Gerhard Schröder, Wladimir Putin

Schröder bei Putin: Massive Kritik an Geburtstagsbesuch in Moskau

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 02:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Altkanzler Gerhard Schröder hat nach Angaben des Kremls in Moskau den 74. Geburtstag von Wladimir Putin mitgefeiert. Politiker von Grünen, FDP und CDU kritisieren den Besuch scharf – auch wegen Schröders neuer Funktion im russischen Globus-Ableger.

Schröder zählte zu Putins Gratulanten. (Archivbild) - Bild: Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa
Schröder zählte zu Putins Gratulanten. (Archivbild) - Bild: Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa

Altkanzler Gerhard Schröder hat nach Angaben des Kremls am Mittwoch in Moskau den 74. Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin mitgefeiert und dafür scharfe Kritik aus Deutschland ausgelöst.

Kritik von Grünen, FDP und CDU

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), bezeichneten den Besuch als Schande. Göring-Eckardt schrieb, Schröders Auftritt sei ein Verrat an Europa und ein Bärendienst für den Frieden.

Strack-Zimmermann nannte Schröder Deutschlands frechsten Rentner und verwies auf seine frühere Absage an einen Untersuchungsausschuss wegen einer Burnout-Erkrankung. Auch der CDU-Sozialpolitiker Dennis Radtke kritisierte, Schröder sei für den Ausschuss zu krank, für einen Besuch bei Putin aber fit genug.

Kreml spricht von spontaner Einladung

Nach Darstellung des Kremls habe Putin am Mittwochmorgen aus den Medien von Schröders Anwesenheit in Moskau erfahren. Anschließend habe der Präsident seinen alten Freund zu sich nach Hause eingeladen. Fotos zeigen beide Männer lächelnd und mit ineinander verschränkten Händen.

Vor der Geburtstagsfeier besuchte Schröder eine Filiale des russischen Globus-Ablegers Hyperglobus und hielt eine Begrüßungsrede vor Mitarbeitern. Zuvor war er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden.

Enge Verbindung zu Putin

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist seit Jahren eng mit Putin befreundet und war nach seiner politischen Laufbahn unter anderem für russische Energieunternehmen tätig. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine traf er den Kremlchef wiederholt.

Debatte über mögliche Vermittlung

Putin hatte Schröder im Mai als möglichen Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Gespräch gebracht. In der Bundesregierung stießen die Äußerungen auf Skepsis.

Am Tag von Putins Geburtstag griff Russland die Ukraine mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von mindestens 25 Toten und mehr als 100 Verletzten und bezeichnete den Angriff als Geburtstagsgeschenk für Putin.

Schröders frühere Russlandgeschäfte

Schröder war unter anderem Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochter des russischen Energiekonzerns Gazprom. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 jedoch nicht in Betrieb, weil die Bundesregierung die Genehmigung versagte.

Ein Besuch mit politischer Vorgeschichte

Gerhard Schröders Reise fällt in eine Zeit, in der seine Russlandkontakte in Deutschland besonders sensibel bewertet werden. Der frühere Bundeskanzler war während seiner Amtszeit von 1998 bis 2005 maßgeblich an einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland beteiligt und übernahm später Funktionen bei russischen Staatsunternehmen sowie im Umfeld der Nord-Stream-Projekte.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat Schröder seine Verbindung zu Wladimir Putin nicht beendet. Treffen im Kreml und seine wiederholte Weigerung, den russischen Präsidenten eindeutig zu verurteilen, führten zu anhaltender Kritik. Der Bundestag strich ihm deshalb unter anderem sein steuerfinanziertes Büro.

Neue Rolle in Russland

Zusätzliche Bedeutung erhält der Besuch durch Schröders Funktion im Aufsichtsrat des russischen Globus-Ablegers Hyperglobus. Der Konzern gehört zu den Unternehmen, die trotz des Krieges in Russland weiterarbeiten. Zugleich greift der russische Staat zunehmend in die Kontrolle ausländischer Firmen und Vermögenswerte ein. Ein Aufsichtsratsmandat eines ehemaligen deutschen Regierungschefs besitzt vor diesem Hintergrund eine politische und wirtschaftliche Signalwirkung.

Vermittlerrolle bleibt umstritten

Putin hatte Schröder zuvor als möglichen Ansprechpartner für Gespräche über eine europäische Sicherheitsordnung und als Vermittler im Ukraine-Krieg dargestellt. In Deutschland und der Europäischen Union stieß dieser Vorschlag auf Skepsis. Der aktuelle Auftritt dürfte die Debatte über die Trennlinie zwischen privaten Kontakten, wirtschaftlichen Interessen und politischer Einflussnahme erneut verschärfen. Für die deutsche Öffentlichkeit steht damit nicht nur ein Geburtstagstreffen im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, welche Rolle ein ehemaliger Kanzler im Verhältnis zu einer kriegführenden Regierung noch beanspruchen kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein“: Altkanzler Schröder spontan bei Putin-Geburtstag (08.10.2026)

Der Bericht bestätige die Teilnahme Schröders an Putins Geburtstagsfeier und hebe hervor, dass die Einladung nach Darstellung des Kremls spontan erfolgt sei. Anders als die dpa-Meldung stelle der Artikel zusätzlich den zeitgleichen russischen Angriff auf Kyjiw heraus; die politische Bewertung des Besuchs bleibe jedoch offen.

n-tv: „Gerhard Schröder in Moskau: Altkanzler besucht nach neuem Russland-Job eine Globus-Filiale“ (08.10.2026)

Der Beitrag bestätige Schröders Besuch in Moskau und setze den Schwerpunkt auf sein neues Aufsichtsratsmandat bei Hyperglobus. Er beschreibe zudem den wirtschaftlichen Hintergrund staatlicher Eingriffe in ausländische Unternehmen und ordne Schröders Kontakte zu Putin sowie seine mögliche Vermittlerrolle ausführlicher ein.

Beide Berichte stimmten im Kern über Schröders Moskau-Aufenthalt und seine Verbindung zu Putin überein. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Der Tagesspiegel betone das Geburtstagsreffen und den zeitgleichen Krieg, n-tv die wirtschaftliche Funktion Schröders und die Rahmenbedingungen für ausländische Unternehmen.

Disclaimer...

de | ausland | 70271218 |