Straße von Hormus: Iran legt USA Sieben-Tage-Plan für Öffnung vor
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 10:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIran hat den USA über Katar einen Sieben-Tage-Plan für die Wiederöffnung der Straße von Hormus übermittelt und sieht nun Washington am Zug.
Vorschlag über Katar übermittelt
Außenminister Abbas Araghtschi sagte in New York vor Journalisten, Teheran habe den Plan an die US-Regierung weitergegeben. Die USA könnten ihn akzeptieren; am Ende werde die Meerenge dann geöffnet sein. Nach seinen Angaben umfasst der Vorschlag zunächst bestimmte Verpflichtungen der Vereinigten Staaten.
Diese Verpflichtungen seien bereits in einem Rahmenabkommen vom Juni festgelegt worden. Der Iran gehe davon aus, dass sie innerhalb von vier oder fünf Tagen umgesetzt werden könnten. Anschließend könne die Straße von Hormus wieder geöffnet werden.
Bericht über Trumps Haltung
Ein US-Beamter erklärte zunächst, Washington habe es nicht eilig und führe über Vermittler positive und konstruktive Gespräche mit dem Iran. Das Wall Street Journal berichtete später unter Berufung auf nicht namentlich genannte US-Beamte, Donald Trump lehne den iranischen Vorstoß ab.
Demnach habe der US-Präsident seinen Beratern gesagt, er rechne damit, die Luftangriffe auf Ziele im Iran nach den US-Parlamentswahlen Anfang November wieder aufzunehmen. Trump hat dem Iran mehrfach mit massiven Angriffen gedroht, diese Drohungen bislang aber nicht umgesetzt.
Symbolischer Druck auf die Meerenge
Trump veröffentlichte zudem auf seiner Plattform Truth Social eine Kartengrafik, auf der die Straße von Hormus eingekreist ist. Darunter steht: „Trump-Meerenge“.
Das Rahmenabkommen vom Juni sollte die Öffnung der für den Export von Öl und Flüssiggas wichtigen Meerenge ermöglichen. Angesichts fortdauernder gegenseitiger Angriffe zerfiel die Vereinbarung jedoch schnell.
Gespräche über Atomprogramm geplant
Nach Darstellung Araghtschis soll am Ende des Sieben-Tage-Plans der Beginn von Gesprächen mit den USA über ein endgültiges Abkommen stehen. Eine solche Vereinbarung müsste auch den Umgang mit dem umstrittenen iranischen Atomprogramm regeln.
Teheran hatte in der Vergangenheit für eine Öffnung der Straße von Hormus unter anderem die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte, ein Ende des Krieges an allen Fronten sowie die Aufhebung der US-Blockade iranischer Häfen und Schiffe verlangt. Zudem forderte die Islamische Republik, dass sich Washington nicht in die inneren Angelegenheiten des Landes einmischt.
Strategischer Engpass für Energie und Handel
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und zählt zu den wichtigsten Seewegen der Welt. Durch die Meerenge werden große Mengen von Rohöl und Flüssiggas transportiert. Eine länger anhaltende Einschränkung wirkt sich deshalb nicht nur auf die Konfliktparteien, sondern auch auf Energiepreise, Versicherungen und Lieferketten aus.
Der nun in Aussicht gestellte Sieben-Tage-Plan verknüpft die praktische Frage der Schifffahrt mit den zentralen politischen Streitpunkten zwischen Washington und Teheran. Dazu gehören Sanktionen, eingefrorene Vermögenswerte, der Zugang zu iranischen Häfen und der Umgang mit dem Atomprogramm. Dass die Umsetzung nach iranischer Darstellung an Bedingungen und anschließend an Gespräche über ein umfassenderes Abkommen gekoppelt wäre, zeigt den begrenzten Charakter einer möglichen Öffnung.
Folgen für Märkte und Diplomatie
Eine tatsächliche Freigabe könnte den Druck auf die Energiemärkte verringern und den internationalen Handel über die Golfregion erleichtern. Sie würde jedoch nicht automatisch einen dauerhaften Frieden schaffen. Solange militärische Angriffe, Sanktionen und die Nuklearfrage ungelöst bleiben, bliebe die Schifffahrt politisch und sicherheitspolitisch verwundbar. Für Verbraucher in Europa wären sinkende Rohölpreise eine mögliche Folge, an den Tankstellen kämen Veränderungen aber meist zeitverzögert und nicht vollständig an.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Bericht: Iran legt US-Regierung neuen Plan für Kriegsende vor“ (25.09.2026)
Der Bericht bestätige den über Vermittler übermittelten Sieben-Tage-Plan und hebe hervor, dass die konkreten Bedingungen offen geblieben seien. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt zusätzlich auf die festgefahrenen Verhandlungen, den Druck durch eingeschränkte Schifffahrt und die iranische Atomfrage.
Frankfurter Rundschau: „Iran bietet USA überraschenden Öl-Deal: Fällt jetzt der Benzinpreis in Deutschland?“ (25.09.2026)
Der Artikel bestätige ebenfalls den iranischen Vorschlag und stelle dessen mögliche Auswirkungen auf Rohölpreise, Energieversorgung und deutsche Verbraucher in den Mittelpunkt. Er betone zudem, dass die Bedingungen nicht konkret benannt seien, während die dpa-Meldung stärker die politischen Forderungen Teherans und die geplanten Gespräche über ein Atomabkommen herausstelle.
Beide Berichte beschrieben die Öffnung der Meerenge als an politische Bedingungen geknüpft und verwiesen auf indirekte Kontakte. Offen bleibe, ob Washington den Vorschlag annehme und ob daraus tatsächlich eine dauerhafte Vereinbarung über Schifffahrt, Krieg und Atomprogramm entstehen könne.
