Trump wirft Ukraine fehlende Gegenleistung für US-Hilfe vor
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 04:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRaketenfreigabe bleibt umstritten
- Trump erhob den Vorwurf bei einem virtuellen Treffen mit US-Senatoren beider Parteien.
- Selenskyj nannte Verteidigungsminister Pete Hegseth als zuständig für die Freigabe.
- Ein hochrangiger Beamter des US-Verteidigungsministeriums wies Änderungen beim Kaufprogramm zurück.
Trump verschärft Streit über US-Hilfe für Ukraine
US-Präsident Donald Trump wirft der Ukraine fehlende Gegenleistungen für die Unterstützung der USA vor. Gleichzeitig berichtet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, Washington halte Waffenlieferungen zurück.
Vorwürfe bei Treffen mit US-Senatoren
Trump sagte in Washington: „Wir haben der Ukraine viel gegeben - sie hat uns nichts gegeben. Vergessen Sie das nicht.“ Den Vorwurf soll er bei einem virtuellen Treffen mit US-Senatoren beider Parteien geäußert haben.
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Selenskyj beklagt fehlende Freigaben
Selenskyj zufolge genehmige US-Verteidigungsminister Pete Hegseth die Lieferung von Patriot- und weiteren Luftabwehrraketen nicht, obwohl Nato-Staaten diese bereits bezahlt hätten. Das berichtete das Portal Axios unter Berufung auf ein Transkript der Besprechung.
Selenskyj sagte demnach: „All das deutet darauf hin, dass eine politische Entscheidung getroffen wurde, die Unterstützung für uns zurückzufahren.“ Die Washington Post berichtete zudem, der Stopp betreffe auch Lieferungen anderer Partner der Ukraine, deren Weitergabe von einer Zustimmung aus Washington abhänge.
US-Beamter weist Änderungen zurück
Ein hochrangiger Beamter aus dem US-Verteidigungsministerium trat dieser Darstellung entgegen. Bei dem Programm, mit dem Nato-Staaten US-Waffen für die Ukraine kaufen, habe es keine Änderungen gegeben, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Dasselbe gelte für den Austausch von Geheimdienstinformationen. Damit stehen die Vorwürfe aus Kiew und die Darstellung des US-Verteidigungsministeriums unmittelbar gegenüber.
Trump greift Selenskyj erneut an
Trump verschärfte unterdessen seine Tonart gegenüber Kiew. Selenskyj hatte zuvor angedeutet, Trump stehe mit seinem kremlfreundlichen Kurs auf der falschen Seite der Geschichte.
Trump entgegnete: „Selenskyj weiß nicht, wovon er spricht.“ Der ukrainische Präsident sei bei den Friedensbemühungen „keine echte Hilfe“, sagte der US-Präsident.
Der Streit fällt in eine Phase, in der Washington seine Unterstützung für Kiew stärker an politischen Erwartungen und eigenen Verhandlungszielen ausrichtet. Für die Ukraine sind Patriot-Abfangraketen besonders wichtig, weil sie kritische Infrastruktur und Städte gegen russische Raketen- und Drohnenangriffe schützen.
Besondere Bedeutung hat das sogenannte PURL-Verfahren: Nato-Staaten finanzieren dabei US-Waffen, die anschließend an die Ukraine geliefert werden. Wenn für einzelne Lieferungen dennoch eine Zustimmung aus Washington erforderlich bleibt, entsteht eine politische Abhängigkeit, obwohl europäische Staaten die Systeme bereits bezahlt haben.
Folgen für Europas Unterstützung
Für europäische Regierungen verschärft sich damit die Frage, wie weit sie die ukrainische Luftverteidigung eigenständig absichern können. Eigene Bestände und Produktionskapazitäten reichen kurzfristig nur begrenzt aus, während der Schutz vor Angriffen unmittelbar vom Tempo der Lieferungen abhängt.
Der öffentliche Schlagabtausch belastet zugleich die diplomatischen Bemühungen um eine Beendigung des Krieges. Trump stellt Selenskyj als unzureichenden Partner dar, während die ukrainische Führung befürchtet, dass Washington die Unterstützung schrittweise zurückfährt. Sollte sich die Zurückhaltung bei Raketen oder anderen Leistungen fortsetzen, könnte dies den militärischen Druck auf Kiew erhöhen und die Position europäischer Unterstützer weiter ins Zentrum rücken.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR: „Selenskyj beklagt nachlassende Unterstützung der US-Regierung“ (20.10.2026)
Der Bericht bestätigt Selenskyjs Vorwurf, Washington verzögere bereits bezahlte Abfangraketen und halte Genehmigungen für Patriot-Raketen zurück. Im Mittelpunkt steht damit die konkrete Lieferfreigabe und die noch ausstehende Unterschrift des US-Verteidigungsministers.
tagesschau: „Verbaler Schlagabtausch Spannungen zwischen Trump und Selenskyj“ (20.10.2026)
Der Beitrag stellt neben den Raketenverzögerungen den politischen Konflikt zwischen Trump und Selenskyj heraus. Gemeinsam ist beiden Berichten die Darstellung einer nachlassenden Unterstützung aus Sicht Kiews; offen bleibt, ob sich die von einem US-Beamten zurückgewiesene Darstellung einer grundsätzlichen Änderung des Kaufprogramms bestätigt.
Die Berichte stimmen beim Streit über verzögerte Luftabwehrlieferungen überein, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Der BR konzentriert sich auf den Beschaffungsvorgang, die tagesschau auf die politische Eskalation.
