Gerhard Schröder, Wladimir Putin

Schröder bei Putin: Merz nennt Geburtstagsfeier «geradezu unmoralisch»

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 12:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bundeskanzler Friedrich Merz reagiert empört darauf, dass Altkanzler Gerhard Schröder in Moskau mit Wladimir Putin dessen 74. Geburtstag feierte. Die Bundesregierung bezeichnet den Auftritt angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine als unmoralisch.

Merz ist über das Verhalten Schröders empört. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
Merz ist über das Verhalten Schröders empört. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Teilnahme von Altkanzler Gerhard Schröder an der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau als zutiefst empörend und unmoralisch verurteilen lassen.

Regierung kritisiert Auftritt

Der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer sagte in Berlin, Putin allein sei für den Krieg in der Ukraine verantwortlich. Seine Befehle sorgten jeden Tag für unermessliches Leid, zivile Opfer, auseinandergerissene Familien sowie Tote und Verwundete.

Vor diesem Hintergrund empfinde der Bundeskanzler Schröders Feier mit Putin als geradezu unmoralisch. Russland setzt seinen Angriff auf die Ukraine unterdessen mit Raketen- und Drohnenangriffen fort.

Schröder bei Putin in Moskau

Nach Angaben des Kremls hatte Schröder am Mittwoch mit Putin dessen 74. Geburtstag gefeiert. Der frühere Bundeskanzler hielt sich wegen eines neuen Engagements in Moskau auf.

Enge Verbindung seit Jahren

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Putin befreundet und steht wegen seiner engen Verbindung zum Kremlchef sowie seines Engagements für russische Unternehmen seit Jahren in der Kritik.

Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen.

Ein wiederkehrendes Symbol der Russlandpolitik

Gerhard Schröders Verhältnis zu Wladimir Putin reicht in seine Zeit als Bundeskanzler zurück. Nach dem Ende seiner Amtszeit übernahm Schröder Funktionen in russischen Energieunternehmen und blieb auch nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine in engem Kontakt mit dem Kremlchef. Treffen der beiden wurden dadurch zu einem wiederkehrenden politischen Signal.

Die aktuelle Begegnung fällt in eine Phase, in der Russland die Ukraine weiter mit Raketen und Drohnen angreift. Damit prallen zwei Ebenen aufeinander: Schröder kann seine persönliche Nähe zu Putin als Zugang zu einem mächtigen Gesprächspartner verstehen; in Deutschland wird derselbe Zugang wegen seiner früheren politischen Verantwortung und seiner wirtschaftlichen Verbindungen nach Russland als problematisch bewertet.

Politische Wirkung in Deutschland

Für die Bundesregierung verschärft der Auftritt die Abgrenzung zwischen staatlicher Außenpolitik und privatem Engagement ehemaliger Amtsträger. Merz’ Reaktion macht deutlich, dass die Bundesregierung Schröders Kontakte nicht als diplomatische Vermittlung bewertet, sondern als moralisch unvereinbar mit dem russischen Vorgehen gegen die Ukraine. Zugleich zeigt der Vorgang, wie stark frühere Entscheidungen zur deutsch-russischen Energiepolitik bis heute nachwirken.

Für die öffentliche Debatte bleibt entscheidend, ob aus persönlichen Treffen konkrete Beiträge zu Verhandlungen entstehen. Ein politischer Zugang allein ersetzt weder ein Mandat noch eine abgestimmte europäische Diplomatie. Solange Schröders Kontakte vor allem durch gemeinsame öffentliche Auftritte sichtbar werden, dürften sie deshalb eher die innenpolitische Auseinandersetzung über Verantwortung und Glaubwürdigkeit prägen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Eine Schande für Deutschland, ein Verrat an Europa“: Scharfe Kritik für Schröders Teilnahme an Putins Geburtstagsfeier (09.10.2026)

Der Bericht bestätige die Teilnahme Schröders an Putins Geburtstagsfeier und stelle sie den zeitgleichen russischen Angriffen auf die Ukraine gegenüber. Er hebe zudem hervor, dass deutsche Politiker den Auftritt scharf kritisierten, und lasse offen, ob die Einladung tatsächlich spontan erfolgt sei.

DER SPIEGEL: In Moskau: SPD-Altkanzler Schröder war laut Kreml auf Putins Geburtstagsfeier zu Gast (08.10.2026)

Der Artikel bestätige den Besuch und ergänze, das Auswärtige Amt habe von Schröders Reise und seinem Treffen mit Putin keine Kenntnis gehabt. Außerdem verweise er auf Putins früheren Vorschlag, Schröder als Vermittler einzusetzen, während offenbleibe, welche konkrete politische Funktion Schröders aktuelle Kontakte hätten.

Die beiden Berichte stimmten beim Besuch und seiner politischen Brisanz überein, setzten aber unterschiedliche Schwerpunkte: Der Tagesspiegel beleuchte vor allem die Reaktionen und den zeitgleichen Krieg, der SPIEGEL die fehlende Einbindung deutscher Stellen und den möglichen Vermittlungskontext.

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