Treffen im Oman: Iran und Golfstaaten beraten über neue Routen durch die Straße von Hormus
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 14:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIm anhaltenden Konflikt um die Straße von Hormus soll ein Treffen im Oman nach iranischen Angaben den Weg zu einem Abkommen über neue Schiffsrouten in der Meerenge ebnen.
Abkommen über neue Routen geplant
Irans Präsident Massud Peseschkian kündigte an, dass der Iran und der Oman am Montag in der Hauptstadt Maskat eine Vereinbarung zu alternativen Schiffsrouten in der Straße von Hormus unterzeichnen wollen. Zu dem Treffen sind den Angaben zufolge auch die arabischen Golf-Anrainerstaaten eingeladen, um über Details informiert zu werden. Bahrain will die Zusammenkunft hingegen boykottieren.
Keine rasche Öffnung für internationale Schifffahrt
Mit einer schnellen Öffnung der Meerenge für die internationale Schifffahrt wird nicht gerechnet. Nach Angaben aus Teheran knüpft der Iran dies an Bedingungen gegenüber den USA, insbesondere an ein Ende der US-Seeblockade und militärischer Handlungen der US-Armee. Zugleich könnte das regionale Format des Treffens dem geplanten Abkommen politisches Gewicht verleihen und eine mögliche Verständigung zwischen Teheran und Washington begünstigen.
Informationen und Karten für die Teilnehmer
Die Teilnehmer sollen nach iranischen Angaben ausführlich über die Inhalte der Vereinbarung informiert werden und Karten zu den neuen Routen erhalten. Das Abkommen soll nach Peseschkian zudem der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation übergeben werden, um die geplanten Verkehrswege in die internationalen Verfahren einzubinden.
Gefährliche Lage rund um die Meerenge
Die Situation in der Region blieb am Wochenende angespannt. Bei einem Angriff auf ein iranisches Containerschiff wurde nach Behördenangaben ein Mann getötet und vier weitere Besatzungsmitglieder verletzt. Die britische Behörde UKMTO meldete, an Bord eines Schiffes sei ein Feuer ausgebrochen. Rund um die Straße von Hormus greift das US-Militär inzwischen auch zivile iranische Schiffe an.
US-Doktrin „Tanker für Tanker“
US-Präsident Donald Trump ordnete als Reaktion auf iranische Raketenangriffe auf Handelsschiffe eine neue „Tanker für Tanker“-Doktrin an. Damit werden Angriffe auf iranische Tanker als Vergeltungsmaßnahme für Übergriffe auf andere Handelsschiffe begründet. Nach mehr als einem halben Jahr Krieg ist der Streit um den Seeweg ungeklärt.
Auswirkungen auf Energiemärkte
Die Blockade der Straße von Hormus belastet die Weltwirtschaft und die Energiemärkte spürbar. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Referenzsorte Brent stieg zuletzt auf fast 110 US-Dollar, nachdem er im Februar vor Kriegsbeginn noch bei etwa 70 Dollar gelegen hatte. Die Golfstaaten können ihre Ölexporte nur noch mit Mühe und in deutlich geringeren Mengen an den Weltmarkt bringen.
Saudische Ausweichroute stillgelegt
Saudi-Arabien hatte sein Öl über eine Pipeline zum Roten Meer geleitet, um die Straße von Hormus zu umgehen. Diese Ost-West-Pipeline wurde nach Drohnenangriffen aus dem Irak vorsorglich stillgelegt. Die rund 1.200 Kilometer lange Leitung mit einer Kapazität von etwa sieben Millionen Barrel pro Tag galt als zentrale Lebensader für die saudischen Exporte im Krieg.
Druck auf Route über Bab al-Mandab
Selbst bei einer Wiederaufnahme des Betriebs bleibt der saudische Öltransport über die Meerenge Bab al-Mandab wegen des Vormarschs der Huthi-Miliz im Jemen unter Druck. Die Miliz kontrolliert inzwischen die gesamte Westküste des Landes am Roten Meer und kann damit den Schiffsverkehr dort erheblich beeinflussen.
Kämpfe im Jemen
Im Jemen herrschte nach dem Vormarsch der Iran-treuen Huthi-Miliz eine angespannte Ruhe. Militärkreisen zufolge kam es erneut zu Angriffen der Regierungstruppen auf Ziele der Huthi im Raum von Tais. Die Huthi erklärten wiederum, sie hätten Waffenlager und Kommandozentren in Saudi-Arabien angegriffen. Saudi-Arabien unterstützt seit mehr als zehn Jahren die international anerkannte Regierung im Kampf gegen die Miliz.
Humanitäre Krise und Fluchtbewegungen
Der bereits seit Jahren andauernde Bürgerkrieg hat das ohnehin verarmte Land weiter destabilisiert. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2021 wurden mehr als 150.000 Menschen durch Kämpfe getötet, weitere 220.000 starben an indirekten Folgen wie Hunger und Krankheiten. Rund 22 Millionen Menschen sind im Jemen auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Neue Flüchtlinge am Horn von Afrika
Die fortgesetzten Kämpfe und Angriffe führen zu neuen Fluchtbewegungen. Innerhalb von 24 Stunden seien 1.400 Flüchtlinge im benachbarten Dschibuti angekommen, teilte Außenminister Ilyas Dawalh auf der Plattform X mit. Dschibuti liegt am Horn von Afrika auf der gegenüberliegenden Seite der Meerenge Bab al-Mandab.
Huthi-Angriffe auf Schiffe im Roten Meer
Von ihren neuen Positionen an der jemenitischen Westküste aus können die Huthi Handels- und andere Schiffe im Roten Meer gezielter angreifen oder stören als zuvor. In den vergangenen Jahren griffen sie dort mehrfach Schiffe an, versenkten oder kaperten diese. Ein Sprecher der Miliz erklärte, die Sicherheit der Schifffahrt sei gewährleistet – mit Ausnahme saudischer Schiffe.
Militäreinsätze zum Schutz der Schifffahrt
Als Reaktion auf die Angriffe seit 2023 wurden die EU-geführte Mission Aspides und der US-geführte Einsatz Prosperity Guardian ins Leben gerufen. Die Einsätze sollen die Schifffahrt im Roten Meer und den angrenzenden Gewässern schützen. Trotz der Präsenz internationaler Marineverbände hielten die Angriffe der Huthi jedoch an.
Strategische Bedeutung der Straße von Hormus
Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Engpässen des weltweiten Energiehandels. Durch die Meerenge werden in Friedenszeiten erheblich große Mengen des global gehandelten Rohöls und Flüssiggases transportiert. Die seit Kriegsbeginn bestehende faktische Blockade verändert die Schifffahrtsrouten und führt zu höheren Transportkosten, Versicherungsprämien und Risiken für Reedereien. Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa schlagen diese Entwicklungen über steigende Energiepreise und eine erhöhte Volatilität an den Märkten durch.
Regionale Konfliktlinien und Rolle des Oman
Das Treffen in Maskat zeigt, dass der Oman sich erneut als Vermittler in regionalen Konflikten positioniert. Der geplante Abschluss eines Abkommens über neue Schiffsrouten unter Beteiligung des Iran und der Golfstaaten zielt darauf, den Konflikt um die Seewege zu entschärfen, ohne die zentralen politischen Streitfragen unmittelbar zu lösen. Die geforderten Bedingungen Teherans gegenüber den USA unterstreichen, dass militärische Fragen und Sanktionen eng mit der Sicherheit der Handelswege verknüpft sind. Zugleich markieren die Angriffe auf iranische Schiffe und die US-Doktrin „Tanker für Tanker“ eine gefährliche Eskalationsspirale, in der zivile Schiffe zunehmend in militärische Auseinandersetzungen geraten.
Saudi-Arabien, Bab al-Mandab und der Jemen-Krieg
Die Stilllegung der saudischen Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriffen aus dem Irak sowie der Druck auf die Route über Bab al-Mandab verdeutlichen, wie verwundbar Alternativen zur Straße von Hormus sind. Die Huthi-Miliz kontrolliert große Teile der jemenitischen Westküste und kann so den Schiffsverkehr im Roten Meer beeinflussen. Der seit mehr als zehn Jahren andauernde Krieg im Jemen mit hunderttausenden Toten und Millionen Hilfsbedürftigen ist damit nicht nur eine humanitäre Katastrophe, sondern auch ein zentraler Sicherheitsfaktor für globale Lieferketten. Für Europa und Deutschland bedeutet dies, dass energiepolitische und außenpolitische Entscheidungen zunehmend von der Stabilität dieser Seewege abhängig sind.
