Papst Leo XIV. warnt Frankreich vor Aushöhlung des Lebensschutzes
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 22:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPapst Leo XIV. hat Frankreich zum Auftakt seines viertägigen Besuchs als Land der Menschenrechte gewürdigt, zugleich aber eine „neue Brüderlichkeit“ und den Schutz des Lebens von der Zeugung bis zum Tod angemahnt.
Appell im Élysée-Palast
Bei einem Empfang im Élysée-Palast in Paris verwies das Oberhaupt der katholischen Kirche auf Frankreichs neues Gesetz zur Sterbehilfe und auf das in der Verfassung verankerte Recht auf Abtreibung. Im Beisein von Präsident Emmanuel Macron sagte Leo: „Der Schutz des Rechts auf Leben bildet die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte.“
Zu einer neuen Brüderlichkeit gehöre, „das Leben bedingungslos anzunehmen“. Leo warnte zudem davor, Wissenschaft und Technik in gewinnorientierte Unternehmungen zu verwandeln, die Genmanipulationen, Leihmutterschaft, Organhandel oder einen geplanten Tod förderten.
Warnung vor Technik und Wettrüsten
Der Papst warnte angesichts der Debatte über Künstliche Intelligenz vor einem „Paradies der Maschinen“. Bei einem weiteren Auftritt mahnte er einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien an. Ohne Wahrheit unterliege Sprache der Logik von Gewalt und der Willkür der Mächtigen, sagte er.
Begegnung mit Zehntausenden Jugendlichen
Am Abend besuchte Leo einen Vespergottesdienst für junge Menschen im Stade de France in Saint-Denis. Vor rund 80.000 Besuchern rief er zu Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe auf. Es reiche nicht aus, das Böse zu meiden: „Man muss sich für das Gute entscheiden.“
Für eine Messe auf der Place de la Concorde am Samstag haben sich mehr als eine halbe Million Menschen angemeldet. Weitere Stationen des bis Montag dauernden Besuchs sind der Wallfahrtsort Lourdes und Metz, wo Leo eine Europa-Rede halten will.
Französische Wurzeln und strikte Laizität
Der aus den USA stammende Papst, der bürgerlich Robert Prevost heißt, hat französische familiäre Wurzeln; seine Großmutter kam aus der Normandie. Frankreich gilt historisch als „älteste Tochter“ der Kirche, trennt Staat und Kirche aber seit mehr als einem Jahrhundert grundsätzlich. Weniger als ein Drittel der Bevölkerung bekennt sich heute zum katholischen Glauben.
Treffen mit Missbrauchsopfern geplant
In Lourdes will Leo Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche treffen. Einen Termin für eine Deutschlandreise gibt es weiterhin nicht, nach Angaben aus dem Umfeld des Papstes liegen jedoch mehrere Einladungen vor.
14.000 Beamte im Einsatz
Der Besuch wird von umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Rund 14.000 Beamte sind im Einsatz, zahlreiche Straßen in Paris wurden abgesperrt. Bei Leos Ankunft am Flughafen Orly läuteten landesweit die Kirchenglocken; Tausende Menschen säumten die Straßen.
Laizität prägt den Besuch
Der erste Frankreich-Besuch von Leo XIV. trifft auf ein politisches Umfeld, in dem religiöse Überzeugungen und staatliche Gesetzgebung besonders strikt getrennt werden. Die französische Laizität erklärt, warum der Papst im Élysée-Palast als religiöses Oberhaupt empfangen wird, seine Positionen zu Sterbehilfe und Abtreibung aber zugleich unmittelbar in gesellschaftliche Grundsatzdebatten hineinreichen.
Frankreich hat das Recht auf Abtreibung 2024 in der Verfassung verankert. Das im Sommer beschlossene Gesetz zur Sterbehilfe erweitert den Handlungsspielraum schwer kranker Menschen unter engen Voraussetzungen. Leos Appell für den Schutz des Lebens stellt diesen Entscheidungen die katholische Lehre entgegen und macht deutlich, dass der Besuch nicht auf protokollarische Begegnungen beschränkt bleibt.
Politische und europäische Dimension
Macrons Fernbleiben von den Messen unterstreicht die besondere Sensibilität des französischen Staatsverständnisses. Zugleich empfängt der Präsident den Papst im Élysée-Palast und begleitet damit den politischen Teil der Reise. Diese Trennung ermöglicht Gespräche über Frieden, Menschenrechte und Europa, ohne die staatliche Neutralität gegenüber religiösen Zeremonien aufzugeben.
Für die Öffentlichkeit verbindet der Besuch deshalb mehrere Ebenen: Hunderttausende Gläubige werden zu den Gottesdiensten erwartet, während Leo in Paris, Lourdes und Metz unterschiedliche Zielgruppen anspricht. Seine Warnungen vor einem gewinnorientierten Einsatz von Biotechnologie und einem unkontrollierten Wettrüsten erweitern die Debatte über bioethische Fragen um globale Sicherheits- und Technologiethemen.
