Portadown, Oranier-Parade

Portadown: Gegner blockieren umstrittene Oranier-Parade

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 15:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In Portadown bleibt eine umstrittene Oranier-Parade trotz behördlicher Genehmigung blockiert. Der Streit belastet die Zusammenarbeit von Sinn Féin und DUP in der nordirischen Einheitsregierung.

  • Keine Bewegung: Die umstrittene Parade bleibt seit den Morgenstunden blockiert.  - Bild: Peter Morrison/PA Wire/dpa
    Keine Bewegung: Die umstrittene Parade bleibt seit den Morgenstunden blockiert. - Bild: Peter Morrison/PA Wire/dpa
  • Gegendemonstranten blockieren die Garvaghy Road - die Parade konnte deshalb zunächst nicht starten.  - Bild: Peter Morrison/PA Wire/dpa
    Gegendemonstranten blockieren die Garvaghy Road - die Parade konnte deshalb zunächst nicht starten. - Bild: Peter Morrison/PA Wire/dpa
  • An der Parade des protestantischen Oranier-Ordens nahmen 35 Personen teil. - Bild: Peter Morrison/PA Wire/dpa
    An der Parade des protestantischen Oranier-Ordens nahmen 35 Personen teil. - Bild: Peter Morrison/PA Wire/dpa
Keine Bewegung: Die umstrittene Parade bleibt seit den Morgenstunden blockiert.  - Bild: Peter Morrison/PA Wire/dpa Gegendemonstranten blockieren die Garvaghy Road - die Parade konnte deshalb zunächst nicht starten.  - Bild: Peter Morrison/PA Wire/dpa An der Parade des protestantischen Oranier-Ordens nahmen 35 Personen teil. - Bild: Peter Morrison/PA Wire/dpa

Hunderte Gegendemonstranten haben in Portadown in Nordirland eine umstrittene Parade des protestantischen Oranier-Ordens blockiert.

Marschroute bleibt versperrt

Die Konfrontation in einem überwiegend katholischen Teil der Stadt dauerte trotz heftigen Regens an. Die von den Behörden freigegebene Route blieb seit den Morgenstunden versperrt, sodass die Parade nicht beginnen konnte.

Nach Angaben der BBC versammelten sich dort Hunderte Gegner des Marsches. Zugelassen waren 35 Teilnehmer, jedoch keine Bands oder Unterstützer.

Streit zwischen Sinn Féin und DUP

Unter den Protestierenden sollen auch hochrangige Mitglieder der für eine irische Wiedervereinigung eintretenden Partei Sinn Féin gewesen sein, darunter die nordirische Regierungschefin Michelle O’Neill. Der Chef der pro-britischen Democratic Unionist Party (DUP), Gavin Robinson, kritisierte die Teilnahme der Sinn Féin scharf.

Sinn Féin und DUP gehören trotz ihrer politischen Gegensätze der nordirischen Einheitsregierung an. Der britische Nordirlandminister Chris Bryant kündigte an, früher als geplant nach Belfast zurückzukehren, um mit Politikern beider Seiten zu sprechen.

O’Neill unterstützt Protest der Anwohner

O’Neill rief beim Kurznachrichtendienst X zu „Ruhe auf allen Seiten“ auf. Zugleich erklärte sie, sie unterstütze das Recht der Anwohner, gegen den „unerwünschten konfessionell geprägten Marsch“ zu protestieren. Der Marsch solle nicht die Garvaghy Road entlangführen.

Gericht bestätigt Entscheidung

Die Behörden hatten den Marsch seit 1998 über diese Straße untersagt. Einer Gerichtsentscheidung in der Nacht, die die Genehmigung bestätigte, war ein erbitterter Streit vorausgegangen.

In den 1990er-Jahren kam es im sogenannten Drumcree-Konflikt zu teils schweren gewaltsamen Auseinandersetzungen. Der Oranier-Orden wurde 1795 in Portadown als Bund zur Erhaltung von Monarchie und Protestantismus gegründet; seine Mitglieder suchten damals Schutz vor Angriffen irischer Katholiken.

Ein Streit mit langer Vorgeschichte

Die blockierte Parade berührt einen der symbolträchtigsten Konflikte des nordirischen Zusammenlebens. Portadown war in den 1990er-Jahren ein Zentrum des Streits um den Weg protestantischer Oranier durch die katholisch geprägte Garvaghy Road. Die damaligen Auseinandersetzungen führten zu schweren Spannungen und prägten die spätere Praxis, umstrittene Märsche aus Gründen der öffentlichen Ordnung einzuschränken.

Oranierparaden sind für viele Protestanten Ausdruck der Verbundenheit mit der britischen Krone und der eigenen Tradition. Für viele katholische Anwohner stehen sie dagegen für historische Vorherrschaft und Ausgrenzung. Dass die Behörden den Marsch nun erstmals seit Jahrzehnten wieder erlaubten, macht die Entscheidung über die konkrete Route politisch besonders aufgeladen.

Belastungsprobe für die Einheitsregierung

Die Teilnahme führender Sinn-Féin-Politiker an der Blockade verschärft den Konflikt, weil Sinn Féin und DUP trotz gegensätzlicher Verfassungsziele gemeinsam die nordirische Regierung tragen. Der Streit reicht damit über eine einzelne Demonstration hinaus: Er berührt die Fähigkeit der Institutionen, zwischen dem Recht auf kulturelle Ausdrucksformen, dem Schutz von Anwohnern und der Vermeidung neuer Gewalt zu vermitteln.

Für die weitere Entwicklung sind der Umgang der Polizei mit der Blockade, mögliche Gespräche zwischen den politischen Lagern und die Reaktion des Oranier-Ordens entscheidend. Eine Eskalation könnte das ohnehin fragile Vertrauen zwischen den Gemeinschaften und in die nordirischen Institutionen zusätzlich belasten.

Disclaimer...

de | ausland | 70189824 |