Portadown: Gegendemonstranten blockieren umstrittene Oranier-Parade
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 10:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Gegendemonstranten haben am Sonntag in Portadown eine umstrittene Parade des protestantischen Oranier-Ordens durch einen überwiegend katholischen Stadtteil zunächst blockiert.
Parade kann zunächst nicht starten
Nach Angaben britischer Medien versammelten sich bei heftigem Regen Hunderte Menschen an der Garvaghy Road. Die zuständige Parades Commission hatte den Marsch zuvor erstmals seit den 1990er-Jahren erlaubt.
Für die Parade waren 35 Teilnehmer zugelassen. Bands und Unterstützer durften nicht mitmarschieren. Wegen der Gegendemonstration konnte der Zug am Morgen zunächst nicht starten.
Protest mit Beteiligung von Sinn Féin
Laut britischen Medien beteiligten sich auch Mitglieder der für die Wiedervereinigung Irlands eintretenden Partei Sinn Féin an dem Protest. In der Nähe der Straße wurden am Morgen Feuerwerkskörper abgeschossen.
O'Neill unterstützt Protestrecht der Anwohner
Die nordirische Regierungschefin Michelle O'Neill rief auf der Plattform X zu „Ruhe auf allen Seiten“ auf. Die Sinn-Féin-Politikerin erklärte zugleich, sie unterstütze das Recht der Anwohner, „gegen diesen unerwünschten konfessionell geprägten Marsch“ zu protestieren. „Dieser Marsch sollte nicht die Garvaghy Road hinuntergehen.“
Gericht bestätigt Entscheidung
Der Genehmigung war ein erbitterter Streit vorausgegangen. Ein Gericht bestätigte die Entscheidung in der Nacht. Seit 1998 hatte die Parades Commission den Marsch über die Straße untersagt.
In den 1990er-Jahren war es im sogenannten Drumcree-Konflikt zu teils schweren gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Der Oranier-Orden wurde 1795 in Portadown als Bund zur Erhaltung von Monarchie und Protestantismus gegründet. Seine Mitglieder suchten damals Schutz vor Angriffen irischer Katholiken.
Ein wiederkehrender Konflikt
Die Auseinandersetzung um die Garvaghy Road steht für einen der bekanntesten Streitpunkte in der Geschichte des nordirischen Friedensprozesses. Der sogenannte Drumcree-Konflikt hatte in den 1990er-Jahren gezeigt, dass protestantische Traditionsmärsche in katholisch geprägten Wohngebieten nicht nur eine Frage des Wegverlaufs sind, sondern als Ausdruck politischer Vorherrschaft verstanden werden können.
Die Entscheidung, den Marsch nach jahrzehntelanger Sperre wieder zu erlauben, berührt deshalb zentrale Fragen des Zusammenlebens in Nordirland: das Recht auf öffentliche Versammlung und kulturelle Ausdrucksformen auf der einen Seite sowie den Schutz von Anwohnern und die Vermeidung konfessioneller Provokationen auf der anderen. Die Begrenzung auf 35 Teilnehmer und der Ausschluss von Bands und Unterstützern zeigen, dass die Genehmigung mit erheblichen Auflagen verbunden ist.
Bedeutung für die Region
Die Blockade macht deutlich, dass eine rechtliche Genehmigung allein keine gesellschaftliche Akzeptanz schafft. Besonders relevant ist die Rolle der nordirischen Regierung: Ihre Regierungschefin unterstützt das Protestrecht der Anwohner und ruft zugleich zur Ruhe auf. Für Portadown bedeutet der Vorgang kurzfristig zusätzliche Spannungen und ein erhöhtes Risiko von Zusammenstößen. Über den Einzelfall hinaus dürfte entscheidend sein, ob Behörden, Anwohner und der Oranier-Orden künftig Regeln finden, die sowohl die Versammlungsfreiheit als auch die Sensibilität konfessionell geteilter Orte berücksichtigen.
