Transatlantischer Streit: Trump droht EU wegen geplanter Kanada-Partnerschaft
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 10:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
US-Präsident Donald Trump hat der Europäischen Union mit hohen Zöllen und Einschränkungen im Handel gedroht, nachdem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgeschlagen hatte, Kanada zum ersten assoziierten Mitglied der Union zu machen.
Trump reagiert mit deutlicher Warnung
Trump bezeichnete den Vorstoß als „lächerlich" und sprach davon, er könne ihn als „feindseligen Akt" empfinden. In diesem Fall würden die USA sehr hohe Zölle gegen Europa verhängen oder den Handel mit Europa in vielen Bereichen einstellen, sagte er vor Reportern. Zugleich erklärte er, es sei in Ordnung, falls die Absicht hinter dem Vorschlag gut sei, ohne zu erläutern, woran er diese Absicht messen würde.
Über Kanada sagte Trump, das Nachbarland sei zuletzt ein „schrecklicher Handelspartner" gewesen. Die USA und Kanada befinden sich nach Angaben aus Washington derzeit in einem festgefahrenen Handelsstreit, der zuletzt wieder eskaliert war.
EU-Kommission betont partnerschaftlichen Ansatz
Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte am Donnerstag, die von von der Leyen vorgeschlagene Stärkung der Partnerschaft mit Kanada richte sich gegen niemanden. Ziel sei es vielmehr, die gemeinsame Stärke zu fördern. Man betone damit, dass eine vertiefte Zusammenarbeit mit Kanada nicht als Signal gegen die USA oder andere Partner verstanden werden solle.
Von der Leyen hatte den Vorstoß am Mittwoch in ihrer Rede zur Lage der Union präsentiert. Sie warb dafür, Kanada zum ersten assoziierten Mitglied der Europäischen Union zu machen und damit die bestehende Partnerschaft auf eine neue Stufe zu heben.
Kanada reagiert positiv auf den EU-Vorschlag
Kanadas Premierminister Mark Carney begrüßte den Vorschlag zu einem „weitaus stärkeren, ehrgeizigeren Bündnis in der Zukunft". In seiner Stellungnahme erwähnte er eine assoziierte Mitgliedschaft jedoch nicht ausdrücklich, sondern stellte die Aussicht auf engere Zusammenarbeit in den Vordergrund.
Als konkrete Felder für eine intensivere Kooperation nannte von der Leyen Technologiefragen, die Produktion von Rüstungsgütern, die Entwicklung Künstlicher Intelligenz sowie die Arktispolitik. Wie eine assoziierte Mitgliedschaft Kanadas im Detail ausgestaltet werden soll, ließ sie zunächst offen.
Rechtliche und handelspolitische Rahmenbedingungen
Eine reguläre EU-Mitgliedschaft Kanadas ist nach den geltenden Verträgen nicht möglich. Artikel 49 des EU-Vertrags sieht vor, dass nur europäische Staaten der Union beitreten können. Das Konzept der assoziierten Mitgliedschaft wäre daher ein neuer, speziell zugeschnittener Rahmen für einen Nicht-EU-Staat.
Zwischen den USA und der EU besteht seit mehr als einem Jahr ein Zollabkommen, das einen früheren Konflikt entschärft hat. Parallel dazu bleibt der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada ungelöst. Vor diesem Hintergrund könnte eine vertiefte EU-Kanada-Partnerschaft zusätzliche Spannungen mit Washington auslösen, falls die USA darin einen Nachteil für ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen sehen.
Neue Spannungen im transatlantischen Verhältnis
Die deutliche Warnung von US-Präsident Donald Trump an die Europäische Union fällt in eine Phase, in der Handels- und Sicherheitsfragen zwischen den USA, der EU und Kanada ohnehin sensibel sind. Drohungen mit hohen Zöllen oder einer teilweisen Einstellung des Handels mit Europa setzen die traditionell enge transatlantische Partnerschaft unter Druck und erhöhen die Unsicherheit für Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks.
Von der Leyens Kanada-Vorstoß als strategische Weichenstellung
Der Vorstoß von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Kanada zum ersten assoziierten Mitglied der EU zu machen, markiert einen möglichen Paradigmenwechsel in der europäischen Außen- und Wirtschaftspolitik. Eine solche Sonderpartnerschaft würde zwar keine EU-Mitgliedschaft Kanadas bedeuten, könnte aber die Zusammenarbeit bei Technologie, Rüstungsproduktion, Künstlicher Intelligenz und Arktispolitik deutlich vertiefen. Für europäische und kanadische Unternehmen entstünden zusätzliche Chancen, etwa durch gemeinsame Forschungsprojekte und abgestimmte Sicherheitsstandards.
Folgen für Handel, Sicherheit und Leser in Europa
Für Bürger und Unternehmen in Europa ist die Entwicklung gleich in mehrfacher Hinsicht relevant. Einerseits könnten neue US-Zölle bestimmte Exportbranchen empfindlich treffen und Preise für Importwaren erhöhen. Andererseits würde eine engere Partnerschaft mit Kanada den europäischen Handlungsspielraum gegenüber den USA erweitern und die Versorgung mit strategischen Rohstoffen sowie sicherheitsrelevanter Technologie stärken. Zugleich bleibt offen, wie sich der festgefahrene US-Handelsstreit mit Kanada und der bestehende Zollkompromiss zwischen den USA und der EU auf mögliche Verhandlungen über eine assoziierte Mitgliedschaft auswirken. Die EU dürfte bemüht sein, ihren Kurs so zu gestalten, dass zusätzliche Spannungen mit Washington vermieden werden.
