Grönland-Abkommen, US-Außenpolitik

Strategisches Grönland-Abkommen: USA, Dänemark und Inselregierung wollen Deal am Dienstag unterzeichnen

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 20:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die USA, Dänemark und Grönland wollen an diesem Dienstag ihr neues Abkommen über die strategisch wichtige Arktisinsel offiziell unterzeichnen. US-Präsident Donald Trump kündigte ein Treffen mit der dänischen Regierungschefin Mette Frederiksen und dem grönländischen Regierungschef Jens-Frederik Nielsen am Rande der UN-Generalversammlung an.

  • Der US-Präsident drohte mehrfach mit der Annexion Grönlands. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
    Der US-Präsident drohte mehrfach mit der Annexion Grönlands. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
  • Der Streit um Grönland sorgte für große Spannungen. (Archivbild) - Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa
    Der Streit um Grönland sorgte für große Spannungen. (Archivbild) - Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa
Der US-Präsident drohte mehrfach mit der Annexion Grönlands. (Archivbild) - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa Der Streit um Grönland sorgte für große Spannungen. (Archivbild) - Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Die USA, Dänemark und Grönland wollen nach US-Angaben an diesem Dienstag ein Abkommen im Streit um die strategisch bedeutsame Arktisinsel Grönland unterzeichnen.

Trump plant Unterzeichnung bei UN-Treffen

US-Präsident Donald Trump wird sich dafür nach Angaben eines Beamten aus dem Weißen Haus mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und dem grönländischen Regierungschef Jens-Frederik Nielsen treffen. Bei dem Treffen sollen sie ihr neues Abkommen formalisieren, das die Sicherheit Grönlands sowie der USA gewährleisten und verteidigen soll. Der Beamte nannte weder eine Uhrzeit noch einen konkreten Ort für die Unterzeichnung.

Es wird erwartet, dass das Abkommen am Rande der UN-Generaldebatte in New York unterzeichnet wird. Trump hält dort am Dienstagvormittag (Ortszeit) eine Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Das Treffen mit Frederiksen und Nielsen soll nach diesen Angaben in diesem Zusammenhang stattfinden.

Unklarheiten über genaue Inhalte der Vereinbarung

Bereits vor wenigen Tagen hatten die USA, Dänemark und Grönland überraschend einen Durchbruch im Streit um die Insel verkündet. Welche konkreten Regelungen das Abkommen enthält, blieb zunächst offen. Trump zufolge sichern sich die USA mit der Vereinbarung weitreichende Befugnisse und Kontrolle über die Arktisinsel, die zwar weitgehend autonom ist, aber zum dänischen Hoheitsgebiet gehört.

Die Regierungen in Kopenhagen und Nuuk haben diese Darstellung in dieser Form bislang nicht bestätigt. Sie betonen, dass Grönland Teil des Königreichs Dänemark bleibt und die Autonomie der Insel gewahrt werden soll. Details zur praktischen Umsetzung der Vereinbarung und zu möglichen parlamentarischen Verfahren in Dänemark und Grönland stehen noch aus.

Langer Konflikt um US-Einfluss auf Grönland

Trump hatte in der Vergangenheit mehrfach mit der Annexion Grönlands gedroht und damit in Dänemark und innerhalb der NATO für Irritationen gesorgt. Seine Äußerungen hatten Zweifel an der Geschlossenheit der Militärallianz und an der gegenseitigen Bündnistreue ausgelöst. Zugleich verwies Trump immer wieder auf die besondere strategische Lage Grönlands im Nordatlantik.

Der US-Präsident begründete seine Vorstöße mit Sicherheitsinteressen der USA. Er verwies darauf, dass Rivalen wie China und Russland versuchten, ihren Einfluss in der Arktis auszubauen, und warf Dänemark vor, dem nichts entgegensetzen zu können. Mit dem nun geplanten Abkommen will Washington nach eigenem Verständnis seine Rolle auf der Insel langfristig absichern und verbündete Strukturen in der Region stärken.

Strategische Bedeutung Grönlands für die USA

Grönland ist für die USA seit Jahrzehnten ein zentraler Baustein ihrer Sicherheitsarchitektur in der Arktis. Die Insel liegt zwischen Nordamerika und Europa und kontrolliert Zugänge zum Nordatlantik sowie Routen, die für U-Boot- und Luftüberwachung entscheidend sind. Bereits seit dem Kalten Krieg betreiben die USA dort wichtige Einrichtungen, darunter die heutige Pituffik Space Base, von der aus Raketenfrühwarn- und Weltraumüberwachungssysteme gesteuert werden. Das nun anstehende Abkommen zielt darauf, diese Rolle in einer Phase wachsender Spannungen mit Russland und China langfristig abzusichern.

Neue Machtbalance zwischen Washington, Kopenhagen und Nuuk

Die Einigung knüpft an das Verteidigungsabkommen von 1951 an, geht aber nach den bisherigen politischen Aussagen inhaltlich deutlich darüber hinaus. Während Donald Trump betont, das Abkommen verschaffe den USA weitreichende Befugnisse und eine dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit Grönlands, legen Dänemark und die grönländische Regierung Wert auf die Feststellung, dass Souveränität und Selbstbestimmungsrechte gewahrt bleiben. Politisch bedeutet dies eine sensible Neujustierung: Einerseits soll Washington militärisch freier agieren können, andererseits wollen Kopenhagen und Nuuk verhindern, dass der Eindruck einer faktischen Annexion entsteht.

Folgen für Arktis-Sicherheit und europäische Partner

Für die NATO-Partner in Europa steht die Vereinbarung in einem größeren sicherheitspolitischen Kontext. Die Arktis gilt als eine der am schnellsten militarisierten Regionen, in der Russland seine Präsenz ausbaut und China verstärkt wirtschaftliche und wissenschaftliche Interessen anmeldet. Das Abkommen könnte die Abschreckungs- und Überwachungsfähigkeit des Bündnisses stärken, birgt aber auch Konfliktstoff, falls die US-Interpretation der Befugnisse über Grönland weiter geht als die dänische und grönländische Lesart. Für Grönland selbst stellt sich langfristig die Frage, wie es seine Autonomie und möglichen Unabhängigkeitsbestrebungen mit einer noch engeren sicherheitspolitischen Bindung an die USA in Einklang bringt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „Dänemark und USA verkünden Einigung im Grönland-Streit“ (19.09.2026)

Der Beitrag hebt hervor, die USA, Dänemark und Grönland hätten einen Durchbruch im Streit um die Arktisinsel erzielt und wollten das Abkommen im Rahmen der UN-Generalversammlung unterzeichnen. Es werde berichtet, Trump stelle das Abkommen als bereits geschlossenen Deal mit dauerhafter Kontrolle der USA über die Sicherheit Grönlands dar, während Kopenhagen betone, dass der Vertrag noch parlamentarische Verfahren durchlaufen müsse. Die Darstellung unterstreiche damit die Spannbreite zwischen US-Rhetorik und dem eher vorsichtigen Vorgehen der dänischen und grönländischen Seite.

Spiegel: „Grönland-Streit: Dänemark und USA verkünden Einigung“ (19.09.2026)

Der Bericht stellt in den Vordergrund, dass die Vereinbarung den USA nach Darstellung Trumps eine „dauerhafte Kontrolle“ über die Sicherheit der Insel verschaffe und Gegnern der USA eine militärische Präsenz in Grönland untersagt werde. Zugleich werde betont, Dänemark gehe von einer Unterzeichnung bei der UN-Generalversammlung aus und verweise auf anschließende parlamentarische Prozesse. Der Artikel setze damit einen Schwerpunkt auf die weitreichenden US-Ansprüche und die Frage, wie diese mit der dänischen Souveränität und grönländischer Selbstbestimmung vereinbar seien.

BR.de: „USA, Dänemark und Grönland stellen Einigung unterschiedlich dar“ (19.09.2026)

Der Beitrag betont, die Beteiligten schilderten die Einigung deutlich unterschiedlich: Trump sehe den USA dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit Grönlands eingeräumt, während Dänemark und Grönland hervorhoben, die Souveränität der Insel bleibe unangetastet. Zudem werde hervorgehoben, dass unklar sei, ab wann das Abkommen gelten solle, da es nach dänischer Darstellung zunächst den Parlamenten vorgelegt werden müsse. Der Bericht richte den Blick damit vor allem auf die Divergenzen in Darstellung und Zeitplan des Abkommens.

Medienübergreifend werde übereinstimmend berichtet, dass ein politischer Durchbruch erzielt sei und die Unterzeichnung im Umfeld der UN-Generalversammlung stattfinden solle. Unterschiede ergäben sich vor allem in der Bewertung der von Trump reklamierten Befugnisse und der Frage, wie stark Souveränitätsfragen und parlamentarische Verfahren betont werden.

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