Trump und Putin telefonieren: Kreml spricht von harmonischem Gespräch
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 02:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin haben nach Angaben des Kremls anlässlich von Putins 74. Geburtstag telefoniert.
Geburtstagsgrüße von Trump und Melania
Putin habe von Trump und dessen Ehefrau Melania Glückwünsche erhalten, sagte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. Trump habe Putin Erfolg und Wohlbefinden gewünscht und Grüße seiner Frau übermittelt; Putin habe sich dafür bedankt.
Nach Darstellung Uschakows verlief das Gespräch positiv. Weder Putin noch Trump hätten als Erster auflegen wollen. Es war laut Kreml das sechste Telefonat der beiden Präsidenten in diesem Jahr.
Diesel-Deal sorgt für Kritik
Nach dem vorherigen Gespräch hatte Trump angekündigt, Russland werde umgehend mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt bereitstellen. Weitere Lieferungen sollten folgen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte die Vereinbarung scharf und erklärte, sie sei eine Investition in den Krieg gegen die Ukraine.
Gespräch über den Ukrainekrieg
Putin habe mit Trump auch über den Krieg gesprochen und dabei betont, Russlands Haltung zu den Zielen der sogenannten militärischen Sonderoperation bleibe unverändert. Zugleich habe Putin die Konzentration Trumps und seines Teams auf den Dialog mit Russland gewürdigt.
Ein persönliches Treffen der beiden Präsidenten könnte laut Uschakow beim Apec-Wirtschaftsgipfel Mitte November in China stattfinden. Ein genauer Termin steht demnach noch nicht fest.
Russischer Angriff auf die Ukraine
Russland führt seit Ende Februar 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Am Mittwoch, Putins Geburtstag, griff Russland die Ukraine besonders heftig an. Nach Angaben ukrainischer Behörden wurden dabei mindestens 25 Menschen getötet.
Telefonat mit mehreren Ebenen
Das Gespräch fällt in eine Phase, in der Washington zugleich auf Verhandlungen über den Ukrainekrieg drängt und wirtschaftliche Interessen verfolgt. Die von Trump angekündigten Diesellieferungen verbinden diese Ebenen unmittelbar: Ein Abkommen mit Moskau könnte kurzfristig auf angespannte Kraftstoffmärkte zielen, steht aber politisch im Gegensatz zu Maßnahmen, die Russlands Energieexporte begrenzen sollen.
Die genannten Mengen sind für den US-Markt relevant, ändern dessen Grundstruktur aber nicht. 300.000 Tonnen entsprechen rechnerisch ungefähr dem amerikanischen Dieselverbrauch von gut einem halben Tag. Experten erwarten deshalb keinen dauerhaften Preisrückgang allein durch diese Lieferung. Kurzfristige Reaktionen an den Terminmärkten können dennoch die Erwartungen von Verbrauchern, Landwirtschaft und Transportgewerbe beeinflussen.
Ukrainekrieg und mögliche Folgen
Für die Ukraine erhöht der Vorgang den politischen Druck auf die US-Regierung. Kiew wertet Geschäfte mit russischen Energieträgern als Unterstützung der russischen Kriegswirtschaft, während Moskau den Austausch als wirtschaftliche Kooperation und Dialogsignal darstellen kann. Dass Putin und Trump zugleich über den Krieg und ein mögliches Treffen beim Apec-Gipfel sprechen, verknüpft die Energiefrage mit der Suche nach einem diplomatischen Kanal.
Für Leser in Deutschland bleibt entscheidend, ob aus der politischen Ankündigung tatsächlich regelmäßige Lieferungen werden und wie sich Sanktionen, Genehmigungen, Raffineriekapazitäten sowie Transportwege darauf auswirken. Ein einzelnes Telefonat und eine begrenzte Freigabe ersetzen weder eine Friedensregelung noch eine dauerhafte Lösung für den globalen Kraftstoffmarkt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Trump kündigt russische Diesel-Lieferungen an“ (10.10.2026)
Der Bericht bestätige die von Trump angekündigten Diesellieferungen und die russische Zustimmung. Er setze den Schwerpunkt auf den Widerspruch zwischen dem Geschäft und der US-Sanktionspolitik sowie auf ukrainische Kritik; zudem hebe er hervor, Fachleute erwarteten keine dauerhafte Lösung für den angespannten Markt.
ntv: „Trump: Putin liefert Millionen Tonnen Diesel für USA und Weltmarkt“ (09.10.2026)
Der Artikel bestätige Trumps Darstellung des Gesprächs und der gestaffelten Liefermengen. Anders als der ausführlichere Bericht der tagesschau konzentriere er sich auf die angekündigten Mengen und Trumps Erwartung sinkender Preise; offen bleibe, in welchem Umfang und zu welchen Zeitpunkten die Lieferungen tatsächlich erfolgen könnten.
Beide Berichte stellten die Dieseleinigung als Ergebnis des Trump-Putin-Kontakts dar. Der Schwerpunkt liege beim einen Medium stärker auf Sanktionen, Ukraine und Marktfolgen, beim anderen auf den Lieferplänen und ihrer wirtschaftlichen Wirkung.

