Trump-Politik: Scaramucci kritisiert Rutte und Europas Kurs
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 11:18 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSScaramuccis Kritik an Trump und Rutte
- Anthony Scaramucci war im Juli 2017 zehn Tage lang Kommunikationschef von Donald Trump.
- Scaramucci nennt Nato-Generalsekretär Mark Rutte und Kanadas Premier Mark Carney als gegensätzliche Beispiele im Umgang mit Trump.
- Er kritisiert, dass republikanische Abgeordnete Trumps Russland-Entscheidungen nicht verhindert oder öffentlich zurückgewiesen hätten.
Scaramucci fordert Europas Regierungschefs zu Härte gegenüber Trump auf
Der frühere Kommunikationschef von US-Präsident Donald Trump, Anthony Scaramucci, hält die Strategie der europäischen Staats- und Regierungschefs im Umgang mit Trump für falsch. Im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ forderte er ein bestimmtes Auftreten und sagte, Trump respektiere niemanden, der sich ihm gegenüber nicht durchsetze.
Besonders kritisierte Scaramucci Nato-Generalsekretär Mark Rutte und stellte ihm den kanadischen Premierminister Mark Carney gegenüber.
Rutte und Carney als gegensätzliche Beispiele
Scaramucci sagte, es gebe zwei Verhaltensmuster: das von Mark Rutte und das von Mark Carney. Carney gehe besser mit Trump um, während Unentschlossenheit oder Schmeichelei, wie er sie Rutte zuschreibe, Trumps Respekt nicht gewinne.
Europäische Staats- und Regierungschefs setzten im Umgang mit Trumps verbalen Attacken bislang vor allem darauf, Forderungen des US-Präsidenten entgegenzukommen. Rutte gilt als darauf bedacht, ein möglichst harmonisches Bild zu wahren, um das Militärbündnis zusammenzuhalten; Carney trat im Zollstreit mit den USA unnachgiebiger auf.
Schwere Vorwürfe zur Russlandpolitik
Auch Trumps jüngste Annäherung an Moskau kritisierte Scaramucci scharf. Er sagte, der US-Präsident mache gemeinsame Sache mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, und äußerte die Vermutung, Trump sei von Putin kompromittiert worden.
Mitte Oktober hatte Trump trotz des andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine einen Deal über die Lieferung mehrerer Millionen Tonnen Diesel mit dem Kremlchef bekannt gegeben. Kurz darauf setzte er die überparteilich im Kongress verabschiedeten Sanktionen gegen Russland per Dekret aus.
Scaramucci seit 2017 Trump-Kritiker
Scaramucci kritisierte zudem, republikanische Abgeordnete hätten nichts getan, um die Entscheidung zu verhindern oder Trump zurechtzuweisen. Der Hedgefondsmanager war im Juli 2017 zehn Tage lang Kommunikationschef des US-Präsidenten und zählt heute zu dessen schärfsten Kritikern.
Scaramuccis Kritik fällt in eine Phase, in der Europas Verhältnis zu den USA stark von der Frage geprägt ist, wie auf Trumps konfrontativen Verhandlungsstil reagiert werden soll. Der ehemalige Trump-Mitarbeiter stellt dabei zwei unterschiedliche Ansätze gegenüber: Nato-Generalsekretär Mark Rutte steht in seiner Darstellung für Ausgleich und Geschlossenheit, während der kanadische Premierminister Mark Carney im Zollstreit härter auftritt.
Für die europäischen Regierungen steht dabei mehr auf dem Spiel als die persönliche Beziehung zum US-Präsidenten. Die USA bleiben für die europäische Sicherheitsarchitektur und die Nato zentral. Zugleich können Zugeständnisse bei Handel, Verteidigungsausgaben oder außenpolitischen Positionen innenpolitische Kosten verursachen und den Eindruck verstärken, Washington bestimme die europäischen Prioritäten.
Russlandpolitik erhöht den Druck
Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch Trumps Annäherung an Moskau und den in der Meldung genannten Diesel-Deal. Die vorübergehende Aussetzung von Sanktionen berührt sowohl die transatlantische Russlandpolitik als auch die Frage, wie geschlossen westliche Staaten gegenüber dem Kreml auftreten. Scaramuccis Aussage über eine mögliche Kompromittierung Trumps ist eine politische Anschuldigung, kein belegter Nachweis.
Für Europa bedeutet die Entwicklung, dass die Abstimmung mit Washington schwieriger werden kann, wenn US-Handels- und Russlandpolitik auseinanderfallen. Zugleich müssen Nato-Staaten ihre gemeinsame Linie wahren, ohne unterschiedliche nationale Interessen bei Handel, Energie und Sicherheit zu ignorieren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Ex-Berater warnt Trump: ‚Seien Sie vorsichtig‘ – ein Schritt könnte ihn das Amt kosten“ (28.10.2026)
Der Beitrag ordnet Scaramuccis aktuelle Warnungen vor einem Treffen Trumps mit Wladimir Putin und Xi Jinping ein. Er bestätigt damit seine Rolle als scharfer Trump-Kritiker, setzt den Schwerpunkt jedoch auf mögliche innenpolitische Folgen für den US-Präsidenten statt auf Europas Umgang mit Trump.
Der Artikel beschreibt die angekündigten Diesel-Lieferungen und den politischen Streit darüber. Damit ergänzt er den in der Meldung genannten Russland-Komplex um die konkrete Umsetzung des Deals und den Widerstand aus den Reihen der Republikaner.
Beide Beiträge greifen Scaramuccis Kritik an Trumps Russlandkurs auf, beleuchten aber unterschiedliche Ebenen: persönliche Warnungen vor Treffen und die praktische sowie politische Bedeutung des Diesel-Geschäfts.
