Papstmesse in Paris: Leo XIV. feiert mit 700.000 Menschen
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 15:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPapst Leo XIV. hat im Zentrum von Paris vor rund 700.000 Menschen eine Messe gefeiert und ist zuvor auf den Champs-Élysées mit dem Papamobil bejubelt worden.
Großer Gottesdienst auf der Place de la Concorde
Die Messe fand auf der Place de la Concorde statt, einem der größten Plätze der französischen Hauptstadt. Bereits Stunden vor Beginn um 15.00 Uhr waren die Zugänge blockiert, rund um die Champs-Élysées und bis auf die andere Seite der Seine galten weiträumige Sicherheitsabsperrungen.
Unter den Besuchern waren Premierminister Sébastien Lecornu und die rechte Politikerin Marine Le Pen. Staatspräsident Emmanuel Macron blieb dem Gottesdienst fern. Als Grund wurde die in Frankreich strikt praktizierte Trennung von Kirche und Staat genannt; Macrons Ehefrau Brigitte nahm dagegen teil.
Weiterreise nach Lourdes und Metz
Der aus den USA stammende Papst hält sich seit Freitag zu seinem ersten Frankreich-Besuch auf. Am späten Samstagnachmittag reist er in den Marien-Wallfahrtsort Lourdes weiter. Letzte Station der Reise ist am Montag Metz nahe der deutsch-französischen Grenze.
Treffen mit neu getauften Erwachsenen
Vor der Messe besuchte Leo ein Sozialzentrum und traf Erwachsene, die sich erst kürzlich hatten taufen lassen. Er rief sie dazu auf, sich im Glauben an Christus nicht beirren zu lassen und ihn weiterzugeben.
Nach Angaben der französischen Bischofskonferenz haben sich in diesem Jahr 13.000 Erwachsene taufen lassen – dreimal so viele wie vor zehn Jahren. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Kindertaufen seit dem Jahr 2000 mehr als halbiert.
Begeisterung trotz strikter Trennung von Staat und Kirche
Katholiken bilden in Frankreich weiterhin die größte religiöse Gruppe. Der Anteil der Muslime ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen; viele Menschen bekennen sich zu keiner Religion.
Viele Gläubige sangen vor Beginn des Gottesdienstes. Einige trugen Trikots der französischen Fußball-Nationalmannschaft mit dem Aufdruck „Pape Léon“ und der Rückennummer 14. Ein Besucher sagte, auf einen Papstbesuch in Paris habe man fast 20 Jahre gewartet. Zuletzt war Benedikt XVI. 2008 in der französischen Hauptstadt.
Laizität und öffentliche Religion
Die Messe macht sichtbar, dass die strikte französische Trennung von Staat und Kirche religiöse Präsenz nicht aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Politische Vertreter können an einem solchen Ereignis teilnehmen, ohne dass der Staat selbst als religiöser Akteur auftritt. Die Abwesenheit des Präsidenten von der Messe entspricht dabei der im Vorfeld des Besuchs beschriebenen protokollarischen Zurückhaltung.
Zwischen Aufbruch und Säkularisierung
Die hohe Beteiligung steht neben einem langfristigen Rückgang kirchlicher Bindungen. Nach den Angaben der französischen Bischofskonferenz lassen sich zwar mehr Erwachsene taufen; zugleich ist die Zahl der Kindertaufen seit 2000 deutlich gesunken. Frankreich erlebt damit keinen einfachen Bedeutungsverlust des Christentums, sondern eine Verschiebung: Institutionelle Bindung nimmt ab, während einzelne religiöse Ereignisse weiterhin große Mobilisierungskraft besitzen.
Politische und gesellschaftliche Bedeutung
Leos Reise verbindet religiöse Nähe zu Gläubigen mit politischen Themen. Bei Gesprächen in Paris warnte der Papst vor den Risiken künstlicher Intelligenz und eines weltweiten Wettrüstens; zudem standen Fragen zum Schutz des Lebens im Raum. Die weiteren Stationen in Lourdes und Metz erweitern den Besuch um seelsorgerische und europapolitische Akzente. Für Frankreich bleibt der Papstbesuch deshalb zugleich Großereignis, gesellschaftliches Signal und Anlass für Debatten über Religion, Staat und Europas gemeinsame Werte.
