Saudi-Arabien, Ölpipeline

Saudi-Arabien stoppt nach Drohnenangriff Betrieb seiner Ost-West-Pipeline

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 22:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Saudi-Arabien hat nach Drohnenangriffen die strategisch wichtige Ost-West-Pipeline vorsorglich abgeschaltet. Der Vorfall fällt in eine Phase, in der die Straße von Hormus für Handelsschiffe faktisch blockiert ist.
Saudi-Arabien schaltet eine wichtige Pipeline ab, nachdem Angriffe darauf gemeldet wurden. (Symbolbild) - Bild: Ali Haider/EPA/dpa

Saudi-Arabien hat nach Drohnenangriffen die wichtige Ost-West-Pipeline vorsorglich abgeschaltet, über die Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer transportiert werden kann und die damit die faktisch blockierte Straße von Hormus umgeht.

Angriff auf Leitungen bei Riad und Medina

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SPA wurden Teile der Pipeline in den Regionen Riad und Medina attackiert. Eine Quelle aus dem Energieministerium erklärte demnach, die Leitung sei aus Sicherheitsgründen vorübergehend außer Betrieb genommen worden. Das saudische Außenministerium teilte auf der Plattform X mit, bei dem Drohnenangriff seien mehrere Menschen verletzt worden und es gebe Sachschäden.

Start der Drohnen aus dem Irak

Den saudischen Angaben zufolge wurden die Drohnen aus dem Irak gestartet. Wer genau hinter dem Angriff steckt, ließ das Außenministerium offen. Im Irak sind mehrere Milizen aktiv, die vom Iran unterstützt werden und die in der Vergangenheit immer wieder Ziele in der Region angegriffen haben. Berichten zufolge war die mehr als 1.200 Kilometer lange Pipeline bereits Ende Juli von Verbündeten des Irans vom Irak aus attackiert worden.

Schutzmaßnahmen für die Infrastruktur

Das Energieministerium erklärte laut SPA, es seien die notwendigen Maßnahmen getroffen worden, um die Pipeline zu sichern. Der Angriff werde vom Außenministerium auf das Schärfste verurteilt. Neben den Verletzten wurden demnach Sachschäden an Anlagen im Umfeld der Leitung registriert.

US-Bericht über Drohnenangriff

Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf Regierungsbeamte, die Pipeline sei durch Drohnen angegriffen worden, die aus dem Irak gestartet worden sein sollen. Das für die Region zuständige US-Kommando Centcom kommentierte den Bericht auf Anfrage nicht. Nach einer ersten Analyse seien Pumpstationen getroffen worden, die sich neben der Pipeline befinden.

Unklarheit über mögliche Pipelineschäden

CNN verwies darauf, dass Satellitenbilder auf Brände im Bereich der Anlagen hindeuten sollen. Ob die Pipeline selbst beschädigt wurde, sei jedoch zunächst unklar. Saudi-Arabien stellte die Abschaltung der Leitung als Vorsichtsmaßnahme dar, um Sicherheit und Integrität der Infrastruktur zu gewährleisten.

Bedeutung der Leitung im Iran-Konflikt

Die Ost-West-Pipeline hat im Zuge des Iran-Kriegs und der Angriffe zwischen den USA, Israel und Iran weiter an Bedeutung gewonnen. Über sie leitet Saudi-Arabien Öl um, das ursprünglich für Öltanker im Persischen Golf vorgesehen war. Seit Beginn der Attacken Ende Februar ist die Durchfahrt von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus faktisch blockiert, weshalb die Pipeline für den globalen Ölmarkt eine zentrale Rolle spielt.

Saudi-Arabien als großer Ölproduzent

Mit einer Fördermenge von rund zehn Millionen Barrel pro Tag ist Saudi-Arabien nach den USA der zweitgrößte Ölproduzent der Welt. Störungen seiner Exportwege können sich entsprechend rasch auf Angebot und Preise auf den internationalen Energiemärkten auswirken.

Strategische Achillesferse im Ölmarkt

Der vorsorgliche Stopp der saudischen Ost-West-Pipeline macht deutlich, wie verwundbar zentrale Energieinfrastrukturen im Nahen Osten sind. Die Leitung gilt als Schlüsselkorridor, weil sie Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer transportiert und damit die Straße von Hormus umgehen kann. Angriffe auf dieses System treffen nicht nur Saudi-Arabien, sondern betreffen indirekt auch die globale Versorgungssicherheit und erhöhen das Risiko sprunghafter Preisschwankungen an den Ölmärkten.

Konfliktlinien zwischen Iran, USA, Israel und regionalen Milizen

Der Hinweis aus Riad, dass die Drohnen aus dem Irak gestartet worden seien, lenkt den Blick auf die dort aktiven, vom Iran unterstützten Milizen. Diese Gruppen haben in den vergangenen Jahren wiederholt Ziele der USA, verbündeter Staaten und auch der Golfmonarchien attackiert. Vor dem Hintergrund des offenen Konflikts zwischen Iran einerseits und den USA sowie Israel andererseits gewinnt jeder Angriff auf Energieinfrastruktur zusätzliche Brisanz: Solche Attacken wirken wie Stellvertreteraktionen und können Eskalationsspiralen verstärken, ohne dass die Verantwortung offiziell zugeordnet wird.

Folgen für Handel, Sicherheit und Leserinnen und Leser

Die Straße von Hormus ist bereits faktisch blockiert, Handelsschiffe können den Engpass nur eingeschränkt passieren. In dieser Lage fungiert die Ost-West-Pipeline als zentrale Ausweichroute. Wenn auch sie durch Angriffe bedroht oder zeitweise abgeschaltet wird, steigt das Risiko weiterer Störungen im Ölfluss aus dem Golf. Für Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa bedeutet dies potenziell steigende Energiekosten und erhöhte Volatilität bei Benzin- und Heizölpreisen. Zugleich unterstreicht der Vorfall, wie eng Energiepreise, Sicherheitslage im Nahen Osten und geopolitische Spannungen miteinander verflochten sind und wie rasch operative Angriffe vor Ort wirtschaftliche Folgen weltweit haben können.

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