Selenskyj fordert in Madrid Energiehilfen aus Lateinamerika
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 10:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSelenskyjs Gesprächspartner und Hilfswünsche
- Selenskyj traf in Madrid auch António Costa und Teresa Ribera.
- Er bat um Transformatoren aus Brasilien, Mexiko, Argentinien oder Kolumbien.
- Zusätzlich nannte er Elektrokabel aus Chile sowie Diesel- und Gasgeneratoren aus Spanien.
Selenskyj wirbt in Madrid um Unterstützung für die Ukraine
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist in Spanien von Regierungschef Pedro Sánchez und König Felipe VI. empfangen worden. Beim 30. Iberoamerika-Gipfel in Madrid traf er zudem mehrere lateinamerikanische Staats- und Regierungschefs.
Appell an Lateinamerika
Selenskyj forderte die Vertreter der Region auf, in ihren Heimatländern über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu sprechen. Sie sollten dafür sorgen, dass die Welt von den Verbrechen erfahre, zitierte der spanische staatliche Fernsehsender RTVE den ukrainischen Präsidenten.
Viele Länder Lateinamerikas haben den Angriffskrieg Russlands verurteilt, sich darüber hinaus aber kaum an Hilfen für die Ukraine beteiligt. Selenskyj nutzte das Gipfeltreffen deshalb, um politische Unterstützung über Europa hinaus einzufordern.
Sánchez fordert breitere internationale Hilfe
Spaniens Regierungschef betonte, die Unterstützung für die Ukraine dürfe nicht allein von europäischen Ländern kommen. Die Welt müsse die Ukraine im Kampf für Freiheit und Völkerrecht unterstützen, warnte Sánchez, sonst werde das Recht des Stärkeren legitimiert.
Selenskyj sprach außerdem mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, und der Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Teresa Ribera.
Konkrete Bitten für die Energieversorgung
Vor den Gipfelteilnehmern listete Selenskyj konkrete Hilfslieferungen auf. Er nannte Transformatoren aus Brasilien, Mexiko, Argentinien oder Kolumbien, Elektrokabel aus Chile sowie Diesel- und Gasgeneratoren aus Spanien.
Die Lieferungen sollen helfen, die Energieversorgung der Ukraine nach wiederholten Angriffen auf die Infrastruktur zu sichern. Die Schäden führen zu großflächigen Stromausfällen und drohen angesichts des bevorstehenden Winters die Wärmeversorgung von Millionen Menschen zu unterbrechen.
Selenskyjs Auftritt in Madrid verbindet zwei politische Ebenen: die europäische Unterstützung für die Ukraine und die internationale Suche nach Partnern jenseits Europas. Der Iberoamerika-Gipfel bietet dafür ein besonders sichtbares Forum, weil dort Vertreter aus Spanien, Portugal und Lateinamerika zusammenkommen.
Viele lateinamerikanische Staaten haben Russlands Angriff auf die Ukraine verurteilt, verfolgen im weiteren Umgang mit dem Krieg jedoch unterschiedliche Linien. Militärische Hilfe leisten sie bislang kaum. Für Kiew geht es deshalb nicht nur um konkrete Lieferungen, sondern auch darum, die politische Verantwortung Russlands in einer Region präsent zu halten, deren Regierungen eigene außenpolitische und wirtschaftliche Interessen abwägen.
Energiehilfe als unmittelbare Folge
Die Bitten um Transformatoren, Kabel sowie Diesel- und Gasgeneratoren verweisen auf die besondere Verwundbarkeit der ukrainischen Energieversorgung. Angriffe auf Kraftwerke und Netze treffen Haushalte, Unternehmen und kommunale Wärmeversorgung zugleich. Vor dem Winter erhöhen Reparaturmaterial und Ersatzstromtechnik die Fähigkeit, Schäden kurzfristig zu überbrücken.
Die Aufteilung der Wünsche nach Herkunftsländern macht zudem deutlich, dass Kiew Unterstützung möglichst konkret und arbeitsteilig organisieren will. Spanien setzt dabei neben seiner Rolle als Gastgeber auf die europäische Solidarität; Sánchez' Forderung nach einer breiteren internationalen Beteiligung richtet sich zugleich an Staaten, die den Krieg politisch verurteilen, sich praktisch aber bislang zurückhalten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Selenskyj reist überraschend nach Madrid: Treffen mit Sánchez“ (05.11.2026)
Der Beitrag ordne den Besuch als Versuch ein, den Rückhalt für die Ukraine in Lateinamerika zu stärken und die Beziehungen zu den Staaten der Region zu vertiefen. Anders als die dpa-Meldung betone er zusätzlich Selenskyjs geplante Gespräche zur Luftabwehr, Rüstungskooperation und gemeinsamen Waffenproduktion.
Deutschlandfunk: „Selenskyj in Spanien und bei Iberoamerika-Gipfel: „Welt muss von Russlands Verbrechen erfahren““ (06.11.2026)
Der Bericht bestätige Selenskyjs Empfang durch Sánchez und König Felipe VI. und rücke seinen Appell an die lateinamerikanischen Regierungen in den Mittelpunkt. Damit liege der Schwerpunkt stärker auf der politischen Botschaft des Auftritts, während die dpa-Meldung die konkreten Energiehilfen ausführlicher benenne.
Beide Beiträge stimmten im Kern beim Besuch in Madrid und bei Selenskyjs Werben um internationale Unterstützung überein. Unterschiede ergäben sich vor allem bei der Gewichtung politischer Appelle, militärischer Kooperation und konkreter Hilfe für die Energieversorgung.
