Polizeigranate in Lens: 15-Jähriger verliert bei Schülerprotest Hand
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 15:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bei einem Schülerprotest im nordfranzösischen Lens ist einem 15 Jahre alten Gymnasiasten durch eine Polizeigranate die Hand abgerissen worden.
Schwer verletzt in Klinik gebracht
Der Schüler wurde mit schweren Verletzungen in eine Klinik nach Lille gebracht. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft befinde er sich nicht in Lebensgefahr.
Die Generalinspektion der Nationalpolizei leitete eine Untersuchung zum Einsatz der Bereitschaftspolizei ein. Welcher Typ Granate verwendet wurde, ist bislang nicht bekannt.
Polizei unter Beschuss
Vor einer Schule in Lens hatten Schüler im Zuge landesweiter Proteste demonstriert. Nach Angaben der Präfektur warfen sie aus einer Gruppe von 200 bis 250 Jugendlichen Steine und Feuerwerkskörper auf Beamte.
Daraufhin rückte die Bereitschaftspolizei an. Noch ist offen, ob der verletzte Schüler eine von der Polizei in die Menge abgefeuerte Granate aufgehoben hatte oder ob der Sprengsatz direkt in seiner Hand landete.
Mitschülerin berichtet von Explosion
Schüler vor Ort berichteten dem Sender Ici Nord, sie hätten den Eingang der Schule blockieren wollen, als die Beamten Tränengas und Granaten eingesetzt hätten. Eine Mitschülerin sagte, sie habe neben dem verletzten Schüler gestanden und gesehen, wie dessen Hand explodiert sei.
Nach Informationen des Senders soll es sich um eine Blendgranate gehandelt haben. Der Einsatz solcher Granaten bei Demonstrationen ist umstritten.
Weitere Proteste angekündigt
An mehr als 400 Schulen in Frankreich demonstrierten Jugendliche zu Wochenbeginn für eine bessere Ausstattung und bessere Lernbedingungen. Hunderte Schulen blieben nach Gewaltexzessen in der vergangenen Woche geschlossen.
Für Dienstag haben Schülervertretungen zu landesweiten Protesten aufgerufen. Unterstützung kommt von den Gewerkschaften.
Proteste wegen maroder Schulen
Die Proteste in Frankreich richten sich gegen schlechte Lernbedingungen an öffentlichen Schulen. Nach Angaben aus der aktuellen Berichterstattung blieben landesweit 400 bis 500 weiterführende Schulen ganz oder teilweise geschlossen; 24 Schulen seien in Brand gesetzt oder verwüstet worden. Zudem wurden seit Beginn der Proteste 78 Beschäftigte verletzt.
Damit verbindet sich ein sozialpolitischer Konflikt mit einer Sicherheitsfrage. Schülervertretungen und Gewerkschaften wollen am Dienstag weitere Demonstrationen organisieren. Für die Behörden steht dem Anspruch auf Versammlungsfreiheit die Aufgabe gegenüber, Schulen, Beschäftigte und Einsatzkräfte zu schützen.
Streit über Polizeieinsätze
Der Vorfall in Lens verschärft diese Auseinandersetzung, weil ein Minderjähriger durch eine Polizeigranate schwer verletzt wurde und die Generalinspektion den Einsatz untersucht. Für die Bewertung des Geschehens ist entscheidend, welcher Granatentyp verwendet wurde und wie der Sprengsatz in die Hand des Schülers gelangte. Diese Fragen sind Gegenstand der Ermittlungen.
Für Familien, Schulen und Kommunen hat die Eskalation unmittelbare Folgen: Unterricht fällt aus, Gebäude müssen geschützt oder repariert werden, und das Vertrauen zwischen Jugendlichen und Sicherheitsbehörden wird belastet. Die angekündigten neuen Proteste dürften deshalb nicht nur die Forderungen nach besseren Bedingungen, sondern auch die Debatte über den Einsatz polizeilicher Mittel bestimmen.
