Donald Trump, Wolodymyr Selenskyj

Trump fordert neuen Präsidenten für die Ukraine

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 10:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

US-Präsident Donald Trump verlangt einen neuen ukrainischen Präsidenten und wirft Wolodymyr Selenskyj vor, ein Kriegsende verhindert zu haben. Kiew weist die Forderung zurück, während Russland die Hauptstadt erneut beschießt.

Die ukrainische Regierung stellt sich hinter Selenskyj. Zuvor hatte Trump einen neuen Präsidenten gefordert. (Archivild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Die ukrainische Regierung stellt sich hinter Selenskyj. Zuvor hatte Trump einen neuen Präsidenten gefordert. (Archivild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Selenskyj erhält Rückhalt aus Kiew

  • Außenminister Andrij Sybiha weist Trumps Forderung nach einem neuen Präsidenten für die Ukraine zurück.
  • Sybiha schrieb am Samstagabend auf X, das ukrainische Volk unterstütze Selenskyj und habe das Recht, selbst zu entscheiden.
  • Bei russischem Beschuss Kiews wurden nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko acht Menschen verletzt, darunter eine 15-Jährige.

Die ukrainische Regierung stellt sich gegen die Forderung von US-Präsident Donald Trump, Wolodymyr Selenskyj durch einen neuen Präsidenten zu ersetzen.

Sybiha verweist auf Entscheidungsrecht

Außenminister Andrij Sybiha schrieb am Samstagabend auf der Plattform X, Selenskyj genieße die Unterstützung des ukrainischen Volkes. Dieses habe das Recht, selbst über seine Führung zu entscheiden.

Äußerungen aus dem Ausland bestätigten nach Sybihas Darstellung, dass Selenskyj seine Aufgabe gut erfülle und Unterstützung verdiene.

Beschuss trifft Kiew

Während des politischen Streits beschoss Russland die ukrainische Hauptstadt erneut. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete am Abend über Telegram acht Verletzte, darunter ein 15-jähriges Mädchen.

Trump fordert neuen Präsidenten

Trump hatte am Samstag erklärt, die Ukraine solle sich einen neuen Anführer suchen, der eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges schließen könne. Selenskyj habe mehrfach die Gelegenheit dazu gehabt, diese aber nicht genutzt, behauptete der US-Präsident.

„Ich glaube, es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt“, sagte Trump. Später fügte er hinzu, Selenskyj solle Wahlen abhalten.

Wahl während des Kriegs nicht möglich

Ein Wechsel an der Staatsspitze ist derzeit nicht möglich, weil die ukrainische Verfassung eine Wahl während des Kriegs ausschließt. Selenskyj hatte sich wiederholt zu direkten Gesprächen mit Kremlchef Wladimir Putin bereit erklärt, Einladungen nach Moskau jedoch abgelehnt.

Trump warf Selenskyj außerdem vor, mit Angriffen auf den russischen Energiesektor zur weltweiten Dieselknappheit beigetragen zu haben. Er forderte ihn auf, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen.

Streit über Diesel-Deal

Am Freitag hatte Trump nach einem Telefonat mit Putin einen Diesel-Deal mit Russland verkündet. In den kommenden Monaten sollen Hunderttausende Tonnen Diesel aus Russland geliefert werden.

Selenskyj kritisierte die Vereinbarung als Investition in den Krieg gegen die Ukraine. Trump stellte Russland zugleich als bereit für ein Abkommen dar und erklärte, Putin wolle dringend eine Vereinbarung treffen.

Verhältnis erneut belastet

Das Verhältnis zwischen Trump und Selenskyj war bereits im Februar 2025 öffentlich zerbrochen. Nach einer späteren Annäherung und der Unterzeichnung eines Rohstoffabkommens belastet die Forderung nach einem Führungswechsel die Beziehungen nun erneut.

Politischer Druck aus Washington

Trumps Forderung nach einem neuen ukrainischen Präsidenten verschärft den Konflikt zwischen Washington und Kiew erheblich. Sie fällt unmittelbar nach der von ihm angekündigten Dieselvereinbarung mit Russland und verbindet Energiepolitik mit der Frage, unter welchen Bedingungen der Krieg beendet werden soll.

Für die Ukraine ist entscheidend, dass ein Machtwechsel während des Kriegsrechts verfassungsrechtlich nicht vorgesehen ist. Damit kann Selenskyj nicht einfach durch eine kurzfristig angesetzte Wahl ersetzt werden. Die Entscheidung über die politische Führung bleibt zudem eine ukrainische Angelegenheit.

Verhandlungen und militärischer Druck

Parallel zu Trumps Vorwürfen laufen Kontakte zwischen US-amerikanischen und ukrainischen Unterhändlern. Der Streit über mögliche Friedensbedingungen wird jedoch von fortgesetzten russischen Angriffen auf ukrainische Städte überschattet. Der Beschuss Kiews zeigt, dass die diplomatische Auseinandersetzung nicht von der militärischen Realität getrennt werden kann.

Für Europa erhöht der Vorgang den Druck, die eigene Unterstützung für die Ukraine politisch und sicherheitspolitisch einzuordnen. Sollte Washington seine Haltung weiter verschärfen, könnten europäische Staaten stärker gefordert sein, Garantien, Hilfe und Sanktionen eigenständig abzustimmen. Offen bleibt, ob Trumps öffentliche Forderung taktischer Druck für Verhandlungen bleibt oder die Zusammenarbeit mit Kiew dauerhaft belastet.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Trump fordert nach Dieseldeal mit Putin Selenskyjs Ablösung“ (10.10.2026)

Der Bericht ordne Trumps Forderung in den angekündigten Diesel-Deal mit Russland ein und hebe hervor, dass der Krieg von Russland begonnen worden sei. Anders als die dpa-Meldung stelle er zusätzlich die Energiepreise, die geplanten Liefermengen und die europäische Unterstützung für die Ukraine ausführlich dar.

n-tv: „Eskalation im Diesel-Streit: Trump: Ukraine sollte sich neuen Präsidenten suchen“ (10.10.2026)

Der Artikel bestätige Trumps Forderung und die Kritik Selenskyjs am Diesel-Abkommen. Er setze einen anderen Schwerpunkt, indem er Trumps Darstellung zu den Energiepreisen zurückweise und die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Trump und Selenskyj seit dem Zerwürfnis im Februar 2025 nachzeichne.

Beide Berichte bestätigten den politischen Konflikt und die Verbindung zum Diesel-Deal. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung von Energiepreisen, Sanktionen und der europäischen Reaktion; die weitere Entwicklung der US-Unterstützung und der Verhandlungen bleibe offen.

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