Wolodymyr Selenskyj, Luftangriff auf Kiew

Selenskyj: Partner warnen Kiew nicht vor fünf Raketen

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 14:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach den Raketenangriffen auf Kiew kritisiert der ukrainische Präsident eine ausgebliebene Warnung westlicher Partner. Außenminister Sybiha bestätigt zugleich den fortgesetzten Austausch von Geheimdienstdaten mit den USA.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagt, dass die westlichen Partner diesmal nicht vor einem russischen Angriff mit ballistischen Raketen gewarnt haben. (Archivbild) - Bild: Attila Husejnow/AP/dpa
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagt, dass die westlichen Partner diesmal nicht vor einem russischen Angriff mit ballistischen Raketen gewarnt haben. (Archivbild) - Bild: Attila Husejnow/AP/dpa

Angriffe treffen Kiew und Charkiw

  • Selenskyj sagt, westliche Partner hätten vor dem russischen Angriff auf Kiew nicht gewarnt.
  • Bei dem Angriff trafen fünf ballistische Raketen zivile Infrastruktur in der ukrainischen Hauptstadt.
  • In Charkiw wurden nach Angaben des Präsidenten vier Menschen getötet und 41 verletzt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach russischen Raketenangriffen auf Kiew eine fehlende Vorwarnung durch westliche Partner beklagt.

Selenskyj fordert stärkeren Schutz

Bei dem Angriff seien fünf ballistische Raketen eingesetzt worden und hätten zivile Infrastruktur getroffen, teilte Selenskyj mit. Aufklärungsdaten über den Abschuss russischer Raketen seien entscheidend, um Menschenleben zu retten.

Der Präsident nannte keinen Partner ausdrücklich. Er forderte ein starkes Amerika, ein starkes Europa und Unterstützer, die der Ukraine tatsächlich helfen, sowie wirksamen Druck auf Russland.

Datenaustausch mit den USA läuft weiter

Außenminister Andrij Sybiha sagte, der Austausch von Geheimdienstdaten mit den USA bestehe fort. Der Luftalarm sei in der Nacht verspätet ausgelöst worden, was mit einer besonderen von Russland eingesetzten Waffenart zusammenhänge.

Die ukrainischen Luftstreitkräfte hatten nach dem Angriff angekündigt, klären zu müssen, weshalb diesmal keine Warnung vor der Attacke erfolgt sei. Die Ukraine stützt sich traditionell auf Aufklärungsdaten des US-Militärs und anderer Nato-Staaten.

Vier Tote bei Angriff in Charkiw

Selenskyj verurteilte außerdem einen russischen Angriff auf Charkiw. Ein gewöhnliches Wohnhaus sei zerstört worden; die Suche nach Verschütteten in den Trümmern dauere an.

Nach Angaben des Präsidenten wurden in Charkiw vier Menschen getötet und 41 verletzt. Selenskyj warf Russland zudem vor, eine von US-Präsident Donald Trump angekündigte Feuerpause für Angriffe auf Energieanlagen nicht einzuhalten.

19 Regionen von Angriffen betroffen

Die Ukraine habe seit der Ankündigung der Feuerpause keine russischen Ölraffinerien oder anderen Ziele im russischen Energiesektor angegriffen, sagte Selenskyj. Russland habe dagegen Energieanlagen und kritische Infrastruktur getroffen.

Insgesamt seien 19 ukrainische Regionen betroffen gewesen, erklärte der Präsident.

Warnsysteme als Teil der Luftverteidigung

Die ukrainische Luftverteidigung ist bei ballistischen Raketen auf möglichst frühe Hinweise angewiesen. Zwischen dem Start einer Rakete und dem Einschlag kann nur sehr wenig Zeit liegen; Aufklärungsdaten beeinflussen deshalb nicht nur militärische Entscheidungen, sondern auch die Möglichkeit, Zivilisten in Schutzräume zu bringen.

Selenskyjs Vorwurf berührt damit die praktische Zusammenarbeit zwischen Kiew und seinen Unterstützern. Die Ukraine nutzt Informationen verbündeter Staaten, während die eigenen Systeme den Luftalarm auslösen und die Bevölkerung warnen. Eine verspätete Warnung kann verschiedene technische oder operative Ursachen haben, darunter die verwendete Waffenart, die Erkennung des Starts und die Weitergabe der Daten.

Politischer Druck auf die Partner

Dass Außenminister Andrij Sybiha zugleich einen fortbestehenden Geheimdienstdatenaustausch mit den USA bestätigte, deutet auf eine Differenz zwischen grundsätzlicher Kooperation und der konkreten Warnung vor diesem Angriff hin. Die ukrainische Regierung dürfte deshalb auf eine Klärung des Ablaufs drängen, ohne die gesamte Zusammenarbeit infrage zu stellen.

Für die Bevölkerung bleibt entscheidend, wie schnell Warnungen künftig ausgelöst werden können. Für die Partner wird der Vorgang zum politischen Prüfstein: Sie müssen ihre Unterstützung für die ukrainische Verteidigung leisten, ohne operative Details öffentlich zu machen, und zugleich nachvollziehbar erklären, wie der Schutz vor ballistischen Angriffen verbessert werden soll.

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