Pentagon: Hegseth kürzt Generäle und setzt auf Musk
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 00:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUS-Verteidigungsminister Pete Hegseth will ein Fünftel der für Generäle und Admiräle vorgesehenen Dienstposten streichen und Elon Musk mit der Leitung eines Projekts zur Zukunft der Kriegsführung betrauen.
Rede zur Lage der Streitkräfte
Hegseth verteidigte bei einer Rede vor Militärs in Quantico im US-Bundesstaat Virginia die umstrittene Umgestaltung des Verteidigungsministeriums. Gleichzeitig kündigte er weitere Veränderungen an.
Das neue Projekt solle mit einem kreativen Blick auf die Zukunft Bereiche identifizieren, die die USA erobern müssten, sowie Fähigkeiten, die sie beherrschen müssten. Ergebnisse erwartet Hegseth binnen 120 Tagen.
Autonome Waffen und neues Kommando
In seiner Ansprache sprach der Pentagon-Chef auch über autonome Kriegsführung. Gemeint sind Waffensysteme und Künstliche Intelligenz, die ohne direkten menschlichen Eingriff aktiv werden und etwa Angriffe ausführen können.
Zusätzlich kündigte Hegseth ein neues Vier-Sterne-Kommando an, das autonome und robotergestützte Fähigkeiten im US-Militär ausbauen soll. Eine weitere Initiative soll dafür sorgen, dass jede größere Militäreinrichtung in den USA eigenen Strom erzeugen kann, damit sie auch bei Cyberangriffen oder Sabotage am zivilen Stromnetz handlungsfähig bleibt.
Neuer Militärstützpunkt geplant
Nach Hegseths Angaben will US-Präsident Donald Trump außerdem einen neuen Militärstützpunkt im eigenen Land bauen. Die Gouverneurinnen und Gouverneure der Bundesstaaten forderte der Verteidigungsminister auf, Bewerbungen einzureichen.
Ein Bundesstaat müsse erklären, wie er 15.000 bis 25.000 US-Soldaten beherbergen könne. Hegseth nannte den Bau Teil der angekündigten Neuausrichtung des Militärs.
Umbau der Führung
Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl der aktiven Vier-Sterne-Generäle und -Admiräle deutlich reduziert worden. In den vergangenen Monaten wurden zudem mehrere hochrangige Führungskräfte entlassen oder zum Rückzug gedrängt; die Gründe dafür blieben häufig unklar.
Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 trieb Hegseth außerdem den Ausschluss von Transmenschen aus dem Militär sowie den Abbau von Programmen für Diversität und Gleichstellung voran. Vor den Militärs sagte er nun: „Die ideologischen Clowns sind raus. Die patriotischen Cowboys sind drin“.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump bezeichnet das Verteidigungsministerium seit dem vergangenen Herbst als „Kriegsministerium“. Hegseth erklärte, es gebe in den eigenen Reihen nun nur noch „Krieger“.
Führung und Einsatzbereitschaft
Die geplante Kürzung betrifft nicht nur Verwaltungsstellen, sondern die Führungsebene der US-Streitkräfte. Nach den vorliegenden Angaben könnten rund 160 von etwa 800 Dienstposten für Generäle und Admiräle entfallen. Die Zahl der Generalsdienstposten ist gesetzlich begrenzt; unbesetzte Stellen können jedoch durch ausbleibende Nominierungen faktisch reduziert werden.
Hegseth begründet den Kurs mit dem Abbau redundanter Strukturen und einer stärkeren Ausrichtung auf die Truppe. Zugleich stehen die Streitkräfte weltweit unter hoher Belastung. Weniger Führungspersonal kann Entscheidungswege verschlanken, erhöht aber den Druck auf die verbleibenden Befehlshaber und kann den Wissenstransfer in komplexen Operationen erschweren.
Autonomie als zweiter Schwerpunkt
Mit dem neuen Projekt verbindet das Pentagon die Führungsreform mit einem technologischen Umbau. Autonome und robotergestützte Systeme sollen militärische Fähigkeiten erweitern; zugleich verschiebt sich damit die Verantwortung für Zielauswahl, Kontrolle und Rechenschaft stärker in Richtung Software und datenbasierter Systeme. Die angekündigten Ergebnisse binnen 120 Tagen dürften deshalb auch für Verbündete von Bedeutung sein.
Für Deutschland und die NATO ist entscheidend, ob die USA trotz des personellen Umbaus ihre Führungs- und Bündnisfähigkeit sichern. Der angekündigte neue Militärstützpunkt sowie die geplante Eigenversorgung großer Einrichtungen mit Strom zeigen zudem, dass Hegseth Personal-, Technologie- und Infrastrukturpolitik als zusammenhängende Vorbereitung auf mögliche Krisen behandelt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
DER SPIEGEL: „USA: Pete Hegseth will Zahl der Generäle und Admiräle weiter reduzieren“ (30.09.2026)
Der Bericht bestätige den geplanten Abbau von 20 Prozent der entsprechenden Dienstposten und ordne ihn als Verdoppelung eines zuvor vorgesehenen Einschnitts ein. Er hebe zusätzlich hervor, dass bereits mehrere hochrangige Militärführer entlassen oder zum Rücktritt gedrängt worden seien, und stelle den möglichen Konflikt mit dem US-Kongress in den Mittelpunkt.
FOCUS online: „Pete Hegseth plant, die Stellen für Admirale und Generäle um 20 Prozent zu kürzen“ (30.09.2026)
Der Artikel bestätige die Kürzungen für Heer, Navy und Luftwaffe und schreibe, ein Teil der Stellen könne herabgestuft statt vollständig gestrichen werden. Anders als der Bericht im SPIEGEL richte er den Schwerpunkt auf die Vorgeschichte des Mottos „Weniger Generäle, mehr GIs“ sowie auf die strengen Vorgaben für Hegseths Auftritt in Quantico.
Beide Berichte stimmten beim Umfang des geplanten Abbaus und beim Auftrittsort überein; offen bleibe, wie viele Stellen tatsächlich wegfielen und welche Folgen die Neuordnung für die militärische Führung habe.
