Wolodymyr Selenskyj, Raketenangriff auf Kiew

Selenskyj beklagt fehlende Warnung vor Raketen auf Kiew

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 17:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach dem russischen Raketenangriff auf Kiew beklagt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj das Ausbleiben einer Warnung durch westliche Partner. Außenminister Sybiha und US-Präsident Trump verweisen zugleich auf einen fortgesetzten Austausch von Informationen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagt, dass die westlichen Partner diesmal nicht vor einem russischen Angriff mit ballistischen Raketen gewarnt haben. (Archivbild) - Bild: Attila Husejnow/AP/dpa
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beklagt, dass die westlichen Partner diesmal nicht vor einem russischen Angriff mit ballistischen Raketen gewarnt haben. (Archivbild) - Bild: Attila Husejnow/AP/dpa

Warnung vor dem Angriff blieb aus

  • Selenskyj zufolge gab es vor dem Angriff auf Kiew keine Vorwarnung der Partner.
  • Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bestätigte einen verspäteten Luftalarm.
  • US-Präsident Donald Trump bestritt, dass die USA den Austausch von Geheimdienstinformationen eingestellt hätten.
  • In Kiew trafen nach Selenskyjs Angaben fünf Raketen zivile Infrastruktur.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach russischen Raketenangriffen auf Kiew eine fehlende Vorwarnung durch westliche Verbündete beklagt.

Selenskyj fordert stärkere Unterstützung

„Zu diesem Angriff gab es leider keine Vorwarnung von unseren Partnern“, schrieb Selenskyj bei Telegram. Aufklärungsdaten über den Abschuss russischer ballistischer Raketen seien entscheidend, um Menschenleben zu retten.

Er nannte keinen Partner namentlich und forderte ein starkes Amerika, ein starkes Europa sowie Partner, die tatsächlich helfen. Direkte oder indirekte Unterstützung Russlands und eine Behinderung der Hilfe für die Ukraine trügen nicht zum Frieden bei.

Sybiha bestätigt verspäteten Luftalarm

Außenminister Andrij Sybiha erklärte bei einem Sicherheitsforum in Warschau, der Austausch von Geheimdienstdaten mit den USA dauere an. Der Luftalarm sei in der Nacht tatsächlich verspätet ausgelöst worden.

Sybiha führte die Verzögerung auf eine spezielle Art russischer Waffen zurück, ohne deren Typ zu nennen. Die ukrainischen Luftstreitkräfte kündigten an, die Gründe für die fehlende Warnung zu untersuchen.

Trump weist Ende des Datenaustauschs zurück

US-Präsident Donald Trump verneinte vor dem Weißen Haus, dass die USA den Austausch von Geheimdienstinformationen mit der Ukraine eingestellt hätten. Die USA würden der Ukraine helfen und Informationen teilen, sagte er.

Fünf Raketen treffen zivile Infrastruktur

Selenskyj bezeichnete den Angriff als ballistische Attacke auf Kiew. Nach seiner Darstellung trafen fünf Raketen zivile Infrastruktur.

Die Ukraine stützt ihre Luftabwehr traditionell vor allem auf Aufklärungsdaten des US-Militärs, aber auch auf Informationen anderer Nato-Mitgliedstaaten. Ballistische Raketen hatten die Hauptstadt bereits in der Vergangenheit ohne ausreichende Vorwarnung getroffen.

Tote und Verletzte in Charkiw

Selenskyj zufolge wurden bei einem weiteren russischen Angriff auf Charkiw vier Menschen getötet. Ein Wohnhaus sei zerstört worden, die Suche nach Verschütteten habe angedauert.

In Charkiw seien an einem Abend insgesamt 41 Menschen verletzt worden. Selenskyj warf Russland zudem vor, eine von Trump angekündigte Feuerpause für Angriffe auf Energieanlagen nicht einzuhalten.

Angriffe treffen 19 Regionen

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten griff Russland seit der Ankündigung der Feuerpause ukrainische Energieanlagen und kritische Infrastruktur an. Betroffen seien 19 Regionen gewesen.

Kiew habe in dieser Zeit keine russischen Ölraffinerien oder anderen Ziele im russischen Energiesektor angegriffen, erklärte Selenskyj.

Warnsysteme als Teil der Luftverteidigung

Die ukrainische Luftverteidigung ist nicht nur auf Abfangsysteme angewiesen. Frühzeitige Hinweise über den Start ballistischer Raketen schaffen den betroffenen Städten zusätzliche Minuten, um Menschen in Schutzräume zu bringen und kritische Abläufe zu stoppen. Gerade bei schnellen Flugkörpern kann ein verspäteter Alarm die Schutzwirkung deutlich verringern.

Der Vorgang berührt deshalb die militärische Zusammenarbeit zwischen Kiew und seinen Partnern. Nachrichtendaten, Luftüberwachung und die technische Weitergabe von Warnungen müssen zusammenwirken. Zugleich kann die öffentliche Kommunikation über solche Fähigkeiten sicherheitspolitische Risiken schaffen, weil sie Rückschlüsse auf Aufklärung, Reaktionszeiten und mögliche Lücken zulassen kann.

Politische Bedeutung für die Partner

Selenskyjs Forderung nach stärkerem Druck auf Russland fällt in eine Phase, in der über eine begrenzte Waffenruhe für Energieanlagen gesprochen wird. Neue Angriffe auf Städte und Infrastruktur erhöhen den politischen Druck auf Washington und europäische Staaten, militärische Unterstützung und Schutzmaßnahmen weiter abzustimmen.

Für die Bevölkerung bleibt der Luftalarm die unmittelbarste Warnstufe. Verzögerungen können besonders in dicht besiedelten Städten schwere Folgen haben. Die ukrainischen Angaben zu den Angriffen und Schäden prägen zugleich die internationalen Debatten über weitere Luftverteidigung, Geheimdienstkooperation und die Durchsetzung möglicher Feuerpausen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

MDR: „Ukraine-News: Kritik an Trumps Diesel-Deal mit Russland“ (13.10.2026)

Der MDR-Bericht ordne die Angriffe auf Kiew und Charkiw in die Debatte über eine Energie-Waffenruhe ein. Er hebe zudem hervor, dass der Alltag in Kiew nach Einschätzung eines Korrespondenten von häufigen Drohnen- und Raketenangriffen geprägt sei; die konkrete Frage der fehlenden Vorwarnung stehe dort jedoch nicht im Mittelpunkt.

Frankfurter Rundschau: „Ukraine-Krieg aktuell: Wadephul warnt vor Putin – ‚Auch wir sind im Fadenkreuz‘“ (13.10.2026)

Der Ticker stelle die Angriffe in den Zusammenhang mit der von Donald Trump angekündigten Energiewaffenruhe und berichte über den ukrainischen Vorwurf eines Verstoßes. Einen Schwerpunkt auf den Austausch von Geheimdienstdaten und die verspätete Luftalarmierung in Kiew setze der Beitrag nicht.

Beide Beiträge bestätigten den zeitlichen Zusammenhang mit neuen russischen Angriffen und der Debatte über eine begrenzte Feuerpause. Unterschiedliche Schwerpunkte lägen bei der politischen Einordnung; offen bleibe, warum die Warnung vor den ballistischen Raketen diesmal ausblieb.

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