätigt das erstmals öffentlich bekannt gewordene Telefonat und stellt es in den Zusammenhang des geplanten Gipfels in Abu Dhabi. Anders als die dpa-Meldung hebt er den fehlenden genauen Termin der Gespräche hervor.

Euronews: „Anruf bei Putin: Oslo und Helsinki wollen neuen Friedensprozess“ (27.10.2026)

Der Bericht ordnet den Anruf als Versuch ein, den Friedensprozess neu zu beleben, und beschreibt mögliche europäische Beteiligung an den Gesprächen. Zusätzlich betont er Putins Forderung nach einer vollständigen Berücksichtigung russischer Interessen sowie die unterschiedliche Bewertung innerhalb Europas.

Beide Beiträge bestätigen den direkten Kontakt und den Bezug zu geplanten Verhandlungen. Unterschiede liegen vor allem im Schwerpunkt: ntv richtet den Blick auf den bevorstehenden Gipfel, Euronews stärker auf Europas Rolle und die politischen Spannungen unter den Partnern.

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