Selenskyj kündigt Angriffe auf russische Ölraffinerien an
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 13:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRjasan und Saratow im Fokus
- Russland meldete neue ukrainische Angriffe auf Ölverarbeitungsanlagen in den Gebieten Rjasan und Saratow.
- Auf dem Gelände einer Raffinerie im Gebiet Rjasan brach nach einer weiteren Drohnenattacke ein Brand aus.
- Das russische Verteidigungsministerium sprach von vier Flamingo-Marschflugkörpern und 69 Drohnen.
Selenskyj kündigt neue Angriffe auf russische Raffinerien an
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat nach einem Bericht der Financial Times trotz der Kritik von US-Präsident Donald Trump neue Angriffe auf russische Ölraffinerien angekündigt. Die Zurückhaltung sei vorbei, sagte Selenskyj in dem Interview.
Streit über Geheimdienstdaten und Starlink
Selenskyj beklagte zugleich einen aus seiner Sicht gefährlichen Mangel an US-Geheimdienstdaten und die parallele Drosselung des Satelliteninternetdienstes Starlink. Russland intensiviere seine Angriffe auf die Ukraine, sagte der Präsident; auch andere westliche Geheimdienste lieferten Kiew Daten.
Russland meldete am Mittwoch neue ukrainische Angriffe auf Ölverarbeitungsanlagen in den Gebieten Rjasan und Saratow. Das Gebiet Rjasan berichtete am Donnerstag von einer weiteren Drohnenattacke und einem Brand auf dem Gelände einer Raffinerie.
Russland meldet Raketen und Drohnen
Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, die Ukraine habe vier Marschflugkörper des Typs Flamingo und 69 Drohnen gegen die Raffinerie eingesetzt. Selenskyj nannte keine Einzelheiten zu den angekündigten weiteren Angriffen.
Kreml weist auf Friedensprozess hin
Kremlsprecher Dmitri Peskow reagierte gelassen auf Selenskyjs Drohung. Die Ankündigung sei nichts Neues und stehe im ernsten Widerspruch zu den Bestrebungen der USA, einen Friedensprozess anzustoßen.
Selenskyj hatte in den vergangenen Tagen mehrfach den Diesel-Deal zwischen Trump und Kremlchef Wladimir Putin kritisiert. Die USA wollen wegen der angespannten Marktlage und hoher Preise Diesel aus Russland importieren und dafür Sanktionen lockern.
Ukraine beklagt politischen Druck
Die Ukraine wirft Washington vor, mit dem Dieselgeschäft Geld in Moskaus Kriegskasse zu spülen. Selenskyj erklärte zudem, die Ukraine habe nach einer von Trump verkündeten begrenzten Waffenruhe zunächst auf Angriffe gegen Energieinfrastruktur verzichtet.
Nach Darstellung Selenskyjs erklärten US-Militärs ihren ukrainischen Kollegen, dass sie keine Geheimdienstdaten mehr liefern würden, wenn die Ukraine Angriffe auf russische Ölraffinerien nicht einstelle. Zugleich sei der für das ukrainische Militär wichtige Starlink-Dienst gedrosselt worden.
Musk fordert Rückzug Selenskyjs
Elon Musk erklärte, das US-Militär und der Präsident hätten über die Begrenzung des militärischen Starlink-Ablegers entschieden. Auf seiner Plattform X forderte Musk Selenskyj zudem zum Rücktritt auf.
Selenskyj sagte, die USA seien für die Ukraine lange ein strategischer Partner gewesen. Ohne die Unterstützung der USA sei der Verteidigungskampf sehr schwer.
Selenskyjs Ankündigung fällt in eine Phase, in der sich der Streit zwischen Kiew und Washington über die Bedingungen einer begrenzten Waffenruhe zuspitzt. Die Ukraine hatte nach der von US-Präsident Donald Trump verkündeten Pause Angriffe auf russische Energieanlagen zunächst unterlassen. Gleichzeitig wurden aus der Ukraine weitere russische Angriffe auf Energieziele gemeldet.
Für Kiew haben Angriffe auf Raffinerien eine militärische und wirtschaftliche Bedeutung: Sie sollen die Versorgung russischer Streitkräfte und die Einnahmen aus dem Energiesektor treffen. Eine solche Strategie erhöht zugleich das Risiko, dass Russland seine Angriffe auf ukrainische Energieanlagen ausweitet und dass die von Washington angestrebte Energie-Waffenruhe weiter an Verbindlichkeit verliert.
Abhängigkeit von US-Unterstützung
Der Streit über Geheimdienstdaten und Starlink berührt zentrale Fähigkeiten der ukrainischen Kriegsführung. Frühwarnungen helfen bei der Vorbereitung auf russische Raketen- und Drohnenangriffe, während Satellitenkommunikation für militärische Kommunikation und Drohnenoperationen genutzt wird. Europäische Partner liefern Kiew ebenfalls Informationen, können die Rolle der USA aber nicht ohne Weiteres vollständig ersetzen.
Für die Bevölkerung ist der Konflikt besonders folgenreich, weil russische Angriffe die Energieversorgung vor dem Winter treffen. Die Europäische Union steht damit vor der Frage, wie sie die Ukraine militärisch und beim Schutz der Infrastruktur stärker unterstützen kann, während Kiew zugleich seine eigenen Angriffsmöglichkeiten gegen russische Energieziele bewahren will.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Krieg gegen die Ukraine Sorgen vor dem Winter, Hoffen auf die EU“ (15.10.2026)
Der Beitrag ordnet Selenskyjs Kritik in die wachsende Belastung der ukrainischen Energieversorgung ein und betont die Bedeutung europäischer Unterstützung. Anders als die dpa-Meldung stellt er die Folgen russischer Angriffe für die Bevölkerung und die Vorbereitung auf den Winter in den Mittelpunkt.
n-tv: „Fühlt sich von Trump verraten: Selenskyj: Ukraine verliert mit den USA einen starken Partner“ (14.10.2026)
Der Artikel hebt Selenskyjs Vorwürfe gegen Trump und Musk sowie den Streit über den Diesel-Deal und Starlink hervor. Er ergänzt, dass ein US-Regierungsvertreter eine veränderte Position Washingtons beim Geheimdienstaustausch bestritten habe und NATO-Generalsekretär Mark Rutte den Fortbestand des Austauschs bestätigt habe.
Beide Beiträge beschreiben eine verschärfte Belastungsprobe für die ukrainische Energieverteidigung und die Beziehungen zu den USA. Unterschiedliche Schwerpunkte liegen bei den humanitären Winterfolgen und beim politischen Streit über Unterstützung, Kommunikation und Geheimdienstdaten.
