Charles III., Sklavenhandel

Sklavenhandel: Charles III. spricht beim Commonwealth-Gipfel

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 09:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
König Charles III. will beim Commonwealth-Gipfel das fortdauernde Leid des transatlantischen Sklavenhandels ansprechen. Premierminister Andy Burnham signalisiert Gesprächsbereitschaft bei einer Entschuldigung, lehnt Zahlungen als Reparationen jedoch ab.

Debatte über Großbritanniens historische Verantwortung

  • Charles III. wird beim Commonwealth-Gipfel in Antigua und Barbuda über das Leid des Sklavenhandels sprechen.
  • Der britische Sklavenhandel endete am 1. Mai 1807, die Sklaverei in den Kolonien erst 1834.
  • Andy Burnham zeigt sich für eine offizielle Entschuldigung offen, schließt Reparationszahlungen aber aus.
  • König Charles III. wurde auf den Bahamas empfangen, der Monarch ist auf einer mehrtägigen Reise. (Archivbild) - Bild: Tim Aylen/AP/dpa
  • Am Rande der Termine des Königs kam es vereinzelt zu Demonstrationen. (Archivbild) - Bild: Tim Aylen/AP/dpa
  • Der König ist das Oberhaupt des Commonwealth of Nations - eine Verbindung von 56 Ländern. (Archivbild) - Bild: Aaron Chown/PA Wire/dpa
König Charles III. wurde auf den Bahamas empfangen, der Monarch ist auf einer mehrtägigen Reise. (Archivbild) - Bild: Tim Aylen/AP/dpa Am Rande der Termine des Königs kam es vereinzelt zu Demonstrationen. (Archivbild) - Bild: Tim Aylen/AP/dpa Der König ist das Oberhaupt des Commonwealth of Nations - eine Verbindung von 56 Ländern. (Archivbild) - Bild: Aaron Chown/PA Wire/dpa

Charles III. spricht beim Commonwealth-Gipfel über Sklavenhandel

König Charles III. will beim Commonwealth-Gipfel in St. John's auf Antigua und Barbuda über das anhaltende Leid des transatlantischen Sklavenhandels sprechen. Eine formelle Entschuldigung ist nach Angaben des Palasts nicht vorgesehen, während der britische Premierminister Andy Burnham eine solche Möglichkeit grundsätzlich offenhält.

Monarchie verweist auf Zuständigkeit der Regierung

Charles wird bei dem Treffen der Commonwealth-Staaten eine Rede halten, in der er mit schonungsloser Ehrlichkeit, aufrichtiger Trauer und Respekt über die Folgen des Sklavenhandels sprechen soll. Der Palast erklärte, eine formelle Entschuldigung sei nicht angemessen, weil sie politische Fragen zur Haltung der britischen Regierung berühren würde.

Burnham schrieb in einem Beitrag für den Guardian, das Anhören von Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung im Namen des britischen Staates werde ein wichtiger Teil eines strukturierten Dialogs sein. Zugleich erklärte er, Großbritannien werde keine Reparationszahlungen leisten.

Großbritannien transportierte Millionen Menschen

Großbritannien war besonders im 18. Jahrhundert eine führende Macht im Sklavenhandel. Schätzungen zufolge transportierten englische Schiffe zwischen 1640 und 1807 rund drei Millionen Afrikaner in britische Kolonien in der Karibik, in Nord- und Südamerika sowie in andere Länder; etwa 2,7 Millionen erreichten demnach ihr Ziel.

Das britische Empire verbot den Sklavenhandel aus Afrika ab dem 1. Mai 1807. Die Sklaverei selbst wurde in den britischen Kolonien erst 1834 abgeschafft.

Widerstand gegen Entschuldigung und Zahlungen

Finanzminister John Healey unterstützte Burnhams Position und betonte, eine formelle Entschuldigung bedeute nicht automatisch eine finanzielle Verantwortung für Jahrhunderte zurückliegende Ereignisse. Oppositionsführerin Kemi Badenoch warnte dagegen, bereits eine Entschuldigung könne neue Forderungen nach Geldzahlungen auslösen.

Während der Reise des Königs in der Karibik gab es vereinzelt Proteste. In Nassau forderten Demonstranten auf Plakaten unter anderem eine vollständige Entschuldigung und Zahlungen. Der Präsident Guyanas, Irfaan Ali, bezeichnete eine Entschuldigung als möglichen nächsten Schritt; Barbados' Regierungschefin Mia Amor Mottley erklärte, die Gespräche über Reparationen müssten weitergehen.

Die Debatte über eine britische Entschuldigung steht im Zusammenhang mit einer breiteren Auseinandersetzung über koloniale Verantwortung und die Folgen des transatlantischen Sklavenhandels. Großbritannien untersagte den Handel 1807, schaffte die Sklaverei in seinen Kolonien jedoch erst 1834 ab. Für viele karibische Staaten ist damit nicht nur ein historisches Kapitel verbunden: Gesellschaftliche Ungleichheiten, wirtschaftliche Abhängigkeiten und die Frage nach einer angemessenen Erinnerungspolitik prägen die Diskussion bis heute.

Entschuldigung und Reparationen

Eine formelle Entschuldigung wird von Befürwortern als Anerkennung staatlicher Verantwortung verstanden. Die karibische Staatengemeinschaft Caricom fordert seit Jahren Reparationen und verweist dabei auf langfristige wirtschaftliche und soziale Schäden. Die britische Regierung trennt dagegen eine mögliche moralische Anerkennung des Leids von finanziellen Ansprüchen. Diese Trennung soll den Dialog ermöglichen, ohne eine Grundlage für Entschädigungsforderungen zu schaffen.

Für die Monarchie ist die Frage zusätzlich politisch sensibel. Charles spricht als Oberhaupt des Commonwealth, während Entscheidungen über die Haltung des britischen Staates bei der Regierung liegen. Der Gipfel in Antigua und Barbuda macht damit sichtbar, dass der Commonwealth nicht nur ein diplomatisches Netzwerk ist, sondern auch von einer gemeinsamen, konfliktreichen Geschichte zusammengehalten wird.

Bedeutung des Gipfels

Die Diskussion dürfte den Umgang mit kolonialem Erbe innerhalb des Commonwealth weiter prägen. Für die karibischen Regierungen zählt vor allem, ob aus Bedauern konkrete Gespräche über Verantwortung, Entwicklung und mögliche Wiedergutmachung folgen. Für London bleibt die Herausforderung, Anerkennung zu zeigen, ohne die Auseinandersetzung über finanzielle Folgen vorwegzunehmen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

taz: „Vor Commonwealth-Treffen: Burnham offen für eine Entschuldigung für Sklaverei“ (31.10.2026)

Der Beitrag stellt Burnhams Bereitschaft zu einem strukturierten Dialog und zur Prüfung einer offiziellen Entschuldigung heraus. Im Mittelpunkt steht dabei die Abgrenzung von einer finanziellen Verantwortung für Reparationen.

Stern: „Burnham 'offen' für Entschuldigung für britische Rolle im Sklavenhandel“ (31.10.2026)

Der Artikel konzentriert sich auf Burnhams öffentliche Äußerungen zu Schmerz und Leid der Betroffenen. Wie der taz-Beitrag hebt er die mögliche Entschuldigung hervor, stellt sie aber nicht mit Reparationszahlungen gleich.

Beide Beiträge sehen in Burnhams Äußerungen eine Öffnung bei der Frage der Entschuldigung. Offen bleibt, ob daraus nach dem Commonwealth-Treffen ein formeller politischer Prozess entsteht und wie die Forderungen nach Reparationen behandelt werden.

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