Steuerpolitik, Donald Trump

Steuerpolitik: Trump kostet Deutschland 23 Milliarden Euro

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 02:16 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Eine Studie des Tax Justice Network beziffert die deutschen Mindereinnahmen durch die US-Steuerpolitik auf mehr als 23 Milliarden Euro. Besonders stark betroffen sind die Kommunen, während zugleich der Streit über Ausnahmen bei der globalen Mindeststeuer anhält.

Verteilung der deutschen Steuerausfälle

  • Die Studie beziffert Deutschlands entgangene Steuereinnahmen zwischen 2016 und 2023 auf mehr als 23 Milliarden Euro.
  • Den Kommunen werden 9,8 Milliarden Euro, dem Bund 6,9 Milliarden Euro und den Ländern 6,7 Milliarden Euro zugerechnet.
  • US-Konzerne verlagerten laut Studie 327 Milliarden Euro an Gewinnen aus EU-Staaten in die USA.
Donald Trump (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Deutsche Haushalte verlieren Milliarden durch US-Steuerpolitik

Donald Trumps Steuerpolitik hat Deutschland zwischen 2016 und 2023 mehr als 23 Milliarden Euro an Steuereinnahmen gekostet. Damit verzeichnete Deutschland laut einer Studie des Tax Justice Network im Auftrag des EU-Linksfraktionschefs Martin Schirdewan die höchsten Ausfälle unter den EU-Staaten.

Kommunen tragen größten Anteil

In Deutschland entgingen vor allem den Kommunen 9,8 Milliarden Euro. Auf den Bund entfielen 6,9 Milliarden Euro und auf die Länder 6,7 Milliarden Euro.

Die US-Regierung hatte die Unternehmenssteuern gesenkt und Anreize für US-Konzerne geschaffen, Gewinne in den USA statt in Europa auszuweisen. Nach Angaben der Studie verlagerten US-Konzerne zwischen 2016 und 2023 Gewinne von insgesamt 327 Milliarden Euro aus den EU-Staaten, in denen sie erwirtschaftet wurden.

Europa verliert Einnahmen

Den öffentlichen Haushalten in Europa entgingen dadurch mindestens 86,4 Milliarden Euro. Zugleich seien die Steuereinnahmen in den USA nicht gestiegen: US-Konzerne wiesen 2024 zwar doppelt so viel Gewinn in den USA aus wie 2016, zahlten insgesamt aber weniger Steuern als damals.

Schirdewan kritisiert EU und Bundesregierung

Schirdewan warf Trump vor, die USA systematisch zum Niedrigsteuerstandort für große Technologiekonzerne und Milliardäre umzubauen. Aus „America First“ werde „Big Tech First“ und „Americans Last“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Der EU-Linksfraktionschef forderte, Konzerne dort zu besteuern, wo sie ihre Gewinne erwirtschaften. Zugleich kritisierte er EU-Kommission und Bundesregierung, weil sie US-Konzernen bei der globalen Mindeststeuer aus seiner Sicht eine Sonderbehandlung gewährten.

Side-by-Side-Abkommen im Mittelpunkt

Hintergrund ist das sogenannte Side-by-Side-Abkommen von Januar 2026. Es sieht vor, dass US-Unternehmen Steuern in Höhe der globalen Mindeststeuer von 15 Prozent auch in den USA zahlen können.

Der Studie zufolge liegt der Steuersatz bei fast jedem dritten US-Unternehmen dennoch unterhalb von 15 Prozent.

Die Studie ordnet die deutschen Steuerausfälle in den weltweiten Wettbewerb um die Gewinne großer US-Konzerne ein. Im Mittelpunkt steht die Verlagerung von ausgewiesenen Gewinnen in die USA, nachdem dort die Unternehmensbesteuerung gesenkt und die Ansiedlung steuerlich attraktiver gestaltet wurde.

Für Deutschland ist die Verteilung der genannten Ausfälle politisch besonders relevant: Mit 9,8 Milliarden Euro entfällt der größte Anteil auf die Kommunen. Das berührt unmittelbar die Finanzierung kommunaler Aufgaben, während Bund und Länder ebenfalls erhebliche Mindereinnahmen hinnehmen mussten.

Globale Mindeststeuer bleibt Streitpunkt

Die Debatte knüpft an die globale Mindeststeuer von 15 Prozent und das im Januar 2026 geschlossene Side-by-Side-Abkommen an. Der Studie zufolge liegt der effektive Steuersatz bei fast jedem dritten US-Unternehmen darunter. Damit verschiebt sich der Konflikt von der grundsätzlichen Einführung einer Mindeststeuer auf deren konkrete Ausnahmen, Berechnung und Durchsetzung.

Für die öffentlichen Haushalte entscheidet sich daran, ob Gewinne dort besteuert werden, wo wirtschaftliche Aktivitäten stattfinden, oder dort, wohin Konzerne sie steuerlich verlagern. Deutschland und andere EU-Staaten stehen deshalb vor einem Zielkonflikt: Sie wollen Investitionen und transatlantische Wirtschaftsbeziehungen sichern, zugleich aber ihre Steuerbasis und die Finanzierung öffentlicher Leistungen schützen. Die Studie liefert dafür eine Größenordnung, während die politische Auseinandersetzung über die Regeln und ihre Anwendung weitergeht.

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