Papst Leo XIV. fordert Putin zu Waffenstillstand in Oleschky auf
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 18:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHumanitäre Hilfe für Oleschky
- Leo XIV. sprach aus dem Gemelli-Krankenhaus mit Wladimir Putin.
- Oleschky liegt in der Region Cherson auf russisch kontrolliertem Gebiet.
- Nach ukrainischen Angaben leben dort etwa 2.000 Menschen unter schwierigen Bedingungen.
Papst Leo XIV. drängt auf Hilfe für Oleschky
Papst Leo XIV. fordert Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu einem Waffenstillstand für die Frontstadt Oleschky im Süden der Ukraine auf. In einem Telefonat äußerte das Kirchenoberhaupt nach Angaben des Vatikans seine tiefe Besorgnis über die humanitäre Lage in der von Russland abgeriegelten Stadt.
Vatikan nennt humanitäre Ziele
Leo bekräftigte zugleich seinen Appell für Frieden und Dialog. Die Feuerpause soll nach seiner Begründung die Lieferung von Lebensmitteln und medizinischer Hilfe sowie die freiwillige und sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung ermöglichen.
Putin wünschte dem Papst nach dessen Operation eine rasche Genesung. Der Kreml dankte dem Vatikan für seine Bereitschaft, im Ukraine-Krieg zu vermitteln und humanitäre Fragen zu lösen.
Moskau weist Verantwortung zurück
Die Verantwortung für die Lage in Oleschky schob der Kremlchef allein der Ukraine zu. Zugleich erklärte er, die Bemühungen des Vatikans unterstützen zu wollen, die Sicherheit und Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.
Telefonat aus dem Krankenhaus
Leo führte das Gespräch aus dem Gemelli-Krankenhaus, in dem sich der 71-Jährige seit seiner Krebs-Operation am vergangenen Dienstag aufhält. Zur Dauer des Telefonats machte der Vatikan keine Angaben.
Stadt liegt direkt an der Front
Oleschky liegt auf russischem Besatzungsgebiet in der Region Cherson am Dnipro. Die von der Ukraine kontrollierte Gebietshauptstadt Cherson ist neun Kilometer entfernt; dazwischen verläuft die Front.
Nach ukrainischen Angaben hält Russland in Oleschky etwa 2.000 Menschen fest. Rund um die Stadt liegen nach jahrelangem wechselseitigem Beschuss Minen, weshalb ein Verlassen in alle Richtungen lebensgefährlich ist.
Vatikan bemüht sich um Vermittlung
Der Vatikan hat sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs mehrfach um eine Vermittlung zwischen den Konfliktparteien bemüht. Diese Versuche blieben bislang ohne Erfolg; zeitweise war der Kirchenstaat als möglicher Ort für Friedensgespräche im Gespräch, was Moskau ablehnte.
Der Kreml warf der ukrainischen Armee wiederholt vor, durch Drohnenangriffe Lieferungen von Lebensmitteln nach Oleschky zu verhindern. Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.
Der Appell des Papstes fällt in eine Phase, in der die humanitären Folgen des Krieges für die Zivilbevölkerung erneut stärker in den Mittelpunkt rücken. In der Ukraine führen russische Angriffe auf Energieanlagen zu Strom- und Wasserausfällen; zugleich wächst vor dem Winter der Druck auf die Versorgung und den Schutz der Bevölkerung.
Für Oleschky ist die Lage besonders zugespitzt, weil die Stadt unmittelbar an der Front liegt, abgeriegelt ist und von Minenfeldern umgeben sein soll. Ein Waffenstillstand könnte nach der Darstellung des Vatikans vor allem praktische Ziele ermöglichen: Hilfslieferungen, medizinische Versorgung und eine sichere Evakuierung. Politisch setzt der Vorstoß darauf, dass humanitäre Maßnahmen trotz der grundsätzlichen Gegensätze zwischen Russland und der Ukraine vereinbart werden können.
Vermittlung mit begrenztem Spielraum
Der Vatikan hat sich im Ukraine-Krieg wiederholt um Vermittlung bemüht. Die bisherigen Bemühungen führten jedoch nicht zu Friedensgesprächen. Dass der Kreml seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei humanitären Fragen betont, während er die Verantwortung für Oleschky der Ukraine zuschreibt, zeigt die weiterhin gegensätzlichen Darstellungen der Konfliktparteien.
Für die Menschen in der Stadt wäre entscheidend, ob aus dem politischen Appell konkrete Sicherheitsgarantien und belastbare Transportwege entstehen. Offen bleibt insbesondere, ob sich die Konfliktparteien auf eine kontrollierte Feuerpause und den Zugang für Hilfsorganisationen verständigen können.
