Papst Leo XIV., Europa-Rede in Metz

Papst Leo XIV. warnt in Metz vor Zukunftsangst und Europas Abschottung

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 12:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Papst Leo XIV. hat Europas Jugend am letzten Tag seiner Frankreich-Reise zu Zuversicht aufgerufen und vor einer zunehmenden Verrohung zwischen Staaten und Menschen gewarnt. In Metz wandte er sich zugleich gegen Abschottung, ein sinnloses Gemetzel in der Ukraine und eine alleinige Fixierung auf Wiederaufrüstung.

  • Papst Leo XIV. während seiner Grundsatzrede. - Bild: Benoit Tessier/Reuters Pool via AP/dpa
    Papst Leo XIV. während seiner Grundsatzrede. - Bild: Benoit Tessier/Reuters Pool via AP/dpa
  • Papst Leo XIV. mahnt Europa zu einer Rückbesinnung auf Grundwerte. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
    Papst Leo XIV. mahnt Europa zu einer Rückbesinnung auf Grundwerte. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa
  • Metz ist die letzte Station eines viertägigen Frankreich-Besuchs. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa
    Metz ist die letzte Station eines viertägigen Frankreich-Besuchs. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa
  • Leo XIV. traf sich auch mit Vertretern anderer Religionen. - Bild: Gregorio Borgia/AP/dpa
    Leo XIV. traf sich auch mit Vertretern anderer Religionen. - Bild: Gregorio Borgia/AP/dpa
Papst Leo XIV. während seiner Grundsatzrede. - Bild: Benoit Tessier/Reuters Pool via AP/dpa Papst Leo XIV. mahnt Europa zu einer Rückbesinnung auf Grundwerte. - Bild: Aurelien Morissard/AP/dpa Metz ist die letzte Station eines viertägigen Frankreich-Besuchs. - Bild: Emma Da Silva/AP/dpa Leo XIV. traf sich auch mit Vertretern anderer Religionen. - Bild: Gregorio Borgia/AP/dpa

Papst Leo XIV. hat Europas Jugend am letzten Tag seines Frankreich-Besuchs in Metz aufgefordert, sich von Krisen und Konflikten nicht entmutigen zu lassen.

Warnung vor Verrohung

„Habt keine Angst vor der Zukunft!“, mahnte das Oberhaupt der katholischen Kirche in einer Grundsatzrede zu Europa. Zugleich beklagte er, der Umgangston zwischen Staaten und Menschen habe sich weltweit verschlechtert.

„Heutzutage werden die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Beziehungen zwischen den Staaten immer barbarischer“, sagte Leo. Das gegebene Wort werde missachtet, stattdessen würden Lüge und Täuschung gerühmt. Politiker oder Länder nannte der Papst nicht.

Appell an Europas Werte

Im Beisein des französischen Staatschefs Emmanuel Macron forderte Leo Europa auf, einer „Abwärtsspirale“ mit eigenen Anstrengungen ein Ende zu setzen. Der Kontinent habe in den vergangenen 80 Jahren bewiesen, dass unterschiedliche Meinungen und Interessen durch Begegnung statt durch Bekämpfung zusammengeführt werden könnten.

Nun müsse Europa zu den Wurzeln seiner Werte zurückfinden. Der Papst sprach von einer „kreativen Wiederentdeckung“.

Bezug auf Robert Schuman

Metz war als letzte Station der Reise gewählt worden, weil dort Robert Schuman zu Hause war. Der französische Politiker und Außenminister legte in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg Grundlagen für die heutige Europäische Union.

Auf den Stationen in Paris und Lourdes war Leo bei Gottesdiensten unter freiem Himmel von mehr als einer Million Menschen gefeiert worden, darunter viele junge Leute.

Forderung nach Integration

Der Papst wandte sich außerdem gegen eine Abschottung Europas. Für Menschen, die vor Krieg und Armut flüchteten, müssten „ernsthafte Aufnahme- und Integrationsprozesse“ geschaffen werden.

Einen Menschen aufzunehmen bedeute, ihn wie ein Familienmitglied zu integrieren und ihm Möglichkeiten zu geben, seine Talente, Fähigkeiten und Persönlichkeit zu entfalten. Zugleich müsse sich der Ankömmling „in den Geist des Hauses einfügen“.

Ukraine-Krieg und Wiederaufrüstung

Den seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg in der Ukraine bezeichnete Leo als „sinnloses Gemetzel“. Mit Blick auf Europas Reaktion auf den russischen Angriff warnte er davor, einer „Illusion der Wiederaufrüstung“ nachzugeben.

Stattdessen verlangte er mehr „kreative Anstrengungen“, um den Weltfrieden zu fördern. Europa dürfe das Vertrauen in seine Fähigkeit zu Fortschritten nicht verlieren, auch wenn Schritte manchmal klein und kaum bemerkbar seien.

Appell an junge Menschen

Zum Ende seiner Ansprache rief Leo die Jugend auf, sich nicht der Logik von Gewalt und Unterdrückung zu unterwerfen. Sie solle das Leben in jedem Augenblick lieben und keine Angst vor der Zukunft haben. Der Papst ermutigte zudem dazu, eine Familie zu gründen und Kinder zur Welt zu bringen.

Rückkehr nach Rom

Macron hatte zu der Europa-Rede auch Staats- und Regierungschefs der anderen EU-Mitgliedstaaten eingeladen. Die Resonanz darauf blieb jedoch gering. Aus Deutschland nahm die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger teil.

Am Nachmittag war in der Kathedrale von Metz eine Messe geplant, an der Macron überraschend teilnehmen wollte. Wegen der strikten Trennung von Kirche und Staat in Frankreich war der Präsident bei den ersten Gottesdiensten der Reise nicht dabei.

Am Abend sollte Leo XIV. nach Rom zurückfliegen. Seine nächste größere Reise ist für November geplant und soll ihn zehn Tage lang nach Uruguay, Argentinien und Peru führen. In Südamerika war der gebürtige US-Amerikaner vor seiner Wahl zum Papst viele Jahre als Missionar und Bischof tätig; er besitzt auch die peruanische Staatsbürgerschaft.

Europäische Botschaft in einer angespannten Zeit

Leo XIV. verbindet seine Europarede mit drei Themen, die den Kontinent unmittelbar betreffen: dem Krieg in der Ukraine, dem Umgang mit Geflüchteten und der politischen Fähigkeit Europas, trotz unterschiedlicher Interessen gemeinsam zu handeln. Seine Warnung vor einer „Illusion der Wiederaufrüstung“ richtet sich dabei nicht gegen jede sicherheitspolitische Vorsorge, sondern gegen die Vorstellung, militärische Stärke allein könne Frieden schaffen.

Der Bezug auf Robert Schuman verankert die Rede in der europäischen Nachkriegsgeschichte. Schuman gehörte zu den politischen Wegbereitern der europäischen Integration, die auf Kooperation und institutionelle Bindungen statt auf nationale Machtkonkurrenz setzte. Wenn der Papst eine „kreative Wiederentdeckung“ europäischer Wurzeln fordert, meint dies nach dem Inhalt seiner Ansprache eine Verbindung von historischer Erinnerung und neuen Antworten auf heutige Krisen.

Bedeutung für Europa und Frankreich

Für Frankreich besitzt der Besuch zugleich innenpolitische und gesellschaftliche Bedeutung. Die großen Menschenmengen in Paris und Lourdes zeigen die öffentliche Wirkung der Reise, während die Teilnahme von Emmanuel Macron in Metz die europapolitische Dimension des Auftritts unterstreicht. Zugleich bleibt das Verhältnis von Kirche und Staat in Frankreich besonders sensibel, weshalb religiöse und staatliche Rollen sichtbar getrennt werden.

Für Leser in Deutschland ist die Rede vor allem deshalb relevant, weil Metz nahe der Grenze liegt und Anke Rehlinger als deutsche Vertreterin anwesend ist. Die Forderung nach ernsthaften Aufnahme- und Integrationsprozessen berührt unmittelbar die europäische Migrationspolitik; die Mahnung zum Frieden verweist auf die Debatte über Europas Unterstützung der Ukraine und seine künftige Sicherheitsordnung.

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