Serbien, Aleksandar Vucic

Serbien: Vucic räumt Niederlage bei Parlamentswahl ein

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 21:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die oppositionelle Studentenliste hat bei der Parlamentswahl in Serbien nach einer Projektion die Mehrheit errungen. Der Ausgang stellt die politische Vorherrschaft der regierenden SNS infrage und leitet schwierige Gespräche über die künftige Regierung ein.

Belgrader Machtwechsel nach Studentenwahlsieg

  • Vucic erklärte in Belgrad seine Niederlage bei der Parlamentswahl.
  • Die oppositionelle Studentenliste gewann laut seiner Ansprache die Abstimmung.
  • Der SNS-Spitzenkandidat berief sich dabei auf eine Ergebnisprojektion.
Vucic gesteht seine Wahlniederlage ein. - Bild: Armin Durgut/AP/dpa

Studentenliste gewinnt Parlamentswahl in Serbien

Bei der Parlamentswahl in Serbien hat der Spitzenkandidat der regierenden SNS-Partei, Aleksandar Vucic, seine Niederlage eingestanden. Die oppositionelle Studentenliste habe die Wahl gewonnen, sagte Vucic in einer Ansprache vor seinem Wahlkampfstab in Belgrad unter Berufung auf eine Projektion der Ergebnisse.

Vucic erkennt Ergebnis an

Mit dem Eingeständnis bestätigt der langjährige Machtpolitiker den Erfolg der oppositionellen Bewegung. Die Erklärung fiel noch auf Grundlage einer Projektion und nicht eines endgültigen amtlichen Ergebnisses.

Studentenbewegung fordert Regierungspartei heraus

Die Studentenliste war aus monatelangen Protesten hervorgegangen und hatte sich zur wichtigsten Herausforderung für die SNS entwickelt. Vor der Wahl war ein enges Rennen zwischen dem Regierungslager und der oppositionellen Liste erwartet worden.

Regierungsbildung rückt in den Mittelpunkt

Nach dem Wahlsieg steht die Studentenliste vor der Aufgabe, eine parlamentarische Mehrheit und eine tragfähige Regierung zu organisieren. Entscheidend wird sein, wie sie ihre unterschiedlichen Unterstützer zusammenführt und welche politischen Veränderungen sie mit einer neuen Mehrheit durchsetzen kann.

Das Wahlergebnis markiert einen tiefen Einschnitt in der serbischen Innenpolitik. Die Studentenliste ist aus einer Protestbewegung hervorgegangen, die nach dem tödlichen Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad vor rund zwei Jahren entstand. Aus Forderungen nach Aufklärung und politischer Verantwortung entwickelte sich eine landesweite Mobilisierung gegen Korruption, den Einfluss der Regierungspartei auf Institutionen und Einschränkungen der Medienfreiheit.

Die Wahl war vorgezogen worden, nachdem Aleksandar Vucic Ende September vom Amt des Staatspräsidenten zurückgetreten war. Zuvor hatte er die serbische Politik über Jahre geprägt; die Abstimmung sollte seiner SNS den Weg zurück in die Regierung ebnen. Der Wahlerfolg der Studentenliste stellt dieses Machtmodell nun infrage und verschiebt das politische Gewicht von etablierten Parteien hin zu einer Bewegung, die vor allem durch ihren Anti-Vucic-Kurs zusammengehalten wird.

Neue Mehrheiten und offene Aufgaben

Für Serbien beginnt damit eine schwierige Regierungsbildung. Die Studentenliste muss aus einer Protestbewegung eine handlungsfähige parlamentarische Kraft formen und zugleich unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zusammenführen. Im Mittelpunkt stehen die angekündigte Stärkung unabhängiger Institutionen, eine freiere Medienlandschaft und die Aufarbeitung von Korruptionsvorwürfen.

Für die Bevölkerung entscheidet sich nun, ob der Machtwechsel auch im Alltag spürbar wird. Die politische Auseinandersetzung dürfte sich auf die Kontrolle des Parlaments, die Zusammensetzung der Regierung und den Umgang mit bisherigen Amtsträgern konzentrieren. Zugleich bleibt die europapolitische Ausrichtung des Landes ein zentraler Rahmen für die neue Mehrheit.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Wahl in Serbien: Hohe Beteiligung könnte Studentenliste stärken“ (25.10.2026)

Der Beitrag habe vor der Bekanntgabe von Vucics Niederlage ein knappes Rennen zwischen SNS und Studentenliste beschrieben. Im Mittelpunkt hätten die hohe Beteiligung, die Forderungen nach unabhängiger Justiz und freien Medien sowie die Bedeutung der Wahl für Vucics Machtbasis gestanden.

Stern: „Massive Beteiligung bei Schicksalswahl in Serbien“ (25.10.2026)

Der Artikel habe die Mobilisierung der Studentenbewegung, die lange politische Dominanz Vucics und die Vorgeschichte der Proteste hervorgehoben. Anders als die dpa-Meldung, die bereits das Eingeständnis der Niederlage thematisiere, habe der Beitrag den Urnengang und die erwarteten Ergebnisse während des Wahltags eingeordnet.

Beide Beiträge hätten die hohe Bedeutung der Studentenbewegung und das enge Rennen betont. Offen bleibe nach dem Eingeständnis, wie die neue Mehrheit eine Regierung bilden und ihre institutionellen Reformziele umsetzen werde.

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